EnBW drosselt Leistung von GKN I in Neckarwestheim

Neckarwestheim - EnBW lässt das umstrittene Atomkraftwerk länger am Netz als geplant. Wie das Unternehmen heute mitteilte, wurde die Leistung des Meilers gedrosselt. Damit kann er rechnerisch so lange laufen, bis im Herbst das Energiekonzept der Bundesregierung steht.

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Neckarwestheim - Das über 30 Jahre alte Atomkraftwerk Neckarwestheim I bleibt länger am Netz als geplant. Um die ursprünglich nach dem Atomkonsens bis Frühjahr befristete Laufzeit zu verlängern, wurde die Leistung des zweitältesten Reaktors in Deutschland um gut zwei Drittel gedrosselt, sagte ein Sprecher des Karlsruher Stromkonzerns EnBW am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Damit will das Unternehmen den umstrittenen Meiler zumindest solange am Netz halten, bis die schwarz-gelbe Bundesregierung im Herbst ihr Energiekonzept vorlegt und - wie vor der Bundestagswahl angekündigt - die Laufzeiten verlängert. Umweltschützer, Atomkraftgegner und die Opposition kritisierten das Vorgehen der EnBW heftig und kündigten Proteste an.

Die Aussichten auf längere Laufzeiten stehen indes gut: Die Parteispitzen von Union und FDP hatten am Mittwochabend in Berlin bekräftigt, auch nach den Äußerungen von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) zur Atomkraft werde der Koalitionsvertrag eingehalten. Röttgen hält es für denkbar, dass die Kernkraft 2030 von Öko-Energien abgelöst werden kann. CSU-Chef Horst Seehofer sagte dagegen am Donnerstag, er sei sich mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle einig gewesen, „dass wir bleiben bei dem, was wir seit Monaten gesagt haben, womit wir uns auch der Bevölkerung gestellt haben zur Abstimmung“.

Grüne wettern: „Miese Tricks“

Die Südwest-Grünen warfen der EnBW „miese Tricks“ vor. Das Umweltministerium Baden-Württemberg sprach hingegen von einem „gangbaren Weg“, um eine vorzeitige Abschaltung zu vermeiden. Der über 30 Jahre alte Druckwasserreaktor mit einer elektrischen Leistung von 840 Megawatt soll in den nächsten Monaten nur noch mit einer Produktion von etwa 250 Megawatt gefahren werden, erklärte EnBW-Sprecher Dirk Ommeln.

Die Landes-SPD sieht damit den Beweis erbracht, dass das AKW Neckarwestheim I nicht gebraucht wird. Die von der Landesregierung geschürten Befürchtungen, ohne Atomkraft breche die Stromversorgung zusammen, würden nun endgültig widerlegt, meinte SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel. „Landesregierung und EnBW mauscheln zusammen, um die Atomkraft weitertreiben zu können“, befürchtete er.

Um eine Übergangslösung für Neckarwestheim I zu finden, war auch eine Übertragung von verbliebenen Strommengen von dem bereits stillgelegten Atomkraftwerk Stade im Gespräch gewesen. Durch die gedrosselte Stromproduktion sei dies aber „nicht mehr zwingend nötig“, sagte der EnBW-Sprecher. „Wir bleiben mit reduzierter Leistung länger am Netz.“ Damit komme der Meiler rechnerisch „mindestens bis in den Herbst“.

Die Grünen-Landesvorsitzenden Silke Krebs und Chris Kühn warfen auch dem neuen Regierungschef Stefan Mappus (CDU) vor, dass er der EnBW dieses Vorgehen erlaube. „Damit tritt sie den Geist des Atomkonsenses mit Füßen - und das mit dem Segen von Ministerpräsident Mappus.“ Nach Schätzung des Grünen-Energieexperten Franz Untersteller bringt der EnBW jeder Tag, den der Reaktor unter Volllast am Netz ist, einen Gewinn von rund einer Million Euro. „Die EnBW lässt den Meiler ins Koma fallen, in der Hoffnung, dass es im Herbst eine Einigung gibt, damit der atomare Dukatenesel wieder spuckt.“

Proteste gegen „Schrottreaktor“ angekündigt

BUND-Landesgeschäftsführer Berthold Frieß warf dem drittgrößten deutschen Stromkonzern vor, sich nicht an den Atomausstiegsvertrag zu halten. Er kündigte für den 21. März massiven Protest gegen den „Schrottreaktor“ an. Zu der Demonstration in Neckarwestheim, an der neben Naturschützern und Atomkraftgegnern auch SPD, Grüne und DGB teilnehmen, werden ihm zufolge „mehrere tausend“ Menschen erwartet. EnBW-Sprecher Ommeln versicherte aber, dass die „rechtlich zulässige und unternehmerisch gebotene“ Drosselung keinerlei Auswirkungen auf die Sicherheit habe.

Ministerium: Entscheidend ist sicherer Betrieb

Das Land Baden-Württemberg, das die Hälfte des Stroms aus Kernkraft bezieht, hatte sich für eine Laufzeitverlängerung von Neckarwestheim I stark gemacht. Im Übrigen sei es eine freie Entscheidung der EnBW, wie viel Strom sie zu welcher Zeit produziere. „Entscheidend für die Atomaufsicht ist der sichere Betrieb der Anlage, und nicht, wie viel Strom erzeugt wird“, betonte ein Sprecher von Umweltministerin Tanja Gönner (CDU). lsw

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