Ex-Leingartener holt FC Bayern nach Heilbronn

Heilbronn - Das Allstar-Team des FC Bayern München kommt am 15. April zu einem Benefizfußballspiel zugunsten der Aktion SOS Gaffenberg in das Heilbronner Frankenstadion.

Von Joachim Friedl

Gaffenberg
Heilbronn - Dem Mann im Hintergrund sei Dank. Ohne Martin Hägele würden am 15. April die Allstars des FC Bayern München (FCB) nicht im Heilbronner Frankenstadion zugunsten der Spendenaktion SOS Gaffenberg gegen eine Unterländer Prominenten-Auswahl auflaufen. Es ist ein Stück Sentimentalität dabei, die dem Allstars-Gründer und Manager die Zusage leicht gemacht hat: Von 1972 bis 1976 war Martin Hägele Gaffenberg-Onkel. Unnachahmlich mimte er unter anderem den "brüllenden Löwen" in einem "brennenden" Reif. Begeistert für diese Aufgabe hat ihn damals sein THG-Klassenkamerad Richard Mössinger, heute Pfarrer der Friedensgemeinde. Noch immer verbindet die beiden eine schöne Freundschaft.

Aufstieg

Heute sitzt Martin Hägele, der im September 60 Jahre alt wird, in einem Büro an der Säbener Straße in München, der Heimat des FC Bayern. Als "Leiter Internationale Beziehungen" kurbelt der langjährige Sportjournalist, der nie seinen schwäbischen Dialekt verleugnet hat, vor allem die Asien-Geschäfte des Rekordmeisters an. Parallel dazu baut er die Kommunikation zu den weltweit größten Medien in jenen Märkten auf, die für Bayern-Sponsoren wie Audi und Adidas wichtig sind.

Treffsicher

Seine journalistische Laufbahn beginnt Martin Hägele bei der Heilbronner Stimme. Nach dem Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium steigt der gebürtige Großgartacher 1974 in ein Volontariat ein. Von Anfang an gilt der junge Mann als aufmüpfig. Hägele erinnert sich an einen heiklen Augenblick in der Sportredaktion: "Lothar Strobl warf mit einem Aschenbecher nach mir. Ich warf zurück − und das gute Stück schlug knapp über dem Scheitel des Sportchefs in der Wand ein. Damit hatte ich mir Respekt verschafft."

Spektakulär sind auch seine Auftritte auf dem grünen Rasen. Seinen 40. Geburtstag feiert er groß mit einem Prominentenspiel und Steve Woods, dem Sänger im Musical "Starlight Express", auf dem Sportplatz in Leingarten. Fußballerisch groß wird Martin Hägele beim SV Großgartach und beim TSV Stetten.

Journalismus

Über den Heilbronner Pädagogen und DFB-Funktionär Alfred Finkbeiner kommt Hägele zum Sportmagazin "Kicker". Ein Jahr später holt ihn der Sportreporter Hans Blickensdörfer zur "Stuttgarter Zeitung". Es folgen Jahre als Freier Journalist, bis er 1985 Sportchef beim "Stern" wird. Berichte über den Doping-Skandal um US-Leichtathletik-Star Carl Lewis und die Dopingpraxis in der ehemaligen DDR tragen seine Handschrift.

Einstieg

Danach hat Martin Hägele, dem Otmar Hitzfeld einst als erster Bundesligaprofi das Du angeboten hat, neue Pläne. Er interessiert sich für den asiatischen und vor allem japanischen Fußball. Er wird zum Fernost-Fußballexperten. Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, die Hägele seit Jahren aufgrund seiner journalistischen Tätigkeit kennen, fällt sein Renommee in Asien auf. Der Vollblutschreiber begleitet 2004 die Bayern-Bosse nach Tokio, wo der Club einen Kooperationsvertrag mit Adidas Japan schließen sollte. Am Flughafen Narita begrüßt der Zöllner Martin Hägele − Hoeneß und Rummenigge erkennt er nicht. Sehr zur Verwunderung der beiden früheren Weltklassespieler. 2005 wird Hägele-San, wie ihn der ehemalige Bayern-Trainer Felix Magath getauft hat, Leiter für internationale Beziehungen.

Heute lebt "Häcker", so sein Spitzname seit den ersten Schultagen, mit seiner Familie in Tutzing am schönen Starnberger See. Der Autor zahlreicher Publikationen hat zwischen 1976 und 2004 mit Ausnahme von Moskau alle Olympischen Spiele − Winter wie Sommer − und seit 1978 alle Fußball Europa- und Weltmeisterschaften miterlebt.

Abschied

Der Mann, dem ein bayerisches Helles lieber ist als ein Weißbier, spricht ganz offen darüber, wie das stressige Leben ihn fertiggemacht hat: "Vor zehn Jahren hatte ich Burnout." Hägele sortiert seinen übervollen Bauchladen aus und setzt sich klare Lebensziele. Unterstützung bekommt er von seiner Frau Ingrid, eine ehemalige Gaffenbergtante, den Kindern Christian (29) und Kiki (23) sowie seinem Freund und Sänger Wolle Kriwanek.

Das Engagement der Bayern Allstars in Heilbronn ist das letzte Spiel, für das Martin Hägele verantwortlich ist. Allstar-Kapitän und FCB-Marken-Botschafter Paul Breitner übernimmt anschließend das Management. Während Hägele all dies erzählt, sind seine Gedanken bereits in Japan. Es gilt, ein Benefizspiel des FC Bayern München Mitte Mai zugunsten der Katastrophen-Opfer zu organisieren. Die bayerisch-asiatischen Beziehungen erleben eine neue Qualität.

Benefizfußballspiel

Das Allstar-Team des FC Bayern München kommt am 15. April zu einem Benefizfußballspiel zugunsten der Aktion SOS Gaffenberg in das Heilbronner Frankenstadion. Das Team um Allstar-Kapitän Paul Breitner trifft um 17 Uhr auf eine Heilbronner Traditionsauswahl. Das Vorspiel, das um 15.30 Uhr beginnt, bestreiten eine Bürgermeisterauswahl und eine Elf, bestückt mit den besten Fußballern der Heilbronner Serviceclubs. Karten gibt es in allen Geschäftsstellen der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung/Kraichgau Stimme und bei der Tourist-Information der Stadt Heilbronn an der Kaiserstraße.

Die Preise: Haupttribüne 20 Euro, Vortribüne 15 Euro, Gegengerade 10 Euro, ermäßigte Stehplätze 7 Euro.
SOS Gaffenberg ist eine Aktion der Bürgerstiftung mit Unterstützung der Heilbronner Stimme.