Paul Breitner: "Ich bin nicht mehr Chefscout"

Heilbronn - Paul Breitner kommt am Freitag mit den Allstars des FC Bayern München ins Frankenstadion nach Heilbronn. Im Stimme-Interview spricht der 59-Jährige über Legenden, den Papst, mit dem er verwandt ist und über die Situation beim FC Bayern.

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Heilbronn - Am Freitag (17 Uhr) treffen im Heilbronner Frankenstadion aktuelle und ehemalige Fußballgrößen aus dem Unterland auf die Allstars des FC Bayern München − der Erlös kommt der Aktion "Rettet den Gaffenberg für unsere Kinder" zugute. Für die Bayern wird unter anderem Paul Breitner auflaufen. Lars Müller-Appenzeller sprach mit ihm über die aktuellen Geschehnisse beim FC Bayern, den Papst und die Welt.


Herr Breitner, erinnern Sie sich an Heilbronn und den 11. Juni 1971?

Paul Breitner: Hm, das müsste das eine Spiel mit der Juniorennationalmannschaft gewesen sein − eine Woche vor meinem ersten Länderspiel. Das war in Heilbronn ein erster Meilenstein meiner Karriere.


Genau: Im Frankenstadion gab es gegen Albanien einen 2:0-Sieg. Kommt ein weiterer Meilenstein am Freitag hinzu, wenn sie nach dem Spiel gegen die Unterländer Auswahl von Martin Hägele den Job als Manager der Allstars übernehmen?

Breitner: Ich werde diese Mannschaft nicht managen, sondern ich werde für Situationen wie jetzt, solche Spiele wie in Heilbronn, direkter Ansprechpartner sein. Es gibt pro Jahr sechs, sieben, acht Spiele, von April bis Oktober, mittlerweile fast alle im Rahmen von Sponsorenverträgen oder für unsere Fans. Deshalb helfen mir die entsprechenden Mitarbeiter aus der Sponsoring- oder Fanclubabteilung, bei denen auch die Anfragen für solche Spiele eingehen.


Wie heißt die Mannschaft richtig: Alte Herren? Traditionself? Allstars?

Breitner: Es kommt drauf an, wie Sie einen Michael Tarnat mit 41 Jahren altersmäßig einordnen, oder einen Stefan Reuter, einen Markus Münch, einen Wiggerl Kögl, einen Thomas Helmer. Wir bilden uns ein, die Oldstars zu sein. Wir sind eine sehr illustre Ansammlung ehemaliger Nationalspieler oder Spieler des FC Bayern.


Und Sie treffen sich montags an der Säbener Straße zum Training, wie Mehmet Scholl einmal in einem Interview erzählt hat?

Breitner: Nein, das ist Unsinn. Wir treffen uns zu keinem einzigen Training. Weil es keinen Sinn macht, wenn der eine aus Stuttgart, der andere aus Bochum, der dritte aus Salzburg oder sonst wo her käme. Wenn wir uns montags zum Training treffen würden, dann wären wir noch aktiv.


Für die Aktiven des FC Bayern war es ein aufregendes Wochenende . . .

Breitner: Die Aufregung ist schon lange vorbei.


Was sagen Sie zur Entlassung von Trainer Louis van Gaal?

Breitner: Es kommt nicht darauf an, wie ich die Entlassung sehe, sondern was sie bewirkt. Und jeder, der dazu eine konkrete Aussage macht, der macht eine Wasserstandsmeldung. Wir alle können erst am 14. Mai gegen 17.20 Uhr abschätzen, was die Entlassung bewirkt hat.


Glauben Sie, dass Ruhe herrscht, bis Jupp Heynckes am 1. Juli übernimmt?

Breitner: Ich hoffe es.


Inwiefern haben Sie denn als Chef- scout . . .

Breitner: Ich bin nicht mehr Chefscout.


Seit wann nicht mehr?

Breitner: Seit Anfang des Jahres 2011.


Warum?

Breitner: Es hat sich so ergeben, dass ich seitdem andere Aufgaben beim FC Bayern habe. Ich bin mehr im repräsentativen Bereich unterwegs, als Markenbotschafter des FC Bayern − und in diesem Rahmen bin ich jetzt in Zukunft auch fürs Allstar-Team zuständig.


Ist das eine Art Rückzug?

Breitner: Ich ziehe mich gar nicht zurück, bin genau so viel unterwegs wie vorher. Ich war beispielsweise vergangene Woche für einen unserer vielen Partner, quasi alle sind Weltkonzerne, fünf Tage in Ankara.


Wie viele Spielerberater hatten sich denn bei Ihnen als Chefscout des FC Bayern so am Tag gemeldet?

Breitner: Kein einziger. Weil es für mich nicht interessant ist, dass mir irgendein Spielerberater irgendjemand anbietet. Wir entscheiden schon ganz alleine, welcher Spieler für den FC Bayern interessant ist.


Was müssen denn die nicht mehr ganz so jungen Männer, gegen die Sie am Freitag in Heilbronn spielen, zeigen, damit sie ins Notizbuch beim FC Bayern kommen?

Breitner: (lacht) Gar nichts. Wenn einer dafür in Frage gekommen wäre, dann wüssten wir das längst.


Sie haben dieses Jahr noch einen wichtigen Termin: Am 5. September werden Sie ein Sechzger. Ist das ein Problem für eine lebende Legende des FC Bayern?

Breitner: Ich mag zum einen den Ausdruck "Sechzger" nicht, denn ich werde 60 Jahre. Und zum anderen mag ich auch den Ausdruck "Legende" nicht. Weil jeder Heini, der in seinem Bereich etwas gemacht hat, plötzlich eine Legende ist. Ich finde dieses Wort zum Kotzen. Es ist auch jeder von heute auf morgen ein Star, der irgendwo in Heilbronn oder Umgebung den Ball öfter jonglieren kann als andere. Wir haben eine Schwemme von Stars und Legenden, da wird mir ganz übel.


Stimmt es, dass Sie mit Papst Benedikt XVI. verwandt sind?

Breitner: Das ist richtig. Meine Mutter ist Cousine zweiten Grades − so in dem Bereich bewegt sich das.


Wie oft haben Sie ihn schon getroffen?

Breitner: Ich habe ihn nicht getroffen und möchte das auch nicht.


Weil?

Breitner: Ich mit der Kirche überhaupt nichts zu tun habe. Ich bin kein gläubiger Mensch. Das sind Dinge, die mich überhaupt nicht interessieren. Und die Verwandtschaft − mein Gott, ich kann nix dafür.


Sind Sie fit für den Freitag?

Breitner: Ich hoffe, dass ich am Dienstag oder Mittwoch noch einmal eine halbe Stunde laufen kann − grundsätzlich versuche ich, ein Mal die Woche zu laufen, das ist alles.


Info: Karten für das Benefizspiel am kommenden Freitag gibt es in den Geschäftsstellen der Heilbronner Stimme, Hohenloher Zeitung und Kraichgau Stimme sowie in der Heilbronner Tourist-Info.

 

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