Wer jubelt auf dem Heilbronner Marktplatz?

Triathlon  Bei der Challenge Heilbronn stehen Sebastian Kienle, Andreas Böcherer, Daniela Sämmler und Yvonne van Vlerken im Mittelpunkt.

Von Andreas Öhlschläger

Wer jubelt auf dem Heilbronner Marktplatz?
Auf Sieg gepolt: Sebastian Kienle ist der Lokalmatador bei der Sparkassen Challenge Heilbronn. Sein Heimatverein ist das Schwaigerner Tri-Team Heuchelberg. Fotos: Andreas Veigel

Es ist schon gut, dass Yvonne van Vlerken ein konsequent umgesetztes Farbkonzept hat. Alles in Pink − Klamotten, Ausrüstung, alles eben. Im schummerig-düsteren Lounge-Bereich an der Bar des Heilbronner Mercure-Hotels setzt die Niederländerin unübersehbar einen Akzent.

Das will Yvonne van Vlerken auch am Sonntag tun, wenn es bei der Sparkassen Challenge Heilbronn sportlich zur Sache geht. Dann möchte die 39-Jährige mit einer famosen Leistung auf sich aufmerksam machen − selbstverständlich in Pink.

Schon im vergangenen Jahr hatte sich die Blondine viel vorgenommen. Ein Sturz auf der Radstrecke machte dann alles zunichte. "Wenn man Rennen gewinnen möchte, muss man Risiken eingehen", sagt die in Österreich lebende van Vlerken am Freitagnachmittag beim Profi-Pressegespräch vor der Challenge-Halbdistanz. Die Schmerzen damals nach dem Sturz? Beträchtlich. Aber irgendwann auch wieder vorbei. Und dann ging's weiter. "Ich stehe eigentlich immer wieder auf. Das ist das, was einen Triathleten ausmacht. Wir sind harte Hunde."

Aber solche mit Herz.

Deshalb wird demnächst geheiratet. Yvonne van Vlerken hat ihr Hochzeitskleid in Heilbronn dabei. "Ich bin auf der Durchreise." Mitte Juli ist es soweit, dann wird Ja gesagt. Aber vorher gibt es noch zwei Quälereien. Am Sonntag in Heilbronn, am 1. Juli bei der Challenge Roth auf der Langdistanz.

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Daniela Sämmler hat dasselbe Rennprogramm vor sich. In Heilbronn geht sie als Titelverteidigerin an den Start. Am Sonntagmorgen um 9.15 Uhr beginnt der Wettkampf mit dem Schwimmen im Neckar. Im Gegensatz zu Yvonne van Vlerken hat Sämmler "sehr gute Erinnerungen an letztes Jahr". Beim fränkischen Klassiker in Roth möchte sie den deutschen Rekord attackieren. Die Challenge Heilbronn ist ein wichtiger Formtest. Daniela Sämmler hatte "zuletzt das Gefühl, dass ich noch Wettkampfhärte brauche". Und "natürlich möchte ich meinen Titel verteidigen."

Bei den Männern wird es einen anderen Triumphator als 2017 geben, denn Boris Stein ist diesmal nicht dabei. Doch es ist sehr gut möglich, dass ein Triathlet als Erster auf dem Marktplatz ankommen wird, der das Siegergefühl in Heilbronn gut kennt: Sebastian Kienle vielleicht, der Ironman-Weltmeister von 2014, er hat in Heilbronn bereits zweimal gejubelt.

Oder ist es Andreas Böcherer, der seit der Premiere des City-Triathlons anno 2010 schon dreimal vor dem Rathaus abgefeiert worden ist? Beide freuen sich auf den Fight über 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer auf dem Rennrad und einen Halbmarathon. "Es ist nie groß eine Taktiererei", wenn es heiße Böcherer gegen Kienle, sagt Kienle. "Das macht schon Spaß."

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Es könnte aber sein, dass es einen Spielverderber gibt, der sich vor die beiden Trainingskollegen schiebt. Horst Reichel zum Beispiel, der schon zweimal Dritter in Heilbronn war. "Ich bin hochmotiviert, es diesmal noch ein bisschen besser zu machen." Oder der Schweizer Sven Riederer, der dreimal bei Olympischen Spielen am Start war und 2004 in Athen Triathlon-Bronze mit nach Hause nehmen durfte. Er empfindet die längere Mitteldistanz als "extrem erfrischend". Mental. Weil es eben eine ganz andere Herausforderung ist.

Auch der Amerikaner Jesse Thomas könnte eine gute Rolle spielen. Er ist 38 Jahre alt, Sven Riederer 37. Aber Triathleten auf den längeren Distanzen gehören damit noch nicht zum alten Eisen. Man muss nur auf Yvonne van Vlerken schauen.

 
 

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