Bürger-Uni: Wie die junge Generation die Welt verändert

Heilbronn  Am Donnerstagabend befasste sich der Jugendforscher Klaus Hurrelmann in seiner Vorlesung mit der Generation Y, denen er das Potenzial attestiert, die Gesellschaft zu verändern. Und zwar heimlich, nicht lautstark.

Von Renate Dilchert
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Angepasst, konfliktscheu, ichbezogen und unglaublich langweilig – mit solchen Etiketten behaftet, begibt sich die sogenannte Generation Y derzeit an die Unis und auf den Arbeitsmarkt. Wie ticken diese zwischen 1985 und 2000 geborenen jungen Leute, denen man in den Führungsetagen der Unternehmen offenbar kaum etwas zutraut?

Antwort auf diese Frage erhielten die rund 450 Zuhörer am Donnerstagabend in der gut besuchten Aula auf dem Bildungscampus bei der nunmehr fünften Vorlesung der Heilbronner Bürger-Uni, die von Stimme-Redakteur Tobias Wieland moderiert wurde. Tomás Bayón, Geschäftsführer der GGS, stellte in seiner Begrüßung fest: „Man merkt am Arbeitsplatz schon, dass da etwas anders läuft.“

„Das ist eine enorme Herausforderung für viele Unternehmen“, bestätigte der renommierte Sozialwissenschaftler und Jugendforscher Professor Klaus Hurrelmann in seinem Vortrag. Kann man rund zwölf Millionen junge Menschen über einen Kamm scheren? Die Wissenschaft setzt 15 Jahre für eine Generation an. „Technische, politische, kulturelle, wirtschaftliche und ökologische Umwälzungen, die über eine lange Zeit auf junge Leute in der sensiblen Phase der Pubertät einwirken, sorgen dafür, dass alle diese unterschiedlichen Persönlichkeiten ähnliche Züge zeigen“, erklärte der Referent.

Ungewissheit über die Zukunft

Terroranschläge wie 9/11, Umweltkatastrophen wie in Fukushima und Jugendarbeitslosigkeit haben ihnen vor allem eines signalisiert: dass die Welt morgen schon eine ganz andere sein kann – und vielleicht nicht mehr lebenswert. 30 Prozent der Ypsiloner reagieren höchst sensibel auf solche Ereignisse, weitere 30 Prozent in abgeschwächter Form. Daraus folgt: ein Leben in Ungewissheit. Wer sich nicht sicher sein kann, wie das Morgen aussieht, mag sich nicht festlegen. „Das führt zu Flexibilität und Offenheit, aber auch zu Opportunismus“, erklärte Hurrelmann. 

Darüber hinaus stellen die Ypsiloner ständig Kosten-Nutzen-Kalkulationen an: „Man rollt alles von den persönlichen Ansprüchen her auf.“ So steht das Y – abgeleitet vom amerikanischen „Why“ – für die stete Frage dieser „Egotaktiker“: Warum soll ich etwas Bestimmtes tun?

Streben nach höheren Abschlüssen

Unsicherheiten im Arbeitsleben begegnen die Ypsiloner mit dem Streben nach höheren Schulabschlüssen und akademischen Graden, wobei die Inhalte nicht wichtig sind. Die Arbeit soll Spaß machen, erfüllen, kreativ sein und, und, und – aber Karriere ist nicht das oberste Ziel, „denn das könnte die Selbstverwirklichung stören“.

Vorsicht gehöre zum Wesen dieser Generation, quasi als eingebaute Burn-out-Sperre. Mit dieser Einstellung ecken die Ypsiloner gehörig an. „Es kommt zu richtigen Generationenspannungen in den Betrieben“, sagte Hurrelmann. Denn die Jungen fordern mehr Mitsprache, flache Hierarchien, eine ausgeglichene Work-Life-Balance – alles Dinge, die inzwischen im Lehrbuch für modernes Personalmanagement stehen. 

>>>Eine ausführliche Berichterstattung finden Sie in der Samstagsausgabe (25. März) in der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung/Kraichgau Stimme

Veranstaltungsreihe Bürger-Uni

Bei dem kostenlosen Angebot wird Wissenschaft unterhaltsam vermittelt. Die Kooperationsreihe von Dieter-Schwarz-Stiftung, German Graduate School of Management and Law (GGS) und Heilbronner Stimme wird ausnahmsweise an einem Mittwoch, 28. Juni, fortgesetzt. Anmeldungen sind etwa vier Wochen vorher unter www.stimme.de/buerger-uni möglich. 

 


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