Bürger-Uni: Leistung beginnt im Kopf

Heilbronn  Der Sportpsychologe Jan Mayer erklärt bei der Heilbronner Bürger-Uni, wie jeder Bestleistungen punktgenau abrufen kann.

Von Renate Dilchert
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Jetzt kommt es darauf an: in der Prüfung, im Verkaufsgespräch, beim Meeting - oder beim entscheidenden Elfmeter. Jetzt ist der Moment. Und dann das: Der Kopf ist leer, Schweiß steht auf der Stirn, die Beine sind schwer, die Zunge will nicht gehorchen. Stress. Verloren, versagt, vergeigt.

Die Erfolgsgeheimnisse der Hochleistungssportler

Warum gelingt es so häufig nicht, Leistung genau dann abzurufen, wenn man sie braucht - obwohl man grundsätzlich dazu fähig wäre? Darüber, sagt Professor Jan Mayer, entscheidet der Kopf. Der Sportpsychologe war am Donnerstagabend zu Gast bei der Heilbronner Bürger-Uni, einem Kooperationsprojekt von Dieter-Schwarz-Stiftung, German Graduate School of Management und Law (GGS), Technischer Universität München (TUM) und Medienunternehmen Heilbronner Stimme. In der Aula auf dem Bildungscampus zeigte er den rund 500 Zuhörern in seinem spannenden und unterhaltsamen Vortrag auf, wie sich die Erfolgsgeheimnisse der Hochleistungssportler in den Alltag übertragen lassen. Moderiert wurde der Abend von Stimme-Redakteur Tobias Wieland.

Vom Umgang mit Druck

Die erste Herausforderung ist: Leistung, wenn es drauf ankommt. "Fast täglich sind Sie gefordert, weil jeder von Ihnen erwartet, dass Sie funktionieren", sagte Mayer. Aber ist der Druck wirklich so groß? Ist der Elfmeter im Spiel wirklich etwas anderes als im Training? "Das Relevante - Ball, Rasen, Tor - ist gleich. Es ist nicht die Sache, die ein Problem macht, sondern die Sicht auf die Sache - das Gehirn spielt uns einen Streich." Und dann wird auch noch Kontinuität verlangt, Leistung auf immer gleichem Niveau. Total kontraproduktiv, erklärt Mayer: "Wenn einer sagt, ,ich will", dann geht es nicht mehr. Es geht nur mit Leichtigkeit, Loslassen, Freude." Die Grundlage dafür ist Selbstkompetenz, die Überzeugung vom eigenen Können - "es ist ja da".

Den mentalen Akku aufladen

Voraussetzung für die Punktlandung ist, "dass Sie auf sich achten, damit der mentale Akku voll ist". Die evolutionär in der Genetik angelegte körperliche Stressreaktion - siehe oben - ist jetzt hilfreich: "Du wirst ready, du wirst zum Tier, du bist leistungsfähig." Aber dieser Zustand hält nicht lange an - niemand könne von 8 bis 20 Uhr auf gleich hohem Level arbeiten. Der Akku muss wieder aufgeladen werden. "Regeneration ist im Sport ein großes Thema - in unserer Gesellschaft überhaupt nicht", kritisierte Mayer. "Es ist nicht cool, Pausen zu machen - aber es ist extrem wichtig." Sein Tipp: In der Freizeit, am Wochenende bewusst "Gegenwelten" aufsuchen, nicht erreichbar sein - "früher hatte man Hobbys".

Das eigene Drehbuch schreiben

Die gute Nachricht ist: Jeder kann sein Gehirn dazu bringen, im entscheidenden Moment keinen Blödsinn zu machen. Mentales Training ist nichts anderes, als sich immer wieder planmäßig vorzustellen, wie man in einer bestimmten Situation handelt. Denn das Gehirn macht wenig Unterschiede zwischen dem Tun und der Vorstellung davon. "Bauen Sie sich ein Skript, legen Sie eine Spur im Kopf", riet Mayer. Auch die Nachbereitung ist wichtig - "dass man erfolgreich ist, ist nicht garantiert. Aber zumindest wird man den gleichen Fehler nicht zweimal machen." Und schließlich ist jeder selbst dafür verantwortlich, was in seinem Kopf vor sich geht, welche Gedanken man zulässt. Selbstgespräche haben großen Einfluss auf die aktuelle Befindlichkeit - "als Hochleister kann ich nicht zulassen, dass irgendwas die Befindlichkeit stört." So lässt sich auch Motivation aufrecht erhalten.

Immer auf die nächste Aktion konzentrieren

Und was ist das Ziel? Gewinnen? Nein, davor sind eine ganze Reihe anderer Dinge zu erledigen, Erfolg geht Schritt für Schritt. "Konzentrieren Sie sich immer nur auf die nächste Aktion", betonte Mayer und zeigte das Bild eines Freeclimbers in der Felswand: Dessen Welt "reduziert sich auf die nächsten zehn Zentimeter" - nur dann kommt er oben an. Zugleich lehre dieser Ansatz eine Art von Demut. "Dir wird nichts geschenkt" - diese Erkenntnis sei die Voraussetzung zur Überwindung von Narzissmus und Überheblichkeit.

Viele Faktoren führen zum Erfolg

Kann dank dieser Strategien jeder ein Hochleister und Spitzensportler werden? Moderator Tobias Wieland hatte da so seine Zweifel - zu Recht. "Talent, ein förderndes Elternhaus, ein geeignetes Umfeld und die richtigen Trainer" benannte Jan Mayer als weitere Faktoren. "Dann können Arbeit und Fleiß langfristig zum Erfolg führen."

 

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