Der Golf für ein neues Zeitalter

Volkswagen  Ein erster Test mit dem VW ID.3. Er bietet drei Batteriegrößen und bis zu 550 Kilometer Reichweite. Basisversion wird abzüglich aller Förderungen um die 20.000 Euro kosten.

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Selbst auf dem riesigen Werksgelände von Volkswagen in Wolfsburg bleiben die Menschen stehen und drehen sich nach dem Wagen um. Hier, wo es die Mitarbeiter gewohnt sind, stets die neuesten Modelle des weltgrößten Autobauers vorbeifahren zu sehen, erregt der ID.3 Aufsehen. Er ist eben nicht irgendein Auto, sondern der Gradmesser dafür, ob VW den Sprung in die Elektromobilität erfolgreich meistert. Geht es nach den Wolfsburgern, soll der ID.3 wie einst der Golf der Maßstab in seiner Klasse werden. Die Voraussetzungen dafür bringt er mit, wie die Autostimme bei ihrem ersten Test festgestellt hat.

Im Cockpit sucht man Knöpfe vergebens. Hier ist fast alles digital mit einem 5,3 Zoll großen Bildschirm vor dem Fahrer und einem mittigen Zehn-Zoll-Touchscreen.

Der Stromer ist sofort als VW zu erkennen. Fließende Linien, kurze Überhänge und ein markantes, leicht futuristisch wirkendes Heck. Sechs Außenfarben sind lieferbar, darunter ein auffälliges Türkis. Das Dach wird ausschließlich in Schwarz lackiert. Bestückt werden kann der Wagen mit 18, 19 oder sogar 20 Zoll großen Rädern.

Luftiges Raumgefühl an Bord

Die große Überraschung folgt beim ersten Platznehmen. Mit einer Länge von 4,26 Metern rangiert der ID.3 außen in der Größe des Golf, innen bietet er aber annähernd so viel Platz wie ein deutlich größerer Passat. Da unter der Fronthaube kein Verbrennungsmotor sitzt, rückt das Cockpit weiter nach vorne, der Mitteltunnel entfällt und der kleine Elektromotor sitzt kompakt im Heck. Das sorgt in Summe für ein luftiges Raumgefühl. Hinten sitzen selbst Großgewachsene bequem. In den Kofferraum passen alltagstaugliche 385 Liter. Wer die Rücksitzbank umklappt, kann bis zu 1267 Liter einladen. Das sind Werte, die etwa auf dem Niveau des Golf liegen.

Im Cockpit sucht man Knöpfe weitestgehend vergebens. Hier ist fast alles digital mit einem 5,3 Zoll großen Bildschirm direkt vor dem Fahrer und einem Zehn-Zoll-Touchscreen in der Mitte. Über ihn werden alle wichtigen Funktion per Drücken, Wischen, Gesten oder per Spracheingabe gesteuert.

Der ID.3 startet zunächst mit einer 58 kWh großen Batterie für bis zu 420 Kilometer. Ebenfalls verfügbar zur Markteinführung im Herbst ist das Topmodell ist mit einer 77 kWh-Batterie, die dann maximal 550 Kilometer mit einer Ladung ermöglichen soll. Bei diesen beiden Akkus leistet der E-Motor 150 kW/204 PS. Die Basis-Variante, die später im Jahr startet, wird 45 kWh bekommen und soll damit 330 Kilometer schaffen. Der E-Motor kommt hier auf 107 kW/146 PS.

Beim Bremsen wird Energie zurückgewonnen

Der Golf für ein neues Zeitalter: Erster Test mit dem VW ID.3

Mit einer Länge von 4,26 Metern ist der ID.3 kompakt wie ein Golf, er bietet innen aber deutlich mehr Platz. Dank des tiefen Schwerpunkts fährt sich der Stromer trotz des hohen Gewichts leichtfüßig.

Fotos: VW

Für die erste Ausfahrt stand die 150 kW/204 PS starke Variante mit der 58 kWh starken Batterie (Verbrauch 14,5 kWh/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 0 Gramm pro Kilometer) bereit. Wer denkt, dass E-Autos lahm unterwegs sind, wird schnell eines Besseren belehrt. Das maximale Drehmoment von 310 Newtonmetern steht aus dem Stand verzögerungsfrei bereit. Das reicht für einen Sprint von null auf 60 Sachen in 3,4 Sekunden.

Mit 160 km/h Spitze schwimmt der ID.3 buchstäblich mit dem Strom. Aber es stimmt schon: In einem E-Auto entwickelt man rasch den Ehrgeiz, möglichst gut mit der Reichweite auszukommen. Also drückt man nur sanft aufs Strompedal und freut sich darüber, wenn beim Bremsen Energie zurückgewonnen wird. Bei gemischter Fahrweise auf Autobahn, Landstraße und in der Stadt sind wir annähernd auf 370 Kilometer Reichweite gekommen. Das Maximum erreicht freilich nur, wer durch die City stromert. Apropos Strom.

In 30 Minuten gibt es Energie für 350 Kilometer

Der kleinste Akku lässt sich mit maximal 100 kW laden, die großen mit bis zu 125 kW. An einem Schnelllader gibt es für die von uns getestete mittlere Batterie in nur 30 Minuten Energie für bis zu 350 Kilometer. An der heimischen Wallbox, die in der Regel 11 kW schafft, ist ein leerer Akku in rund sechs Stunden wieder voll. Auf die Batterie gibt VW acht Jahre oder 160.000 Kilometer Garantie für einen Energiegehalt von mindestens 70 Prozent. Denn wie beim Handy auch, verlieren die Akkus im Lauf der Zeit an Leistung.

Dass der Wagen mit seiner rund 500 Kilogramm schweren Batterie im Boden kein Leichtgewicht ist, haben die Ingenieure dank tiefem Schwerpunkt und einer optimalen Gewichtsverteilung von 50:50 (Vorderachse/Hinterachse) geschickt kaschiert. Zudem sind zum Beispiel die Türen aus Aluminium statt aus Stahl, um das Gewicht etwas zu drücken. Knapp 1,8 Tonnen bringt der ID.3 aber in jedem Fall auf die Waage. Dennoch fährt sich der Stromer leichtfüßig und komfortabel.

Preise starten derzeit ab 35.574,95 Euro, Basisversion folgt

Bleiben die Preise. Los geht es mit dem Basismodell ID.3 Pro Performance für 35 .74,95 Euro. Life - Style - Business - Family - Tech - Max: So heißen die sechs seit dem 20. Juli bestellbaren und ab Oktober lieferbaren vorkonfigurierten ID.3-Modelle. Je nach Vorlieben sind sie unterschiedlich ausgestattet. Die Varianten basieren auf dem Basismodell mit einer 58 kWh-Batterie für bis zu 420 Kilometer Reichweite. Zusätzlich gibt es eine weitere Variante, die auf den Namen Tour hört und mit der größten Batterie mit 77 kWh für bis zu 550 Kilometern ausgestattet ist. In der Basisausstattung kostet sie 40.936,31 Euro.

Das Einstiegsmodell, der ID.3 Pure mit der kleinsten Batterie und bis zu 330 Kilometern Reichweite, wird nach Angaben von VW in wenigen Monaten ebenfalls bestellbar sein. Die Preise sollen hier dem Vernehmen nach bei unter 30.000 Euro starten. Zieht man die Staats- und Herstellerförderung in Höhe von insgesamt 9480 Euro ab, kann man ab Herbst für gut 20.000 Euro mit einem Elektroauto unterwegs sein. VW hält damit Wort: Denn damit kostet der ID.3 dann in etwa so viel wie ein neuer Golf.


Alexander Schnell

Alexander Schnell

Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Schnell leitet seit 1. Juni 2006 das Ressort Leben und Freizeit und ist damit für alle Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem auch das Wochenendmagazin Freizeit und die Autostimme. Ein Spezialgebiet des gebürtigen Heilbronners sind alle Themen rund ums Auto und Mobilität. Darüber hinaus ist Schnell Mitglied der Chefredaktion.

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