Kleines Auto, großer Sprung

Autotest  Japaner bringen zweite Generation des handlichen Juke an den Start − und die ist ein echter Fortschritt

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Kleines Auto, großer Sprung

Vor zehn Jahren stand Nissan mit dem Juke in der Pole Position: Seinerzeit war das Angebot an kleinen Crossover-Fahrzeugen ziemlich überschaubar. Da kam der mutig gezeichnete Japaner − eine Mischung aus Kleinwagen, SUV und Coupé im Videospiel-Look − gerade recht. Und stand praktisch allein auf weiter Flur. "Das polarisierende Design war beabsichtigt und zu einem gewissen Grad auch die Essenz des Fahrzeugs", sagt Produktmanager Michel Jansen im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Letztlich ein Konzept mit Erfolg − laut Jansen konnte Nissan in Europa bislang über eine Million Einheiten des Juke verkaufen. Doch in der Zwischenzeit haben die Mitbewerber nachgezogen − mehr als 20 Konkurrenzmodelle listet Jansen aktuell auf. Höchste Eisenbahn also, dem Wagen eine umfassende Auffrischung zu gönnen. Was bringt die in England vom Band laufende, zweite Generation (ab 18.990 Euro) mit?

Kleines Auto, großer Sprung

Michel Jansen bringt das Design treffend auf den Punkt: "Der neue Juke ist immer noch als Juke zu erkennen, wirkt aber nicht mehr so extrem." Das liegt unter anderem an den superflachen, voll integrierten LED-Scheinwerfern, die beim Vorgänger noch seitlich "aufgesetzt" waren. Konventioneller wirkt auch die Heckpartie mit jetzt horizontal verlaufenden Leuchten − bei Generation eins waren sie vertikal und Bumerang-förmig. Darüber hinaus ist der Juke um 75 Millimeter auf 4,21 Meter Länge gewachsen, selbstbewusst trägt er einen dominanten Grill sowie riesige Räder (19 Zoll) zur Schau. Aus dem verspielten Auftritt von einst ist ein stattlicher geworden.

Von den neuen Abmessungen profitieren vor allem die Hinterbänkler, hier wächst die Beinfreiheit um fast sechs Zentimeter. Auch der Kofferraum trägt seinen Namen nun endlich zurecht − aus einst knappen 354 sind 422 Liter geworden. Dank Einlegeboden lässt sich das Gepäckabteil rückenschonend beladen − und mit umgeklappten Rücksitzen schluckt der kleine Hüpfer ordentliche 1088 Liter. Alltagstauglichkeit und Juke − das schließt sich ab sofort nicht mehr aus. Wer die Griffe der hinteren Türen sucht: Die befinden sich weiterhin versteckt oben an der C-Säule.

Kleines Auto, großer Sprung

Mehr Platz bedeutet mehr Komfort − aber nicht nur darum fühlt man sich im neuen SUV-Coupé spürbar wohler als im Vorgänger. Denn Nissan hat den Anteil an grobschlächtigem Hartplastik verringert und setzt nun optisch und haptisch hochwertigere Oberflächen-Materialien ein. Hinzu kommt eine (je nach Linie) gepimpte Ausstattung: Beheizbare Leder-Integralsitze mit Juke-Logo, Ambientelicht, jeweils zwei Bose-Boxen in den Kopfstützen von Fahrer und Beifahrer, Infotainmentsystem mit Acht-Zoll-Display − all das steht dem Cityflitzer prima zu Gesicht.

Apple Car Play und Android Auto sind an Bord, integriertes Wifi ist ebenso verfügbar wie eine Fernsteuerung (Licht, Hupe etc.) per App. Sehr schlecht nutzbar ist hingegen die viel zu klein geratene Smartphone-Ablage.

Unter der Haube ist Schmalhans Küchenmeister − es gibt derzeit nur einen Motor. Zwar macht der wahlweise mit Schaltgetriebe oder Doppelkupplung kombinierbare Dreizylinder-Turbobenziner seine Sache recht ordentlich, dennoch könnte man sich im frontgetriebenen Juke auch mehr als 117 PS und 180 Newtonmeter Drehmoment vorstellen (Verbrauch: 5,9 bis 6,4 Liter, CO2: 135 bis 145 g/km), schließlich gab es vom Vorgänger sogar einen quietschvergnügten Nismo-Ableger. Gerüchten zufolge arbeitet Nissan an einer Elektrifizierung − mittelfristig wird der Juke somit wohl einen Hybridantrieb spendiert bekommen. Ein Diesel wiederum ist ausgeschlossen, die sportliche Nismo-Version offen.

 

Alexander Rülke

Alexander Rülke

Stv. Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Rülke ist im Ressort Leben und Freizeit für die Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem das Wochenendmagazin Freizeit sowie die Autostimme. Der gebürtige Heilbronner interessiert sich für alle Neuigkeiten auf vier Rädern und ist in der Redaktion zudem Ansprechpartner für Themen rund um Heavy Metal.

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