Zweiflingens Bürgermeister Klaus Gross über Sorgen und Wünsche

Zweiflingen  Mit Klaus Gross sitzt seit 18 Jahren ein waschechter Hohenloher im Chefsessel des Zweiflinger Rathauses. Aufgewachsen in Scheppach, weiß er genau, wie die Hohenloher ticken. Das hat in seinem Job Vorteile.

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Als Bürgermeister einer kleinen Gemeinde stehen die Türen des Büros von Klaus Gross meist offen.

Foto: Stefanie Jani

Wie schläft man als Bürgermeister nachts in Corona-Zeiten?

Gross: Ich habe von jeher einen guten Schlaf (lacht). Nun gut, das Thema bereitet mir keine schlaflosen Nächte. Ich denke, wir haben es soweit ganz gut im Griff. Niemand schafft es perfekt. Insgesamt wünsche ich mir natürlich mehr Einigung bei den föderalen Maßnahmen. Sorge bereitet mir der Umgang mit dem Thema an sich, da ich die Diskussionen nicht verstehen kann. Viele bedenken nicht, dass es um Leben geht. Das, was teilweise abläuft, ist kindisch hoch zehn.

Hat es die kleinste Gemeinde im Kreis zur Zeit besonders schwer?

Gross: Ich habe nicht den Eindruck, dass wir es besonders schwer haben. Die Probleme sind auf weniger Schultern verteilt. Auf der anderen Seite sind wir in einer funktionierenden Verwaltungsgemeinschaft, da können wir auch Hilfe erwarten.

Finanziell sieht es nicht gut aus...

Gross: In Zweiflingen fahren wir schon immer auf Sicht, was die Finanzen angeht. Wir haben vieles, aber kein Geld. Aktuell macht mir die schwierige finanzielle Lage und die personelle Situation Sorgen. Dieses Jahr ist die komplette Gewerbesteuer weggefallen. 300 000 Euro hatten wir angesetzt. Die Lage ist dramatisch.

Gibt es Projekte, die Sie gerne bald realisiert hätten?

Gross: Wir hatten noch nie eine ewig lange Projektliste. Wir erledigen eins nach dem anderen. Das glückliche Händchen damals mit den EnBW-Aktien hat uns gerettet. Davon haben wir viele Jahre gezehrt. Klar würden wir gerne mehr das innerörtliche Potenzial umsetzen. Mit dem Abriss der Hofstelle Layer haben wir zumindest den Fuß in der Tür. Das Feuerwehrprojekt schieben wir schon eine Weile. Der Neubau eines Magazins scheitert derzeit am Standort. Wir hätten eins im Auge, das würde uns schon gehören und wir hätten gerne weitergemacht in diese Richtung. Auch die Breitbandversorgung brennt mir unter den Nägeln, die allerdings Corona-Opfer geworden ist.

Jetzt sind Ihnen in Zweiflingen finanziell die Hände gebunden. Was würden Sie tun, wenn sie eine gute Fee zum Stuttgarter Bürgermeister machen würde?

Gross: Ich habe als junger Mensch werktags in Stuttgart gewohnt. Mit zeitlicher Begrenzung wäre ich dabei. Aber dann würde es mich wieder zurückziehen. Das ist wie im Urlaub. Nach zehn Tagen möchte ich wieder nach Hause. In Stuttgart fehlen die direkten Kontakte und die Vielfältigkeit, die man hier hat.

Wie ist der Alltag als Bürgermeister auf dem Land?

Gross: Der Tag ist nicht planbar. Wenn mir noch mal jemand was von Zeitmanagement erzählt, den werde ich ins Eck stellen (lacht). Man macht sich einen Plan und dann um halb acht ruft jemand an und steht kurz darauf vor der Tür. Aber genau das gefällt mir. Ich lebe gerne im beherrschbaren Chaos.

Noch ein Tipp zum Schluss: Was ist ihr Lieblingsplatz?

Gross: Tatsächlich ist meine Terrasse mein Lieblingsplatz von der ich bis nach Gochsen blicken kann.

 

Stefanie Jani

Stefanie Jani

Autorin

Stefanie Jani schnupperte schon zu Schulzeiten in die journalistische Arbeit der Stimme. Nach dem Studium in Regensburg und verschiedenen Praktika kehrte sie zurück in die Heimat und ist seit 2011 Redakteurin in Hohenlohe.

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