Weiteres Energieforschungsprojekt in Wüstenrot ist abgeschlossen

Wüstenrot  Europaweites Forschungsprojekt wurde in der Energie-Plus-Siedlung in Wüstenrot getestet. Es geht um intelligente Steuerung der Lasten. Wärmepumpen sollten mit Eigenstrom betrieben werden.

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Das Feuerwehrhaus und der Bauhof sowie Wohnhäuser in Weihenbronn haben in Wüstenrot zum Beispiel Photovoltaikanlagen.

Foto: Sabine Friedrich

Seit 2018 darf sich Wüstenrot europäische Energie- und Klimaschutzgemeinde nennen. Bis 2030 will sie Energie-Plus-Gemeinde werden, das bedeutet, mehr erneuerbare Energie zu erzeugen, als auf der Gemarkung benötigt wird. Seit Jahren ist die Kommune an Forschungsprojekten für erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Stromnetzausbau beteiligt ist.

Nun gibt es eine weitere Innovation: Nach viereinhalb Jahren ist das EU-Projekt Sim4Blocks abgeschlossen. 30 interessierten Bürgern wurde das intelligente Energiemanagement, an dem 17 Partner aus acht europäischen Ländern beteiligt waren, vorgestellt. Jeder, der eine Wärmepumpe mit Speicher im Haus und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, kann Geld sparen und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Weiterer Baustein für die Energie-Autonomie

"Das ist ein wichtiger Baustein in unserer Zielsetzung", bewertet Thomas Löffelhardt, Energiebeauftragter im Rathaus, die entwickelte Steuerung der Lasten. Diese ermöglicht, dass in Wüstenrot mehr erneuerbare Energie genutzt wird. "Das Ergebnis ist sehr gut, weil wir zeigen konnten, dass man eine Wärmepumpe flexibel steuern kann", zieht Dr. Dirk Pietruschka, Leiter des Instituts zafh.net in Stuttgart im Bereich Zentrum für nachhaltige Energietechnik, ein Fazit.

Die Hochschule mit Assistenten und Studenten hat mit dem Start-up-Unternehmen enisyst die Technologie entwickelt. Diese wurde in der Energie-Plus-Siedlung "Vordere Viehweide" in Wüstenrot getestet. Zwei weitere Pilotstandorte waren bei Lausanne in der Schweiz und bei Barcelona in Spanien.

Flexibilität möglich

Im Wüstenroter Neubaugebiet sind alle 24 Häuser mit Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen ausgestattet. Wenn die Sonne scheint, dann soll die erzeugte Energie auch verbraucht werden. Dieser Gedanke steckt hinter der neuen Technologie. Der Speicher der Wärmepumpe ermöglicht die Flexibilität. Die Pumpe soll nicht morgens, sondern mittags, wenn die Anlage auf dem Dach den meisten Strom erzeugt, mit diesem betrieben werden, erklärt Pietruschka. "Dadurch schaffe ich, dass der selbsterzeugte Strom im Haus genutzt werden kann."

Diese Steuerung habe zwei positive Effekte: Der Hausbesitzer spart Geld. Nimmt er den Strom vom eigenen Dach, kommt ihn das deutlich billiger als Strom vom Versorger einzukaufen. Der zweite Vorteil: Stromspitzen aus erneuerbaren Energien im Netz, die der Versorger ausbalancieren müsse, würden verhindert. Bei hohen Stromüberschuss würden die PV-Anlagen gedrosselt. "Das wäre Vergeudung", sagt Pietruschka.

Rathaus und Schule lieferten ebenfalls Verbrauchsdaten

In 13 Häusern in der "Vorderen Viehweide" wurde der Steuerungskasten eingebaut, in fünf Haushalten konnten die intensiven Untersuchungen im Testzeitraum von Februar bis Juli vorgenommen werden. Auch das Rathaus und die Georg-Kropp-Schule, die an Nahwärmenetze angeschlossen sind, lieferten Verbrauchsdaten. Wenn ganze Quartiere, große Wohn- und Bürokomplexe flexibel gesteuert würden, mache sich eine Einsparung von 20 Prozent schon bemerkbar, so Löffelhardt. Mit 2000 Euro sei die Technologie allerdings noch viel zu teuer, sagt Pietruschka. Deshalb arbeite man an Lösungen, sie wirtschaftlich zu machen. Zudem müsse sie auch einfach zu installieren sein.

Schon 200 Mal wurde laut Löffelhardt die ebenfalls entwickelte und kostenlose Sim4Blocks-App heruntergeladen. Sie soll das Nutzungsverhalten in die richtige Richtung lenken. Es werden Daten über den Eigenstromverbrauch der Wüstenroter PV-Anlagen grafisch dargestellt. Daraus leiten sich Empfehlungen ab, wann die günstigsten Zeiten sind, um Haushaltsgeräte mit der vor Ort produzierten erneuerbaren Energie laufen zu lassen. Irgendwann, so glaubt Pietruschka, werde die App automatisch die Geräte selbst einschalten.

Aus dem EU-Programm Horizon2020 bekommt Wüstenrot 250 000 Euro. Hauptsächlich werden damit Personalkosten bestritten, Bürger wurden motiviert und aktiviert, mitzumachen.

Mit dem kalten Nahwärmenetz, gespeist aus Agrothermie - quasi eine Fußbodenheizung im Acker - ist das Baugebiet "Vordere Viehweide" in Wüstenrot weltweit interessant. Mit einem Biomasse-Wärmenetz und Solarthermie werden Rathaus, Bauhof, Feuerwehrhaus und Wohnhäuser in Weihenbronn versorgt. Im Ortsteil Wüstenrot gibt es ebenfalls ein Nahwärmenetz.

Wüstenrot soll erneut Pilotgemeinde werden, wenn es darum geht, gespeicherten Strom in E-Mobilen für Haushalte und öffentliche Gebäude zu nutzen. Wärme aus Abwasser und ein Energieerlebnispfad stehen auf der Agenda.

 

Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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