Künstlich angelegte Biotope für die bedrohte Gelbbauchunke

Wüstenrot  In Mitteleuropa ist die Gelbbauchunke vom Aussterben bedroht. Mit künstlich angelegten Wasserlöchern soll sie davor bewahrt werden. Funktioniert das? Wir haben uns mit dem zuständigen Forstdirektor im Wüstenroter Wald angesehen, ob sich die Unken in den Wasserlöchern wohlfühlen.

Von Gustav Döttling
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Forstdirektor Christian Feldmann (links) inspiziert im Staatswald des Forstreviers Stollenhof in Wüstenrot, wie Revierleiter Klaus Ulrich (Mitte) und seine Mitarbeiter Biotope für den Erhalt von Gelbbauchunken anlegen. Foto: Gustav Döttling

Neugierig strecken drei kleine Gelbbauchunken ihre Köpfe aus der braun-grauen Lache neben dem Breitwaldweg im Forstrevier, um zu sehen, wer da ihr Wasserloch besucht. Als Forstwirtslehrling Tibor Spiry einen Holzstab am Rande des künstlich angelegten Biotopstreifens in den Waldboden rammt und Förster Klaus Ulrich einen Regenmesser darauf setzt, tauchen die drei Amphibien blitzschnell unter. "Die tauchen gleich wieder auf, die müssen ja atmen", sagt Forstdirektor Christian Feldmann.

Am Montagmorgen informiert sich der Leiter des staatlichen Forstamtes, das in Eppingen seinen Standort hat, bei Förster Klaus Ulrich und seinem Forstwirt Andreas Winkler nach dem Stand eines Versuches, der Bedeutung für den Staatswald in ganz Baden-Württemberg hat.

Künstliche Biotope für die bedrohte Gelbbauchunke

Im Revier Stollenhof wird im Auftrag der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg untersucht, ob es möglich und sinnvoll ist, für die in Mitteleuropa stark gefährdete Gelbbauchunke künstliche Biotope als Habitat anzulegen und anzubieten. "Wir haben letzte Woche neun Habitate mit jeweils vier Löchern in Wannen- und Streifenform durch einen Bagger anlegen lassen", sagt Klaus Ulrich, der als Stützpunktleiter des Stollenhofs für den Versuch verantwortlich ist. Mit Forstwirtschaftsmeister Winkler und den beiden Lehrlingen Tibor Spiry und Julian Friedle legt Ulrich an diesen Biotopen die Messpunkte für die Wassertiefe fest.

Im Biotoploch mit der Nummer 32 versenkt Spiry eine weiße Fliese im flachen Wasser. Andreas Winkler misst an dieser Stelle mit dem Meterstab die Wassertiefe. "Die Unke braucht eine Wassertiefe von mindestens 20 Zentimetern", erläutert Christian Feldmann. Daher sei es wichtig, regelmäßig den Wasserstand in den Habitaten zu messen und den Wasserverlust festzustellen. Der Versuch lässt sich gut an, im Breitbachwald haben sich schon nach wenigen Tagen einige Löcher mit Wasser gefüllt.

Die Gelbbauchunke braucht Naturboden zum Laichen

Gelbbauchunken sind eingewandert und haben einige der Biotope besiedelt. "Mit den streifenförmigen Löchern simulieren wir die Fahrspuren, die in unseren Rückegassen bei der Holzabfuhr entstehen. Diese füllen sich mit Wasser und werden dann von den Amphibien besiedelt", erläutert Christian Feldmann. Diese tiefen Fahrspuren wolle man eigentlich vermeiden. Mit dem Habitat-Versuch wolle man herausfinden, ob Wannen oder Streifenbiotope besser geeignet sind, den Gelbbauchunken Laichmöglichkeiten anzubieten. Auch die beste Bodenbeschaffenheit für künstliche Biotope soll ermittelt werden, weil die Gelbbauchunke unbedingt Naturboden zum Laichen brauche.

Gegen Fressfeinde wie Libellen und Lurche habe die Unke die Überlebensstrategie entwickelt, ihre bis zu 300 Eier, die sie im Jahr produziert, auf verschiedene Habitate zu verteilen. Ursprünglich sei die Gelbbauchunke im Wald seltener vorgekommen, als Offenlandart habe sie in Flussauen gesiedelt, wo nach Überschwemmungen Pfützen stehen blieben, erläutert Feldmann. Durch landwirtschaftliche Nutzung und Trockenheit sei dieser Lebensraum aber geschrumpft und die Amphibien hätten sich im Wald Ersatzhabitate gesucht.

"Das erklärte Ziel von Forst Baden-Württemberg ist es, einen günstigen Erhaltungszustand für diese stark bedrohte Unkenart in ganz Baden-Württemberg herzustellen, sowie eine Vermehrung zu ermöglichen", betont der Forstdirektor. "Ein weiteres Ziel des Versuches ist es, zu ermitteln, welche Kosten auf Forst BW zukommen", berichtet Klaus Ulrich. Forst BW leiste mit dem Habitat-Versuch einen Beitrag, um die Gelbbauchunke zu erhalten – weit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus, so Christian Feldmann.


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