In der Naturparkschule in Wüstenrot bedeutet Lernen auch Erleben

Wüstenrot  Wüstenroter Grundschüler werden zu kleinen Forschern. Die Erstklässler bekommen zur Einschulung eine Becher-Lupe. Bollerwagen wird zum mobilen Waldlabor.

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Was krabbelt denn da im grünen Klassenzimmer? Mit Lupen spüren die Mädchen und Jungen der Klasse 3a das Getier auf. Zur Entdeckerausrüstung gehören auch die Westen, in denen Kompass, Block und Becher Platz haben.

Fotos: Sabine Friedrich

Tierische Fußspuren führen in der Georg-Kropp-Grundschule die Treppe hinauf. Ist da ein Wolf unterwegs? Keine Sorge. Die Abdrücke sind aufgeklebt, gibt Lehrerin Silvia Bauer Entwarnung. Sie dienen Lernzwecken, so wie die Stämme von Buche, Eiche, Esche und Co. und die Silhouetten von Reh, Hase, Dachs oder Eichhörnchen, die den Weg zu den Klassenzimmern säumen.

Überall im Schulhaus und auf dem -gelände sind Ausstattung und Dekoration zu finden, die es für eine Naturparkschule braucht. Seit einem Jahr hat die Bildungseinrichtung diese Zertifizierung.

Barfußpfad, Klettergerüst und Insektenhotel

Auf der Spielwiese steht ein neues Holz-Klettergerüst, neu ist auch der Barfußpfad. Obstbäume wurden gepflanzt. Den Schulgarten, um den sich eine AG kümmert, gibt es schon länger. Der passt natürlich ins Konzept der Naturparkschule, genauso wie das Insektenhotel. Es wird nicht nur im Gebäude unterrichtet, auch draußen im grünen Klassenzimmer gibt es viel zu lernen und erst recht in der Natur zu erkunden. Auf Wellingtonien, am Steinknickle, auf Wiesen, einem Bio-Bauernhof, beim Imker?

Naturparkschule zu sein, hält Silvia Bauer, die mit der pädagogischen Assistentin Marion Pfeffer die Angebote und Projekte koordiniert, für sehr wichtig. Inhalte und Methoden kämen dem Naturell der Kinder sehr entgegen, ihrem Bewegungsdrang, ihrer Neugier, ihrem Forschergeist. "Das macht allemal mehr Spaß, als in einem Klassenzimmer zu sitzen", sagt Bauer, die die Erstklässler unterrichtet. Wüstenrot, mitten im Naturpark, sei geradezu prädestiniert, an diesem Projekt mitzumachen, meint Rektor Peter Wetter. Die Kollegen würden es toll umsetzen und leben.

Eiche im Jahresverlauf beobachtet

In der Naturparkschule in Wüstenrot bedeutet Lernen auch Erleben

"Wir waren zu allen Jahreszeiten bei der Eiche und haben geguckt, wie sie aussieht", erzählt Niklas von der 3a. Die volle Blätterpracht im Sommer hat dem Achtjährigen am besten gefallen. Klassenkameradin Lina erzählt vom Schmetterlings-Projekt. Die Klasse verfolgte die Stadien von der Raupe über die Puppe bis zum Schmetterling. Pfauenaugen und ein Distelfalter schlüpften. "Am Ende haben wir sie frei gelassen", sagt Lina. "Das fand ich cool." Das galt natürlich auch für Regenwürmer, Schnecken und Asseln, deren Entwicklung Grundschüler ebenfalls beobachteten. Emma (8) fand den Pirschgang beim Waldtag, als die Schüler versteckte Tiersilhouetten suchen mussten, besonders aufregend.

"Die Kinder sind zu kleinen Forschern geworden", erzählt Bauer vom Waldtag im vergangenen September, der einen festen Termin im Schuljahr erhalten soll. In diesem Herbst kann er coronabedingt nur klassenweise erfolgen.

Entdeckerwesten mit Kompass und Bestimmungsbuch

In der Naturparkschule in Wüstenrot bedeutet Lernen auch Erleben

In der Naturparkschule bekommen die Erstklässler als Begrüßungsgeschenk eine Becher-Lupe überreicht, mit der sie kleines Getier und Pflanzen vergrößern können. Die Entdeckerwesten, ausgestattet mit Kompass, Notizbuch und Bestimmungsbuch, die bei der Zertifizierung überreicht wurden, stehen allen Klassen zur Verfügung. Zur Bestimmung von Tieren und Pflanzen werden nicht nur Nachschlagewerke genutzt, sondern ganz im Sinne der Digitalisierung auch eine App, wie Karen Sadlowski, Klassenlehrerin der 3a, berichtet.

Ein mobiles Waldlabor steht laut Silvia Bauer auf der Agenda. Es soll schon diesen Herbst eingesetzt werden. Ein Bollerwagen wird für die Lerngänge in der Natur beladen mit Mikroskop, Terrarium, Pflanzenbestimmungsbücher, zählt die Lehrerin auf.

Natur kommt in allen Fächern vor

Natur, Umwelt, Heimat, Nachhaltigkeit ziehen sich laut Bauer wie ein roter Faden durch den Fächerkanon. Das Thema Apfel steht auf dem Lehrplan im Sachkundeunterricht. In Musik gilt es, Tierstimmen zu erkennen und Tierlieder zu singen. "Der Natur auf der Spur" heißt es im Deutschunterricht. Am Fredericktag werden Tiergeschichten vorgelesen. Und selbst in Mathe hat die Natur ihren Platz, wenn aus Steinchen, Blättern oder Tannenzapfen, die zuvor gesammelt wurden, Multiplikationsaufgaben gelegt werden.

Naturparkführer, Imker, Biobauer und der Forstliche Hauptstützpunkt Stollenhof gehören mit zu den Partnern. Und das Kollegium wird bei Fortbildungen - etwa dem pädagogischen Tag im Wald - geschult.

Daten & Fakten

In der Naturparkschule in Wüstenrot bedeutet Lernen auch Erleben

Natur und Wald sind im Schulhaus allgegenwärtig als Dekoration und Lernmaterial. Im Treppenhaus sind Stämme verschiedener Bäume und Tiersilhouetten.

Die Georg-Kropp-Grundschule in Wüstenrot mit ihren 125 Kindern ist die einzige der zwölf Naturparkschulen im Schwäbisch-Fränkischen Wald, die im Landkreis Heilbronn liegt. Im Juli 2019 hat sie die Zertifizierungsurkunde bekommen. Nach fünf Jahren kann eine Verlängerung beantragt werden.

"Lernen ist Erleben. Alles andere ist Information", lautet der Slogan. Die Initiative geht vom Verband Deutscher Naturparke aus. Ziel ist es, Schüler durch Naturerfahrungen für Natur- und Umweltthemen sowie für die Besonderheiten der Heimat zu interessieren und dies im Lehrplan zu verankern.

 

Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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