Zusammenhalt zeichnet Widderner aus

Widdern  Kevin Kopf ist seit August Bürgermeister in Widdern. Im Interview im Rahmen der Schwerpunktwoche "50 Wochen - 50 Orte" lobt der 33-Jährige die Eltern und den Zusammenhalt in der Stadt.

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Stürmte vergangenes Jahr das Rathaus in Widdern: Die Wähler stimmten damals für Kevin Kopf, Jürgen Olma musste als Bürgermeister gehen. Foto: Mario Berger

In Corona-Zeiten überrascht die Gesellschaft immer wieder durch Zusammenhalt. Wie haben Sie Widdern neu erlebt?

Kevin Kopf: Erfreut hat mich die Reaktion der Kindergarten-Eltern. Sie sind sehr gut mit der Schließung und der Notbetreuung umgegangen. Wir hatten nie das Problem, die Notbetreuung an die Grenzen auszureizen und Kinder ablehnen zu müssen. Es blieb alles im Rahmen.

 

Wie ist die Hilfsbereitschaft in Widdern?

Kopf: Sehr gut. Zu Beginn der Corona-Krise haben wir eine Hilfsaktion ins Leben gerufen, und viele Helfer haben sich gemeldet. Es hat aber niemand die Hilfe benötigt. Das ist für mich ein sehr gutes Zeichen, dass die Menschen sich in der Stadt und innerhalb der Familie selbst unterstützen. Das ist sehr positiv. Wir haben vor, dass auf die Schulen auszudehnen und Nachhilfe anzubieten - beispielsweise für Kinder, die mit Deutsch Schwierigkeiten haben.

 

Was zeichnet die Widderner aus?

Kopf: Den Zusammenhalt und das ehrenamtliche Engagement. Das Vereinsleben zeichnet uns aus. Ich fühle mich hier sehr wohl.

 

Wer nach Widdern kommt, dem fällt eines auf: Der Wohnmobilstellplatz ist stets sehr belegt. Und der Radweg ist stark frequentiert. Welche Rolle spielt der Tourismus für die Stadt?

Kopf: Der Stellplatz hat in der Corona-Zeit sehr profitiert. Ansonsten spielt der Tourismus aber noch eine zu kleine Rolle, weil wir noch nicht genügend geworben haben. Das werden wir ändern. In der Wilhelm-Frey-Halle wollen wir ein regelmäßiges Kulturprogramm anbieten, das hilft dann sicherlich auch dem Wohnmobilstellplatz und dem Ort. Dort kehren bislang nur ein paar Besucher ein, das könnten aber mehr sein. Wir müssen mehr werben, beispielsweise haben wir Stadtführungen, die aber kaum jemand kennt. Im kommenden Jahr wollen wir ein Tourismuskonzept aufstellen.

 

Wenn man sich im Ort umschaut, fallen heruntergekommene Gebäude au. Woran liegt es, dass sie nicht saniert werden?

Kopf: Das große Problem ist der Denkmalschutz. Nehmen wir das Kronen-Areal, das der Stadt gehört. Es scheitert an vielen Vorgaben. Die Sanierung würde zwei Millionen Euro kosten. Das ist nicht mehr wirtschaftlich, aber wir kommen nicht voran. Wir bekommen vom Denkmalschutz keine Entscheidung. Unsere finanzielle Position ist natürlich auch nicht die beste. Dank des Sanierungsprogramms haben wir aber einiges erreicht, auch viele Privateigentümer haben ihre Anwesen hergerichtet. Wir wollen ein Stadtentwicklungsprogramm verabschieden. Die Bürger können sich in Arbeitsgruppen einbringen. Dabei ist auch ein Thema, wie das Ortsbild verschönert werden kann.

 

Was fehlt der Stadt?

Kopf: Ein Angebot für Jugendliche zwischen Grundschulalter und 15, 16 Jahre. Da haben wir nichts. Meiner Meinung nach fehlt uns ein Treffpunkt. Das gehen wir an, aber das ist eine finanzielle Geschichte.

 

Wie sieht es bei der Infrastruktur aus?

Kopf: Wir haben zwar einen kleinen Nahversorger in der Ortsmitte, aber für mich ist die Ansiedlung eines Discounters ein Thema. Wir haben bei den großen Marktketten nachgefragt, die lehnen aber ab. Bislang sind wir für sie zu klein. Ich hoffe, dass wir mit neuen Baugebieten für die Discounters interessant werden.

 

Wenn Bürgermeister Kevin Kopf entspannen will, wohin zieht es ihn?

Kopf: Wenn ich entspannen will, jogge ich in Unterkessach. Da ist es morgens sehr schön. Mit meinem Kleinen gehe ich auch zu den Spielplätzen. Vom Grillplatz über Widdern hat man eine schöne Aussicht.

 

Zur Person

Kevin Kopf ist seit August Bürgermeister in Widdern. Er war der Überrschungssieger der Wahl: Am ersten Wahlsonntag schaffte es der damalige Bürgermeister Jürgen Olma als Alleinkandidat nicht, die erforderliche Mehrheit an Stimmen zu erhalten. Kevin Kopf, damals Kämmerer in Kupferzell, erreichte 63,1 Prozent der Stimmen, für Jürgen Olma stimmten 35,4 Prozent der Wähler. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,5 Prozent. Kevin Kopf wohnt in Unterkessach. Er ist getrennt und hat einen Sohn.

 

 


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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