Widderner THW-Kräfte sind Experten für unsichere Gebäude

Widdern  Der Schwerpunkt des Ortsverbands des Technischen Hilfswerks liegt beim Schutz von Anwesen. Es gibt aber eine große Herausforderung, die die Gruppe zu meistern hat.

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Vor der einsatzbereiten Ausrüstung, mit der Gebäude gestützt werden (von links): Ortsbeauftragter Ingo Brechtel, Carsten Beier sowie Frank und Claudia Zenth.

Foto: Simon Gajer

Das Technische Hilfswerk aus Widdern hat sich über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht: Der Ortsverband war beispielsweise beim Jagst-Unglück im Einsatz, als nach einem Brand bei einer Mühle giftige Düngemittel in den Fluss gelangten. Die Stärke der Truppe zeigt sich bei Unwettern.

Ein jüngstes Beispiel: Die Obereisesheimer Eberwinhalle wird über Monate saniert, als im Februar 2020 ein Sturm angekündigt ist. Weil die Gefahr besteht, dass das noch nicht komplett gerichtete Gebäude wieder beschädigt wird, rücken Einsatzkräfte des THW an und verschließen die letzten Öffnungen behelfsmäßig. Denn das Fachwissen der Widderner liegt bei der Gebäudesicherung. "Das ist unser Schwerpunkt", sagt Ortsbeauftragter Ingo Brechtel. "Wir haben uns spezialisiert", ergänzt Ausbildungsbeauftragter Frank Zenth.

Die Widderner sind weltweit unterwegs

Das wirkt sich auf den Einsatzradius aus: Zwar sind die Widderner gelegentlich weltweit unterwegs, sie waren in Nepal, Frankreich sowie der Ukraine. Aber im Umkreis von 100 Kilometer um Widdern herum ist die Truppe dann anzutreffen, wenn Häuser gesichert oder Mauern gestützt werden müssen. Und das zu Zeiten, wenn keine Handwerker zu finden sind - beispielsweise nach einem Brand. "Auf die Schnelle findet man keine Fachfirma", sagt Frank Zenth.

Gerüste und Holzbalken sind für den nächsten Einsatz bereit

Die Spezialisierung ist auf dem Gelände am Ortsrand zu sehen: Aufgeladen warten dort Gerüste und Holzbalken auf kommende Einsätze. 1500 Quadratmeter Plane liegen bereit, um Dächer abzudecken. Mit 400 Quadratmetern Platten können Fassaden geschlossen werden. Das THW hat auch seine Experten darin, um das Material vorzubereiten. "Wir kaufen die Balken und zimmern sie uns selbst zurecht", sagt Frank Zenth.

Der Ortsverband ist überregional tätig. Überregional ist auch die Zusammensetzung der Mitglieder, die aus dem nördlichen Landkreis stammen. Das macht mit einen Unterschied zu den Feuerwehren aus, sagt Ingo Brechtel. Das THW als Bundesbehörde unterstützt andere Einheiten wie Polizei und Feuerwehren.

Das THW setzt auf Nachwuchsarbeit

Die Nachwuchsarbeit ist für Widdern wichtig, um langfristig Mitglieder zu gewinnen. Ohne diese Jugend bekomme man wenig Helfer. Der Zufluss sei begrenzt, sagt Ingo Brechtel. Derzeit seien die Zahlen zwar stabil, das THW sieht ein Aber: "Die Zukunft ist noch nicht gesichert." Gerade bei den unter 30-Jährigen wünschen sich die Verantwortlichen mehr Einsatzkräfte. Die ländliche Struktur erschwere es allerdings, Helfer zu gewinnen.

Der Ortsverband engagiert sich für Widdern, dabei kommt der Gruppe die eigene Helfervereinigung zugute. Dieser Verein unterstützt auch das THW finanziell, damit zusätzliche Fahrzeuge angeschafft werden können. Zum Ortsverband gehören eine Bergungsgruppe sowie eine Fachgruppe, die eine Elektroversorgung einrichten kann. Und Experten können das Eigentum sichern. Was damit gemeint ist, verdeutlicht ein Einsatz, zu dem die Widderner kürzlich um 4.59 Uhr gerufen wurden. Die Polizei plante, Personen in einem Gebäude zu überraschen. Und danach, beschreibt das THW, muss die Tür ja wieder verschlossen werden.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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