Widdern - Ein Ort der leisen Töne

Widdern  Wachstum im Kleinen: Die Stadt Widdern investiert in neue Vereinshalle und saniert ein Mehrzweckgebäude. Auch Baugebiete kommen. Außerdem ist die Stadt bei Touristen beliebt.

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Das Rathaus Widdern wirbt mit der Autobahnbrücke als eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt: Die Jagstquerung aus dem Jahr 1974 ist fast 900 Meter lang.

Auswärtige verbinden mit der Stadt Widdern viel Lärm: Da ist zum einen die viel befahrene Autobahnbrücke, dank der Tausende Fahrzeuge pro Tag das Jagsttal queren können. Da ist zum anderen der publikumswirksame Pfingstmarkt mit den aufheulenden Kettensägen bei einem speziellen Wettbewerb.

Und da ist die Lokalpolitik, bei der die Wähler zuletzt einen amtierenden Bürgermeister ohne Gegenkandidaten nicht wiederwählten. Doch abseits des Lärms entwickelt sich die Stadt Widdern im Kleinen. Sie setzt eigene Akzente und wird bald wieder überregiional für Aufmerksamkeit sorgen.

Viele Widderner hoffen auf ein Mehrgenerationen-Haus

Widdern wächst. Der Gemeinderat hat neue Baugebiete in der Stadt sowie im Teilort Unterkessach auf den Weg gebracht. Die Umsetzung soll langsam erfolgen, je nach Bedarf kommen die Erschließungsarbeiten voran. Viele hoffen, dass im Zuge des Baufortschritts in Widdern auch ein Mehrgenerationen-Haus errichtet wird. Die Stadtverwaltung steht mit einem Investor in Kontakt.

Besucher der großen Feste erleben es immer wieder: Der Zusammenhalt in der Stadt ist groß, das Vereinsleben sehr rege. Am Ende profitieren deshalb alle vom laufenden 2,4-Millionen-Euro-Vorhaben. Die bestehende Wilhelm-Frey-Halle wird saniert, direkt daneben errichtet die Stadt ein neues Vereinszentrum. Das Rathaus um Bürgermeister Kevin Kopf will über die Wilhelm-Frey-Halle ein neues Zielpublikum ansprechen: Angedacht ist, im Prunkstück eine kulturelle Reihe ins Leben zu rufen.

Ein Ort der leisen Töne

Die Wilhelm-Frey-Halle wird saniert, direkt daneben entsteht ein Vereinszentrum: Die Stadt investiert 2,4 Millionen Euro.

Fotos: Mario Berger

Gelingt das, profitiert davon auch der Tourismus in der Stadt. Keine Frage: Die Jagsttal-Kommune ist schon jetzt bei Ausflüglern beliebt. Die Stadt bekommt dabei als Anlaufstelle von Wohnmobilisten einen hohen Stellwert. Der Stellplatz unweit des ehemaligen Bahnhofs ist regelmäßig belegt. Außerdem führt der Jagsttal-Radweg durch Widdern - unglücklicherweise auf der falschen Uferseite, denn so können Touristen die eigentliche Stadtmitte mit dem Café verpassen.

Denkmalschutz erschwert Investitionen in marode Gebäude

Widdern kann nicht verbergen, dass manches Gebäude hergerichtet werden sollte. Oftmals bremst der Denkmalschutz größere Investitionen aus: Häuser, deren Sanierung eigentlich unwirtschaftlich ist, bleiben deshalb erst einmal stehen. Bis ein Abriss erlaubt wird, verstreichen Jahre. Ein Anwesen, das deshalb auf bessere Zeiten warten muss, ist das Kronen-Areal. Es gehört mittlerweile der Stadt. Bürgermeister Kevin Kopf beziffert die Kosten, um das Haus auf Vordermann zu bringen, auf gut zwei Millionen Euro. Er bevorzugt deshalb den Abriss.

Bei der Infrastruktur ist die Stadt verhältnismäßig gut aufgestellt. Zentral befindet sich sogar ein kleiner Nahversorger. Viele Widderner bedauerten es aber sehr, als der Raiffeisenmarkt geschlossen wurde. Bürgermeister Kopf hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich eine Discounter-Kette in Widdern niederlässt. Bislang aber interessieren sich die großen nicht für die Stadt.

Das Seehaus wird wiederbelebt

Ein Ort der leisen Töne

Idyllisches Jagstufer: Viele Touristen nutzen den Radweg durchs Tal.

Dafür zählt Widdern in Sachen Erneuerbare Energie mit zu den kommunalen Vorreitern. Auf der Gemarkung liegen vier Windräder des Windparks Harthäuser Wald. Der Gemeinderat hat zugestimmt, dass weitere Photovoltaik-Anlagen auf freier Fläche errichtet werden können. Für fünf Millionen Euro bauen die Bürgerenergiegenossenschaft Widdern und der Heilbronner Energieversorger Zeag eine 9,1-Megawatt-Anlage am sogenannten Seehaus.

Der einstigen Gaststätte kommt eine zentrale Rolle zu: Sie soll zu einem Besucherzentrum umgebaut werden. Die Lage ist aus Sicht der Verantwortlichen optimal, um Gruppen zu empfangen. Zu Windpark und Photovoltaik kommt das Wasserstoff-Projekt im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt bei Hardthausen-Lampolds-hausen. In Widdern werden damit die wichtigen Themen bei der Erneuerbaren Energie vereint. Die Stadt erhält mit dem wiederbelebten Seehaus einen Leuchtturm.

 

Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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