Als in Widdern ein Kunstfälscher zugange war

Widdern  Ob ein Kunstfälscher, der Widdern Ende der 80er Jahre einen großen Polizeieinsatz bescherte oder der neue Belag der Autobahnbrücke - bei der Vor-Ort-Aktion mit Chefredakteur Uwe Ralf Heer in Widdern, erzählen die Leser spannende Geschichten.

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Vor-Ort-Aktion: Chefredakteur Uwe Ralf Heer (links) im Gespräch mit Lesern, darunter Handwerkskammerpräsident Ulrich Bopp (Zweiter von rechts).

Foto: Mario Berger

Widdern hat eine interessante Geschichte. Das zeigt sich bei der Vor-Ort-Aktion mit Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer. Interessierte Leser unserer Zeitung nutzen die Möglichkeit, über ihre Heimat zu reden und Tipps für weitere Berichte loszuwerden.

Kunstfälscher bescherte großen Polizeieinsatz

Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, kennt sich in seiner Heimatstadt sehr gut aus. Kurzerhand zeigt er ein kleines, unscheinbares Häuschen hinter dem ehemaligen Rathaus. Dort wohnte einer der bekanntesten Widderner: Wolfgang Lämmle. Dem Kunstfälscher hat die Stadt eine der größten Polizeiaktionen zu verdanken, erinnert sich Ulrich Bopp. Die Polizei riegelte Ende der 80er Jahre die Stadt ab, die Staatsanwaltschaft rückte mit ein und durchsuchte das Anwesen.

Der gelernte Drucker soll vergangenes Jahr in Australien verstorben sein, berichtet Bopp. Und Bopp erzählt von Aufträgen, die sein Betrieb bei Wolfgang Lämmle ausführte. Danach hieß es: "Da hast du ein Bild."

Ein großer Aufreger in der Stadt ist der neue Belag der Autobahnbrücke. Einen Flüsterasphalt hätten die Verantwortlichen versprochen, eingebaut wurde aber etwas anderes, erzählt der Handwerkskammerpräsident. Ein Schallschutz kann wegen der Winde nicht angebracht werden. Der Aufschrei aus Widdern sei aber regelmäßig im Regierungspräsidium niedergeschmettert worden. Bopp überlegt nun, an wen er sich wenden könnte.

Lob für gute Infrastruktur

Widdern hat alles, was benötigt wird: Es gebe einen Arzt sowie einen Zahnarzt, auch Kindergärten und die Grundschule seien vor Ort, lobt Marion Hirth, die seit zehn Jahren eine Besenwirtschaft unweit des Rathauses führt. Die Einwohner charakterisiert sie als menschlich und freundlich. "Sie setzen sich für andere ein", sagt Marion Hirth. Mit den gelockerten Corona-Regeln kommen auch wieder Gäste in ihre Gaststätte. "Sie trauen sich, wenn sie im Freien sitzen können." Nur die Älteren blieben eher zu Hause. Dafür hat sie Verständnis. "Ab 80 ist man vorsichtig."

Die Umgebung hat es Reinhold Sting, der seit 20 Jahren in der Stadt wohnt, angetan. "Hier ist es sehr schön." Täglich versucht er, einen Spaziergang zu unternehmen. Auch an der Heimatgeschichte ist er interessiert: Genau weiß er, wo die Burg und wo das Dörnle liegen.

"Widdern ist meine Heimat" 

"In Heilbronn wohne ich, aber Widdern ist meine Heimat", sagt Hans Schimmel, der 25 Jahre in der Stadt lebte und hier seine Ausbildung machte. Als Kind läutete er auch in der Kirche sowie auf dem Friedhof die Glocken. Immer wieder gern kommt er zurück und unterhält sich mit alten Bekannten. "Es ist hier noch ländlich", sagt er. Hans Schimmel lobt die Menschen in Widdern. "Hier grüßen die Leute noch." In der Großstadt sei das nicht immer der Fall. Hans Schimmel weiß: "Der Zusammenhalt ist schön."


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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