Weinsberg - Eine Stadt zwischen Dauerstau und Stolz

Weinsberg  Das Autobahnkreuz ist für Weinsberg Fluch und Segen zugleich. Abseits davon hat die Stadt auch einiges bieten: Die Burgruine Weibertreu ist der ganze Stolz der Stadt, die Weinbauschule ist die älteste in Deutschland und die Bauplätze sind sehr begehrt.

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Bauplätze sind rar in Weinsberg. Die Plätze für das jüngste Baugebiet wurden verlost.

Den Namen dieser Stadt kennt jeder Autofahrer in Süddeutschland. Es vergeht kaum ein Tag, an dem im Radio nicht verkündet wird, dass der Verkehr am Weinsberger Kreuz kurz vorm Kollabieren ist. Wer sich auf der A6 von Osten in der Blechlawine heranquält, tut es wenigstens mit einem schönen Blick auf das, wofür die Stadt ebenfalls steht: auf die Burg, von der mutige Frauen vor 900 Jahren ihre Männer huckepack hinabgetragen haben.

Umgeben von Reben

Geschichtsbeladen und umgeben von Reben: So thront die Burgruine Weibertreu weithin sichtbar über Weinsberg. Schlau waren sie, diese Frauen im Jahr 1140, als der siegreiche Stauferkönig Konrad III. ihnen freien Abzug gewährte und erlaubte, dass sie mitnehmen dürfen, was sie tragen können. Die Frauen schulterten kurzentschlossen ihre Männer und retteten ihnen damit das Leben. Dieses historische Ereignis auf der Burg und die Bekanntheit, die Weinsberg dadurch erlangte, nährten über Jahrhunderte das Selbstverständnis und den Stolz der Stadt. Und tun es immer noch.

Teure Daueraufgaben

Doch alles hat zwei Seiten. Die Anlage mag zu den ältesten Burgen des Hochadels im süddeutschen Raum zählen und jedes Jahr von 12.000 Menschen erkundet werden, aber sie ist auch eine Bürde. Die Mauern gehören dem Kerner- und Frauenverein, der noch ein weiteres Erbe hegt und pflegt: das Wirken des Dichterarztes Justinus Kerner.

Dies tut der Verein vor allem im Wohnhaus Kerners, der Weinsberg im 19. Jahrhundert zu einer Art schwäbischem Weimar gemacht hatte. Unterhalt und Sanierung der Immobilien, vor allem der Burg, sind teure Daueraufgaben, an denen zu beteiligen sich die Stadt verpflichtet fühlt. Sie will ja auch vom Image profitieren.

Diese Stadt steht für Stolz und Dauerstau
Die schlauen Frauen des Jahres 1140 sind der Stolz der Stadt.

Man hält etwas auf sich in Weinsberg

Apropos Image: Man hält etwas auf sich in Weinsberg, hat man doch neben Ruine, treuen Weibern und schwäbischer Romantik noch mehr im Portfolio: einen römischen Gutshof zum Beispiel oder eine eigene städtische Musikschule. Sämtliche Schularten sind im Rossäcker-Bildungszentrum vereint. Sein Einzugsgebiet reicht weit über die 12.500 Einwohner von Weinsberg und den Teilorten Grantschen, Gellmersbach und Wimmental hinaus. Unter laufendem Betrieb wird es für 15 Millionen Euro saniert.

In Weinsberg hat der Verein "Tourismus im Weinsberger Tal" seine Anlaufstelle, dem die Kommunen der Umgebung angehören. Hier sind die Autobahnpolizei, das Zentrum für Psychiatrie am Weissenhof und auch das Staatsweingut angesiedelt. Dieses ist zugleich Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) oder weniger sperrig: Weinbauschule. Die älteste Deutschlands übrigens. Experten der internationalen Weinszene holen sich hier ihr Rüstzeug.

Für große Firmenansiedlungen fehlen die Flächen

Das "Unterzentrum mit mittelzentralen Funktionen", wie es auf Regionalplanerisch heißt, hat andererseits recht wenig Gewerbe. Weinberge, zwei Autobahnen, eine Bundesstraße samt Tunnel und Bahngleise lassen kaum Platz für große Firmenansiedlungen. Die Kämmerei im Rathaus mag das beklagen, weil verhältnismäßig wenig Gewerbesteuer in die Stadtkasse fließt. Einem Großteil der Bevölkerung ist es nur recht. Man hat ja bereits den Verkehr von zwei Autobahnen und der B39 vor der Haustür; der Rest soll bitteschön möglichst grün und naherholungstauglich sein.

Bauplätze sind sehr begehrt

Dabei ist es ja gerade die Lage an der A6 und A81, die Weinsberg als Wohnort sehr beliebt macht. Hinzu kommen die Nähe zu Heilbronn und der Stadtbahnanschluss. Nicht zu vergessen die gute Infrastruktur. Wer in der Kernstadt baut, braucht deshalb mehr als nur ein bisschen Kleingeld. Im jüngsten Baugebiet, dem "Heilbronner Fußweg", der Platz für etwa 800 Neubürger bietet, kostete der erschlossene Quadratmeter städtisches Bauland 450 Euro. Es wurde übrigens verlost, weil die Nachfrage so groß war. Alles hat zwei Seiten.


Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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