Wie Waldenburg auf Vordermann gebracht wird

Waldenburg  Das Jahrhundertprojekt Stadtsanierung hat nach langer Planung endlich begonnen, steckt aber aktuell noch in den Kinderschuhen. Zwei Millionen Euro investiert die Kommune in die Frischzellenkur.

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Die Altstadt soll barrierefrei werden - und die ewigen Parkplatz-Probleme wenigstens entschärft.

Foto: Archiv/Koch

Es war ein zähes Ringen um die Zukunft und das künftige Erscheinungsbild der Bergstadt: Zweimal war Waldenburg in der jüngeren Vergangenheit mit dem Antrag bei der Landesregierung abgeblitzt, ehe man im vergangenen Jahr dann endlich Aufnahme in eins der chronisch überstrapazierten Förderprogramme zur Stadtentwicklung gefunden hatte.

Nun kann es also losgehen. 800 000 Euro Fördermittel können in den kommenden zehn Jahren abgerufen werden. Der gesamte Investitionsrahmen bewegt sich um die zwei Millionen Euro. Und: Der Anfang ist nun bereits gemacht. Zwar sind es statt großer Sprünge noch eher Trippelschritte - aber immerhin: "Es wurden schon acht Verträge mit privaten Hauseigentümern geschlossen, die ihre Gebäude unter Berücksichtigung der Vorgaben unserer Verwaltung energetisch sanieren wollen", berichtet Bürgermeister Markus Knobel.

Mindestens ein Jahrzehnt lang wird erneuert

Der erste Baustein des Jahrhundertprojekts wird also in den Privathäusern gesetzt. Doch das freilich ist nur die Ouvertüre für das, was im anlaufenden Jahrzehnt an altem Gemäuer noch eine Frischzellenkur erfahren wird.

Wie Waldenburg auf Vordermann gebracht wird

Er ist - auch im Wortsinne - einer der größten Patienten der Stadt: Vom "schiefen Turm von Waldenburg" fällt seit längerer Zeit bereits der Putz herab. Im Zuge der Stadtsanierung soll das denkmalgeschützte Gemäuer erneuert werden.

Foto: Archiv/Koch

Denn gleich mehrere Baudenkmäler der Stadt müssen dringend auf Vordermann gebracht werden. Da wäre zum Beispiel der Lachnersturm: Da sich der 33 Meter hohe historische Bergfried, ein markantes Wahrzeichen der Stadt, um rund 50 Zentimeter gen Süden neigt und der Zahn der Zeit auch an seinen Mauern mächtig geknabbert hat, muss dringend saniert werden.

Mehrere Großprojekte, dutzende Privathäuser

Im vergangenen Jahr sind mehrfach Teile des Gemäuers abgebrochen und auf die Straße gestürzt. "Es wurden jetzt Digitalbilder angefertigt, um die Schäden zu dokumentieren. Das Denkmalamt entscheidet, was bei der Sanierung zu beachten ist", sagt Knobel. Klar ist: Allein dieses Projekt wird wohl deutlich mehr als 100.000 Euro verschlingen. Aber nur so kann der Turm für die Zukunft fit gemacht werden.

Wie Waldenburg auf Vordermann gebracht wird

2018 wurde eine Sanierungs-Analyse angefertigt. "Besonders erhaltenswert" sei auch das Haus an der Wettgasse.

Foto: privat

Auch das Rathaus könnte - zumindest von innen - in zehn Jahren ganz anders aussehen als heute. Zumindest das neue. Denn eigentlich gibt es in Waldenburg noch zwei Rathäuser: Im "alten" Amtshaus nebenan residiert heute aber nur noch die Kämmerei. Die Option? Aus zwei mach eins. Knobel: "So weit sind wir zwar noch lange nicht, aber es könnte sein, dass wir über einen Anbau am neuen Rathaus nachdenken müssen." Weitere Baustellen im Herzen der Stadtverwaltung: energetische Optimierung, bessere Stromversorgung und effizientere Raumaufteilung.

Stadt ohne bauliche Stolpersteine

Wo sich deutlich schneller Veränderung zeigen wird - das ist auf dem historischen Lindenplatz, wo einst die mittelalterliche Gerichtsbarkeit vollzogen wurde: Einladender und "aufenthaltsfreundlicher" soll er werden. Das Mauerwerk zum Bürgersteig wird in Anlehnung ans historischen Erscheinungsbild abgerissen, eine "Schöffenbank" sowie mehrere Sitzbänke sind als Reminiszenz an die historische Rolle als Gerichtsort geplant. Auch der Boden wird komplett neu gestaltet. Und der Platz soll auch für Menschen mit Handicap zugänglich werden.

Womit ein weiteres zentrales Ziel der Stadtsanierung benannt wäre. Die demografische Entwicklung macht unmissverständlich klar: Personen mit Rollatoren werden in den kommenden Jahrzehnten immer mehr werden - darauf hat sich auch die Stadtplanung einzustellen. Und auch für Rollstuhlfahrer oder Blinde soll die Lebensqualität im Bergstädtchen deutlich gesteigert werden. Pflastersteine weg - Barrierefreiheit her, so lautet das Credo.

Parkplatzmangel soll beseitigt werden

Für ein Dilemma aber hat selbst der beste Stadtplaner nicht unbedingt sofort die Lösung parat: für den Parkplatz-Mangel in der Stadt. Bewohner, Tagestouristen und Einkaufende kommen sich dort regelmäßig ins Gehege. "Diese Gemengelage unter einen Hut zu bringen, wird nicht einfach. Und den Platz, den wir nicht haben, kann man sich natürlich nicht aus den Rippen schneiden", gibt Verwaltungschef Knobel zu bedenken. "Wir werden ein Freiflächen-Konzept als Planungsgrundlage entwickeln."

Es wird also viel zu tun geben in den kommenden zehn Jahren. Bei allem gilt es auch immer, die rigiden Vorschriften des Denkmalschutzes zu beachten.

Und dann wären da ja überdies noch die Erneuerung der historischen Brunnenstaffel und der Friedhofsmauer. Aber diese beiden Projekte sind kein Teil der Stadtsanierung - sondern werden sich aus anderen Finanztöpfen speisen.

 

Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

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