Wie aus dem beschaulichen Waldenburg ein Wirtschaftsstandort wurde

Waldenburg  Der Gewerbepark Hohenlohe ist heute ein interkommunales Erfolgsmodell mit einer Vielzahl von namhaften Firmen. Bis vor 30 Jahren war dort nur eine einsame Firma zu finden.

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Noch bis in die 90er Jahre war das Gebiet unterhalb von Waldenburg landwirtschaftlich geprägt. Der Gewerbepark Hohenlohe hat einiges verändert.

Foto: Archiv/Keller

Als Rolf Groneberg 1974 seine Ausbildung zum Industriekaufmann in Waldenburg begann, da war sein Arbeitgeber allein auf weiter Flur. Als erste Firma hatte sich der Ventilatorenhersteller Gebhardt 1958 dort einen Steinwurf von der A 6 entfernt angesiedelt.

Heute ist Nicotra-Gebhardt nur noch der kleine Nachbar des Gewerbeparks Hohenlohe, wo sich große Firmen wie R. Stahl, Gemü, Lidl und die Würth-Töchter Würth Elektronik Eisos und SWG angesiedelt haben - oder auch Ziehl-Abegg, wo Firmengründer Wilhelm Gebhardt einst selbst tätig war.

Landwirtschaft wurde zurückgedrängt

Gebhardt war der erste große Arbeitgeber in Waldenburg. "Es gab damals noch ein Materiallager der Bundeswehr und sonst nur Landwirtschaft", erinnert sich der 63-jährige Rolf Groneberg an seine Anfangszeit. Heute ist die Landwirtschaft hier zurückgedrängt. Der 230 Hektar große Gewerbepark, der 1989 gemeinsam mit Kupferzell gegründet wurde und in den sich ein Jahr später auch Künzelsau einkaufte, bietet zahlreichen Firmen Platz.

Den Anfang hatte die Firma Wolff + Müller gemacht, es folgten viele weitere. "Südlich der Autobahn sind auch alle Flächen verkauft", sagt Waldenburgs Bürgermeister Markus Knobel. 3500 Arbeitsplätze gibt es insgesamt, und es werden noch mehr. Die bislang größten Arbeitgeber am Standort sind R.Stahl auf Waldenburger und Ziehl-Abegg auf Kupferzeller Gemarkung mit jeweils mehr als 800 Mitarbeitern.

Aufteilung der Gewerbesteuer und der Kosten

Welche Flächen zur Gemarkung Waldenburg und welche zu Kupferzell gehören, das spielt heute nur noch für die Postadresse eine Rolle. Alles andere - Infrastruktur, Kosten und Steuern - wird unter den kommunalen Partnern aufgeteilt: 30 Prozent Waldenburg, 30 Kupferzell und 40 Prozent Künzelsau. So profitieren alle vom Branchenmix, mit dem auch in der Krise Gewerbesteuern fließen. "Stand heute ist noch alles stabil", sagt Bürgermeister Knobel. "Es ist toll, dass wir diese Global Player haben, die so gut aufgestellt sind."

Darüber hinaus gibt es auf Waldenburger Gemarkung noch den 1994 gegründeten Kälte- und Klimatechnikspezialisten Kratschmayer, das Berufskolleg (das alle nur "Sportschule" nennen) und das Albert-Schweitzer-Kinderdorf, das erste in ganz Deutschland. Unübersehbar ist das Panoramahotel, das am Berghang über allem thront. Dort kehren nicht nur Touristen ein, dort versüßen auch die Firmen aus der darunterliegenden Ebene ihren Gästen und Mitarbeitern mit einer atemberaubenden Aussicht über das Hohenloher Land die Konferenzen und Weiterbildungen.

Jetzt hält auch der Flixbus

Ein großer Pluspunkt des Gewerbeparks im Tal ist die verkehrliche Anbindung. Über die Autobahn sind auch längere Anfahrten möglich. Auch bei der 220 Mitarbeiter zählenden Nicotra Gebhardt GmbH reicht das Einzugsgebiet bis in den Stuttgarter Raum. Fast alle kommen heute mit dem Auto. "Den Bus, der uns früher direkt nach Öhringen und Künzelsau gebracht hat, gibt es nicht mehr", bedauert Rolf Groneberg, der inzwischen Ausbildungsleiter seiner Firma ist.

Heute muss man Richtung Heilbronn auf den Zug - den es immerhin gibt. Die jüngste Verbesserung: Eine Flixbus-Haltestelle, die den Hohenloher Ort direkt mit Berlin, Neckarsulm oder auch Saarbrücken verbindet.

 

Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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