Waldenburg ist ein Juwel mit Baustellen

Waldenburg  Die Stadt auf dem Berg hat ganz besonderes Flair - und steht gleichsam in den kommenden Jahren vor so manchen Herausforderungen.

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Der Blick auf Waldenburg von Norden. Foto: Karlheinz Schick

Die 3090-Einwohner-Kommune im Süden des Hohenlohekreises sonnt sich auf rund 500 Metern Meereshöhe auf einem weit nach Norden reichenden Bergsporn, an dessen Hängen die Vögel in der Thermik segeln. Prädikat des "Balkon Hohenlohes": staatlich anerkannter Luftkurort - der einzige im Landkreis.

Zu Füßen liegt der Bergstadt, zu der die Teilorte Obersteinbach und Sailach gehören, die Bahnhofsiedlung direkt an der A6. Während die ÖPNV-Anbindungen in die größeren Städte an Wochenenden und in den Abendstunden durchaus noch Verbesserungspotenzial bergen, ermöglicht die Autobahn eine gute Verkehrsanbindung für Aus- und Einpendler und sorgt auch dafür, dass sich der Durchgangsverkehr im Hauptort in gewissen Grenzen hält - was wiederum einem Luftkurort gut zu Gesicht, oder besser: gut zu Nase steht.

Wo Geschichte in den Mauern steckt

Gut für die Stadtkasse der chronisch finanzschwachen Kommune sind indes die Steuereinnahmen aus dem Gewerbepark Hohenlohe, den die Stadt seit 1990 mit Kupferzell und Künzelsau betreibt.

Waldenburg: Ein Juwel mit Baustellen

Neumühlsee und Campingplatz sind ein Magnet für Touristen.

Foto: Archiv/Maier

Lange zuvor - im 13. Jahrhundert - wird die Stadt erstmals urkundlich erwähnt, 1553 dann Residenz der Grafen und späteren Fürsten von Hohenlohe-Waldenburg. Bis heute ist das weithin sichtbare Schloss im Besitz der Fürstenfamilie Hohenlohe-Waldenburg. Das Gebäude prägt die Silhouette der Stadt mindestens so sehr wie die 150 Meter hohe Sendeanlage des Südwestrundfunks auf dem Friedrichsberg.

Weitere markante Anblick-Eingriffe soll es nicht geben, finden Stadtverwaltung und manche Bürger, welche die auf ihrem Territorium vorgesehenen zwei Windkraftanlagen des geplanten Windparks Karlsfurtebene vehement ablehnen.

Zäsur in den letzten Kriegstagen

Keine zwei Meinungen gibt es freilich bei der Frage nach den Schicksalstagen der Stadt: Vor 75 Jahren wird Waldenburg beim Einmarsch der Amerikaner, die dort eine schlagkräftige Division der Waffen-SS vermuten, drei Tage lang mit schwerer Artillerie beschossen - und die Stadt fast ganz zerstört.

Waldenburg: Ein Juwel mit Baustellen

Der Phönix-Brunnen erinnert an den Wiederaufbau der Stadt.

Foto: Archiv/Färber

Nach dem Krieg werden Schloss und Gebäude nach historischem Vorbild wiederaufgebaut: Der Phönix-Brunnen auf dem Marktplatz erinnert daran. Aber dennoch nagt mittlerweile der Zahn der Zeit mächtig am alten Gemäuer: Nachdem man sich im Rathaus lange vergeblich bemüht hatte, geht es in diesem Jahr nun mit der lang erwarteten Stadtsanierung los.

Ein weiteres großes Bauprojekt wird gegenwärtig in Obersteinbach vollzogen, wo noch bis Mitte kommenden Jahres die Ortsdurchfahrt samt aller Wasserleitungen erneuert wird. Überdies soll perspektivisch die Kläranlage des Dorfes an die in Waldenburg angeschlossen werden.

Umgeben von Perlen der Natur

Die Lebensqualität ist hoch in der Kleinstadt - auch da sind sich viele Bürger einig: schöne Natur und Seen ringsum; Kindergarten, Grundschule, Volkshochschul-Außenstelle, Stadtbücherei, Heimvolkshochschule und das Berufskolleg, wo seit 1973 junge Menschen zu Sportlehrern und Physiotherapeuten ausgebildet werden, kennzeichnen das Bildungsangebot der höchsten Gemeinde im Kreis, die viele Gäste anzieht: Die Übernachtungszahlen sind zwischen 2016 und 2019 von 56.000 auf 72.000 pro Jahr gestiegen. Ein Publikumsmagnet: das neue Panoramahotel.

Das erste Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Deutschland wird 1957 in Waldenburg gegründet - bis heute leben dort Ehepaare mit den eigenen und bis zu sieben aufgenommenen Kindern zusammen.

Bürgermeister Markus Knobel (CDU) steht seit 16 Jahren an der Spitze der Kommune und kandidiert bei der wegen der Corona-Krise auf den 4. Oktober verschobenen Wahl erneut für eine dritte Amtsperiode.

Nicht nur in den Straßen gibt es Baustellen

In ebendieser wird die Balkonstadt durchaus vor Herausforderungen stehen: Die chronisch klamme Gemeinde wird Kredite in Millionenhöhe aufnehmen und die Gebühren für ihre Einwohner deutlich erhöhen müssen, um die anstehenden Großprojekte zu stemmen und den Haushalt in den nächsten Jahren dennoch irgendwie konsolidieren zu können. Corona wird auch hier die wirtschaftliche Situation noch verschärfen.

Doch die wahren Schätze Waldenburgs liegen wohl ohnehin weiterhin nicht in der Stadtkasse - sondern vielmehr in den historischen Mauern, den Menschen und den pittoresken Perlen der Natur rings um das Hügelstädtchen.

 

Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

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