Vor-Ort-Termin in Waldenburg: Heiße Debatten im Schatten

Waldenburg  Beim Vor-Ort-Termin nutzen Leser die Gelegenheit, um mit Redakteuren der Hohenloher Zeitung über Gegenwart und Zukunft der Zeitung zu sprechen.

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Am Stimme-Infomobil gibt es gestern allerhand Rückmeldungen der Leser und Erklärungen von Redaktionsleiter Ralf Reichert (Mitte).

Foto: Christian Nick

Kaiserwetter am Dienstagnachmittag auf dem Waldenburger Kirchplatz - da ist es gut, dass das Stimme-Infomobil ein Schatten-spendendes Vordach besitzt. Erster Gast darunter ist der 86-jährige Gerhard Schwarz. Der Ur-Waldenburger eröffnet den Leser-Journalisten-Treff mit einigen - im Wortsinne - erfrischenden Anekdoten über die Geschichte der Bergstadt, die auch dem zuständigen Redakteur durchaus neu sind.

Denn wer wusste schon, dass dereinst nach dem Krieg im Winter gar Sonderzüge aus Heilbronn in die Bergstadt rollten: mit Skisportlern, die sich sodann hinab ins Biberstal stürzten?

Lob und konstruktive Kritik

Mit Maria Dloczik tritt kurz darauf dann das fachliche Feedback an den Stehtisch im Schatten heran. Was ihr gefällt an der Zeitung? "Die Moment mal's". Und was nicht? "Es werden zu viele englische Begriffe verwendet - dabei haben wir doch eine so schöne Sprache." Die Seniorin, ebenfalls gebürtige Waldenburgerin, muss es wissen: Schließlich ist sie seit fast drei Jahrzehnten HZ-Abonnentin. Ihr Anliegen: Wenigstens die Öhringer Geschäftsstelle solle auch in Zukunft unbedingt für den persönlichen Leser-Kontakt offen bleiben.

"Es stehen zu viele Rechtschreib- und Namensfehler in der Zeitung", findet Dlocziks Bekannte Susanne Irblich, die es sich nicht nehmen lässt, aus dem benachbarten Café Schatzkästle, das sie betreibt, zur Runde hinzuzustoßen. Sie, die in Pfedelbach wohnt, hat Lob für die Zusteller in petto: "Die Zeitung ist morgens immer pünktlich da." Was sie gerne liest: "Mutmacher"-Geschichten. Auch Gemeinderätin Cornelia Sitter hat einiges beizusteuern: "Die regionale Wirtschaft ist super interessant." Manche Großereignisse - wie Bundesgartenschau und Corona - seien aber bisweilen zu dominant im Blatt präsent, findet Sitter.

Umstände und Möglichkeiten

Die Runde wächst weiter - und einen weiteren Radius der Berichterstattung vermisst indes Uschi Wagner: "Es ist zu wenig aus dem Nachbarkreis Schwäbisch Hall in der Hohenloher Zeitung zu lesen", sagt sie. Theo Götz sekundiert da gerne: Denn das findet der Senior durchaus auch. HZ-Redaktionsleiter Ralf Reichert erklärt die Umstände; berichtet vom Spagat der Blattmacher zwischen dem Wunsch nach mehr Nachbarschaft einerseits und der Konzentration auf den eigenen Landkreis andererseits.

Gegen Ende schweifen die Themen dann weit in Richtung Zukunftsfähigkeit des Mediums: Stirbt die gedruckte Zeitung aus? Warum kostet der Online-Zugang auch für Print-Abonnenten einen Obolus? Wie gelingt es zukünftig, attraktive Geschichten für alle Publikationsformen gleichermaßen zu produzieren? Und wie arbeiten eigentlich Journalisten im Zeitalter der Digitalisierung online?

Dass Letzteres mittlerweile problemlos geht, beweist Redaktionsleiter Reichert just im Anschluss: Direkt vom Waldenburger Schatten-Stehtisch aus lässt er sich zur Konferenz in Heilbronn zuschalten.

 

Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

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