Der Dorfgeschichte neues Leben eingehaucht

Untergruppenbach  Roland Fritz, Hans Kühlwein und Fritz Opel polieren zwei Super-Acht-Filme aus den 1960er Jahren auf. Heraus kam der Film "Unterheinriet im schönen Schozachtal". Für die digitalisierte Fassung scheuten die Männer keine Mühe.

Email

Die Verantwortlichen für Bild, Text und Ton: Hans Kühlwein, Roland Fritz und Fritz Opel (von links) in Kühlweins heimischen Videoraum.

Foto: Dennis Mugler

Es war zu der Zeit, als die Landwirtschaft in Unterheinriet dominierte, und als Schüler wie Roland Fritz und Fritz Opel wegen der ungeteerten Wege mit schmutzigen Schuhen zur Schule kamen: die 1960er Jahre. Es war zugleich die Zeit, in der der Unterheinrieter Klaus Brucklacher seine Vorliebe für Bewegtbilder entdeckte und das Dorfleben mit einer Super-Acht-Kamera festhielt - tonlos, teils in schwarz-weiß, teils in Farbe.

So entstand 1960 der Film "Unterheinriet im schönen Schozachtal". Der Untergruppenbacher Hans Kühlwein und die beiden Unterheinrieter Roland Fritz und Fritz Opel haben ihm jetzt zu einem zeitgemäßen Fortbestand auf DVD verholfen. Fast drei Jahre lang bearbeitete Hans Kühlwein die digitalisierte Fassung. Der leidenschaftliche Filmautor, so bezeichnet er sich selbst, steckte viel Zeit in den Schnitt, das Nachvertonen, das Zusammenfügen der Szenen und die regietechnische Arbeit. Roland Fritz steuerte den kommentierenden Text bei, Fritz Opel übernahm die Sprechrolle.

Intensive Namensrecherche

Herausgekommen ist ein 14-minütiges Zeitdokument, das insbesondere davon lebt, dass es das gesellschaftliche Leben wiederspiegelt - und das eine oder andere ortsbekannte Gesicht zeigt. Fritz und Opel entdecken mitunter sich selbst in dem Film oder ihre Familienangehörigen.

Klaus Brucklacher Fokus lag auf den alltäglichen Szenen, die sich im Dorf abspielten: Kirmestreiben, die Feldarbeit, ein mit Milchkannen beladenes Pferdefuhrwerk auf seinem täglichen Weg nach Ilsfeld zur Milchverwertungsgenossenschaft oder die Schüler der Volksschule beim Spielen auf dem Pausenhof. Umgekehrt wirkte die Kamera auf die Gefilmten wie eine Sensation und fing ihre neugierige Blicke ein.

Kultige Szenen erinnern an alte Zeiten

Eine kurze Einstellung im Film zeigt auch Klaus Brucklacher Nachbarskinder: Es sind der damals zehnjährige Roland Fritz und dessen fünfjährige Schwester Renate beim Blumenpflücken. Für die Fritzens ist es gewissermaßen eine kultige Szene, denn sie veranlasst Roland Fritz' Schwager 2014, seiner Frau ein besonderes Geschenk machen zu wollen: Er ließ den Originalfilm digitalisieren. Die Qualität war jedoch dürftig.

Roland Fritz machte sich dann daran, einen erläuternden Text zum Film zu verfassen. Wann immer er die Szenen sieht, erinnere er sich freudig an diese Zeit in Unterheinriet zurück. Fritz" Gedächtnisvermögen ist erstaunlich: kaum ein Gesicht, kaum ein Name, den er nicht behalten hat. "Es ist Wahnsinn, wie Roland das zusammengetragen hat", sagt Hans Kühlwein. Einige Gedächtnislücken gab es dennoch. Wo Fritz nicht weiterwusste, recherchierte er über diejenigen, die im Film zu sehen sind.

Eifriger Filmautor

Von "Unterheinriet im schönen Schozachtal" erfuhr auch Hans Kühlwein. Er dreht seit 1968 Streifen, vorwiegend über Themen aus dem Stadt- und den Landkreis Heilbronn, die ihn fesseln. Ehefrau Brigitte kennt die plötzlichen Einfälle ihres Mannes: "Dann kommt wie aus dem Nichts: ,Ich mache jetzt einen Film.""

Der Eifer ihres Mannes ist ansteckend. Brigitte Kühlwein half während der Drehs beim Ausleuchten. Das Ehepaar ist sich einig: Durch die Filmerei komme man unter die Leute. Neben zahlreichen Preisen, die Kühlwein bei Bundes- und Landesfilmwettbewerben gewann, bleibt seine wichtigste Errungenschaft der Sonderpreis "Käthchen von Heilbronn". Er wurde ihm für seinen Kurzfilm von 2014 über das Weinsberger Hospiz verliehen.

Nachvertonungen inklusive Rundfunkaufnahmen

In den fertigen Film "Unterheinriet im schönen Schozachtal", den er wegen langer Szeneneinstellungen auf 14 Minuten kürzte, fügte Kühlwein die Audiospuren von Fritz Opel ein. Das Ensemblemitglied der Burgfestspiele Stettenfels übernahm die Sprechrolle. Bei einigen Sitzungen in Kühlweins Videoraum nahm Opel die Texte von Roland Fritz auf - ohne dabei die Filmausschnitte zu sehen. "Ich finde es faszinierend, wie Hans das alles zusammengefügt hat", sagt Opel. Hin und wieder muss er Sätze bis zu sechsmal wiederholen. Mittlerweile, sagt er, klinge seine Stimme für ihn nicht mehr fremd.

Zu den technischen Verbesserungen kommen die Nachvertonungen. Weil der Streifen ohne Ton aufgenommen wurde, stellte sich Hans Kühlwein schon mal aufs Feld und nahm den Laut eines Mähdreschers auf. Andere Aufnahmen und so manche Hintergrundmusik - etwa vom Musikverein Unterheinriet - stammen von Schallplattenaufnahmen des Süddeutschen Rundfunks von 1979. Die nachträglich eingefügten Töne werteten den Film auf, findet Kühlwein: "Einen Stummfilm will heute niemand mehr sehen."

Stufen zum Himmel

Die drei Männer nahmen das Projekt ab 2017 auf. Und weil sie schon einmal dabei waren, alte Filme aufzupolieren, widmeten sie sich auch noch dem Film des Bauunternehmers Hermann Weimar, den dessen Kinder in seinem Nachlass fanden. Weimar hielt 1963 fest, wie der Kirchturm der Nikolauskirche saniert wurde: die Bauarbeiter bei einem zünftigen Vesper, und wie sie in schwindelerregender Höhe ohne Helme und Sicherung auf einem Holzgestell hantierten. Als Hintergrundmusik spielt Led Zeppelins "Stairway to Heaven" - wie passend.

Die beiden Filme dürften vor allem Unterheinrieter Bürger interessieren, die selbst darin vorkommen oder deren Familienangehörige gefilmt wurden. Beim Frühstück der Landfrauen, das am Mittwoch, 19. Februar, um 9 Uhr im Clubraum der Hohenriethalle stattfindet, werden die beiden Filme erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Der Eintritt ist frei.

 

Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kommt aus Weinheim an der Bergstraße und kam im November 2019 zur Heilbronner Stimme. Jetzt berichtet sie aus dem nördlichen und östlichen Landkreis - am liebsten über kulturelle und gesellschaftliche Themen.

Zurück zur Übersicht



Kommentar hinzufügen