Bürgermeister Andreas Vierling: "Ich mag keine halben Sachen"

Untergruppenbach  Der Untergruppenbacher Rathauschef packt Dinge gern gewissenhaft an. Im Interview spricht er darüber, wie er die Gemeinde kennenlernte und wie er sie zum Ende seiner Amtszeit sieht.

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"Als Bürgermeister kann man die Welt nicht immer verändern", weiß Andreas Vierling. Der 30-Jährige will im Rahmen seiner Möglichkeiten dennoch vor allem eines: Untergruppenbach vorantreiben. Seit Mai 2018 lenkt er die Geschicke im Rathaus. Vierling gilt bei vielen als engagierter und zuverlässiger Kümmerer.

 

Herr Vierling, hatten Sie schon immer eine Neigung dazu, Dinge auf einen besseren Weg zu bringen?

Andreas Vierling: Ich war schon immer ein recht engagierter Zeitgenosse, ob als Klassensprecher oder als Vorsitzender der Studierendenselbstverwaltung. Ich mag keine halben Sachen. Das, was ich ich mache, will ich richtig machen.

 

Was muss ein Bürgermeister Ihrer Meinung nach für das Amt mitbringen?

Vierling: Er muss Menschen mögen, das ist besonders wichtig. Als Bürgermeister ist man viel im Gespräch und muss ein offenes Ohr für Anliegen haben. Man muss vorausblicken können, um Themen voranzubringen. Und man sollte damit rechnen, einen vielfältigen Arbeitstag zu haben, der auch mal länger gehen kann.

 

Was gibt Ihnen bei alldem die nötige Kraft und Energie?

Vierling: Die Gespräche mit den Bürgern geben mir viel zurück. Es ist schön, wenn man sich um ein Anliegen gekümmert hat und dafür Dankbarkeit erfährt.

 

Und wie gehen Sie mit negativer Resonanz um?

Vierling: Davon gab es zum Glück bisher wenig, aber das gehört natürlich dazu. Man kann es nicht allen recht machen. Wenn man aber das, was man tut, mit gutem Gewissen vertritt, kann man auch mit der entsprechenden Kritik umgehen.

 

Sie kennen das Verwaltungswesen, seit Sie 16 Jahre alt sind. Was hat Sie motiviert, dranzubleiben?

Vierling: Das war für mich die Vielseitigkeit des Berufs und die Möglichkeit, den Kontakt mit Menschen mit interessanten Aufgaben zu verbinden.

 

In unserer Region amtieren viele junge Rathauschefs wie Sie. Was sind Ihrer Meinung nach deren Motive?

Vierling: Es ist sicher reizvoll, dass der Beruf der Bürgermeisters so abwechslungsreich ist. Die Tatsache, dass man Themen voranbringen kann - die ganzen Gestaltungsmöglichkeiten - sind sehr erstrebenswert.

 

Sie beobachten die Lokalpolitik seit längerem. Stellen Sie einen besonderen Wandel fest?

Vierling: Die sozialen Medien stellen auf jeden Fall eine große Herausforderung dar. Viele Themen werden dadurch nicht mehr "Face to Face" und zum Teil auch unqualifiziert diskutiert. Das macht die Sache schwieriger.

 

Schalten Sie sich auf Facebook in Diskussionen ein, die Untergruppenbach betreffen?

Vierling: Ich versuche, die Kanäle gut zu bespielen und in den sozialen Medien zu informieren. Es gibt viele Menschen, die sich ihre Meinung ausschließlich über Facebook bilden und von dort ihre Informationen beziehen. Es ist gefährlich, wenn mit persönlichen Meinungen oder Halbwahrheiten argumentiert wird. Darum sind wir als Gemeinde auf Facebook aktiv, um über Tatsachen zu informieren.

 

Welchen weiteren Herausforderungen müssen sich die Rathauschefs stellen?

Vierling: Da wären vor allem, dass es immer mehr Anforderungen bei Planungsprozessen gibt und dass diese immer weiter verschärft werden. Das bremst Entwicklungen aus.

 

Was tut Untergruppenbach für den Klimaschutz?

Vierling: Das Thema rückt auf der Agenda immer weiter nach oben. 2018 haben wir das Nahwärmenetz in Unterheinriet aufgebaut. Aktuell untersuchen wir im Gemeindeverwaltungsverband, inwiefern ein interkommunales Nahwärmenetz möglich ist. Außerdem prüfen wir, welche kommunalen Dächer mit Photovoltaik- und Solaranlagen versehen werden können. Und beim Projekt "Unser Wald der Zukunft", das am 14. März startet, forsten wir zusammen mit Bürgern ein Gebiet im Untergruppenbacher Wald auf.

 

Ist Innenverdichtung in Untergruppenbach möglich?

Vierling: Das ist hier ein Dauerbrenner-Thema. Innerörtlich gibt es knapp 90 Baulücken, die brachliegen. Dazu haben wir das Förderprogramm "Flächen gewinnen durch Innenentwicklung" an Land gezogen und werden mit 28 000 Euro bezuschusst. Dadurch hoffen wir, Flächen zu gewinnen. Dass Unterheinriet in das Landessanierungsprogramm aufgenommen wurde, sehen wir als Chance, die Innenentwicklung in den nächsten Jahren zu gestalten.

 

Wie wurden Sie eigentlich auf Untergruppenbach aufmerksam?

Vierling: Durch einen Zeitungsartikel in der Heilbronner Stimme, in dem stand, dass Joachim Weller nicht mehr für eine weitere Amtszeit als Bürgermeister kandidiert. Daraufhin bin ich nach Untergruppenbach gefahren und habe den Ort auf mich wirken lassen. Die Atmosphäre dort hat mich sehr angesprochen.

 

Welcher ist Ihr liebster Ort in der Gemeinde?

Vierling: Im Sommer genieße ich den herrlichen Ausblick vom Biergarten auf Burg Stettenfels aus. Außerdem bin ich gerne mit meinem Mountainbike in unserem Wald unterwegs.

 

Wo liegen die Herausforderungen für Untergruppenbach?

Vierling: Das Thema Verkehr und die Frage, wie wir die Verkehrswende mitgestalten, bringen viele Hürden mit sich. Als Gemeinde kann man wegen der Straßen-Zuständigkeiten nur bedingt mitreden. Untergruppenbach ist aber eine von 50 Gemeinden deutschlandweit, die bezuschusst wird, um einen Mobilitätsmanager einzustellen. Das machen wir zum 1. April.

 

Wo steht die Gemeinde zum Ende Ihrer Amtszeit 2026?

Vierling: Untergruppenbach wird dann nach wie vor eine liebens- und lebenswerte Gemeinde sein. 2026 wollen wir mehr Bauland haben und bei der Jugendarbeit besser aufgestellt sein. Wir werden mindestens eine zusätzliche Kita bauen. Und dann sollte dem Wunsch der Unterheinrieter nach einer besseren Nahversorgung nachgegangen werden - die Gestaltungspläne für die Heinrieter Mitte sind in der Ausarbeitung.


Zur Person

Andreas Vierling wird am 18. April 1989 in Mosbach geboren und wächst in Hüffenhardt (Neckar-Odenwald-Kreis) auf. Nach seiner Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeindeverwaltung Hüffenhardt ist er bis 2011 als Sachbearbeiter im Bürgerbüro der Stadt Gundelsheim tätig. Dort leitet er nach seinem Studium an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl ab 2014 das Hauptamt. Am 4. März 2018 wird Vierling mit deutlicher Mehrheit zum Bürgermeister von Untergruppenbach gewählt. Er und seine Partnerin leben in Donnbronn. In seiner Freizeit fährt Vierling unter anderem gern Ski. 

 

Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kommt aus Weinheim an der Bergstraße und kam im November 2019 zur Heilbronner Stimme. Jetzt berichtet sie aus dem nördlichen und östlichen Landkreis - am liebsten über kulturelle und gesellschaftliche Themen.

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