In Schwaigern setzt man auf schlagkräftige Weinbaubetriebe

Schwaigern  Auch wenn es weniger Wengerter werden, die Bedeutung des Weins für die Stadt Schwaigern ist geblieben. Die Genossenschaft ist der größte Weinbetrieb der Gesamtstadt, und die Tradition des Weinanbaus reicht schon sehr lange in die Vergangenheit zurück.

Von Stefanie Pfäffle
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Ulrich Bader, Vorstandsvorsitzender der Heuchelberg Weingärtner (links), und Geschäftsführer Werner Bender sehen den Weinbau als Teil Schwaigerns.

Foto: Pfäffle

"Wein und mehr" heißt es im Logo, "Herzlich willkommen in Schwaigern, der Weinbaustadt am Heuchelberg" auf der Internetpräsenz der Stadt. Sogar eine eigene Rubrik rund um den Rebensaft gibt es dort, wo sich Besucher über Weinerzeuger, Besenwirtschaften, die Geschichte und das Erlebnis Wein informieren kann. "Heute sind weniger Familien im Weinbau tätig, vor fünfzig Jahren war das noch der halbe Ort, die Bedeutung mag aber noch dieselbe sein", mutmaßt Ulrich Bader, Vorstandsvorsitzender der Heuchelberg Weingärtner.

Sehr nah an der Natur

Die Genossenschaft ist der größte Weinbetrieb der Gesamtstadt. Von insgesamt etwa 730 Mitgliedern stammen rund die Hälfte aus Schwaigern, Stetten, Niederhofen und Massenbach, von den 256 Hektar Anbaufläche bewirtschaften über zweihundert Mitglieder der WG. Geschäftsführer Werner Bender stammt aus Erlenbach, auch eine echte Weinbaugemeinde, und sieht doch starke Unterschiede. "In Schwaigern ist man insgesamt sehr nah an der Natur, was daran liegt, dass es sehr viele Mischbetriebe gibt, große Höfe, die eben auch Weinbau betreiben, aber sonst auch alles zwischen von Spargel bis Zuckerrüben anbauen", stellt er fest.

Dadurch seien die Betriebe sehr schlagkräftig, können dank mehrerer Standbeine auch mal einen schlechten Herbst wie diesen verkraften. Gut sei das vor allem für die Perspektive. "Nachfolge ist ein großes Thema im Weinbau, gerade im Nebenerwerb gibt es kaum noch Junge, die die Reben der Eltern übernehmen", erklärt Bender. Doch dank gewachsener, gestandener Höfe mit Nachwuchs, der in den Betrieb reingewachsen ist, gebe es in Schwaigern noch viel Potenzial. "Der Nebenerwerb geht weiter zurück, aber es muss ja auch aufnehmende Betriebe geben, damit die Flächen nicht brach liegen."

Bürger schätzen die Weinberge als Naherholungsgebiet

Auch wenn die Zahl der aktiven Weinbauern abnimmt - die Bedeutung ist der Bevölkerung bewusst, ist sich Bender sicher. "Sie engagieren sich in Vereinen, tragen zum Veranstaltungskalender bei, dadurch kommen viele Leute mit dem Wein in Berührung, die sonst eigentlich nichts damit zu tun haben." Zudem davon schätzten die Bürger die Weinberge als Naherholungsgebiet.

Das gilt alles nicht nur für die Genossenschaft. Alle Schwaigerner Betriebe haben gemeinsam den Verein "Wein am Berg" gegründet, der sonntags Wein von allen Erzeugern am Lochberg in Stetten ausschenkt. Warum sich der Platzhirsch WG da überhaupt einbringt? "Das sind Kollegen, unsere Konkurrenz sitzt in anderen Anbaugebieten, aber vor allem im Ausland, da kämpfen wir gemeinsam darum, den Württemberger und den deutschen Wein zu vermarkten und es macht gar keinen Sinn, sich da im Kleinen zu bekriegen", betont Bender. Es sei das gemeinsame Ziel, Wein aus dieser Region in die Köpfe der Verbraucher zu bekommen.

Eines haben sie sowieso alle gemeinsam - die Großlage Heuchelberg. "Der Heuchelberg ist die Spange, die auch bei uns alles zusammen hält."

Der Betrieb wurde 1925 als Heuchelberg Kellerei in Schwaigern gegründet, ist damit die älteste der ursprünglichen Genossenschaften. Es folgten Fusionen mit Kleingartach (1968), Großgartach (1971), Stetten (1999) und Nordheim (2004). Ob das nun die richtige Betriebsgröße sein, kann der Geschäftsführer nicht beantworten. "Jeder Betrieb hat in seiner Größe Vor- und Nachteile und ist aufgefordert, das Bestmögliche daraus zu machen. Ob wir noch weiter wachsen, das wird die Zeit zeigen."

Sehr lange Tradition

"Wir, Hartung und Huda, [?] schenken alles, was wir in der Gemarkung Schwaigern an Hofreiten, Wiesen, Wohnhäusern, Wirtschaftsbauten, Gewässern, Weingärten und Leibeigenen besitzen." Dieses Zitat stammt aus einer Urkunde aus dem Jahr 799. Damit wurde der Weinbau erstmals in Schwaigern erwähnt. Lang, lang ist's her. Heute gibt es neben den Heuchelberg Weingärtnern in der Gesamtstadt außerdem die Privatkellerei Kümmerle, die Traubenwerkstatt sowie die Weingüter Graf Neipperg, Jürgen Kachel, Neumann, Schweizer und Will+Würz.

 

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