Ein Dauerbrenner auf vielen Ebenen

Schwaigern  Glasermeister Dieter Vogt entstammt einem alten Familienbetrieb und ist seit 40 Jahren im Gemeinderat.

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Glasermeister Dieter Vogt in der alten Maschinenhalle. Hier werden allerdings schon lange keine Fenster mehr produziert.

Foto: Friedhelm Römer

Sein Weg war lange vorgezeichnet. Opa Friedrich war direkt nach dem Zweiten Weltkrieg neun Jahre lang Bürgermeister in Schwaigern, Papa Helmut Gemeinderat, und so trat auch Dieter Vogt den Weg in die Kommunalpolitik an. 1980 wählten ihn die Bürger gleich bei seiner ersten Kandidatur ins Gremium. Inzwischen ist er dort seit 40 Jahren für die Freie Wählervereinigung/Bauern und Weingärtner vertreten. "Ich bin selber überrascht, dass ich inzwischen neun Mal gewählt worden bin", sagt der 70-Jährige.

Apropos vorgezeichneter Weg: Der Familienbetrieb stammt aus dem Jahr 1855 und hat mit Dieter Vogt bereits die sechste Generation erreicht. Sein Vater starb mit 54 Jahren. Der Betrieb hatte zu der Zeit sechs Mitarbeiter. Und da auch Dieter Vogt im eigenen Familienunternehmen Glaser gelernt und anschließend in Karlsruhe seinen Meister gemacht hatte, war klar, dass er den Betrieb übernehmen würde.

Schien- und Wadenbeinbruch

Das war die Zeit, als der Fußballer Dieter Vogt seine Schule verletzungsbedingt an den Nagel hängen musste. Nachdem er von 1974 bis 1977 beim VfR Heilbronn in der zweiten Amateurliga gespielt hatte und zu seinem Stammverein, dem TSV Schwaigern zurückgekehrt war, erlitt er im Derby gegen Massenbachhausen einen Schien- und Wadenbeinbruch sowie einen Bruch des Sprunggelenks. "Da war alles kaputt." Das war 1981. "Aber ich wollte mich weiter für Schwaigern einbringen. Das habe ich dann im Gemeinderat getan."

Die Arbeit in diesem Gremium habe er nicht bereut: "Das ist interessant, obwohl man sich da keine Freunde macht." Vor allem die Mitwirkung bei den Preisgerichten, wenn also verschiedene Architekten-Konzepte für Neubauten wie das künftige Feuerwehrhaus zur Bewertung anstehen, sei immer wieder spannend.

Entscheidung über Verkehrskonzept steht noch aus

Höhepunkte und Tiefschläge gab es einige in diesen 40 Jahren. Zum Beispiel die Umwandlung der Theodor-Heuss-Straße in eine Fußgängerzone. Die Landwirte waren es gewohnt, den direkten Weg durch die Innenstadt zum Rübenverladegelände zu nehmen. Größerer Protest blieb damals jedoch aus. "Allerdings hatten wir uns davon eine größere Belebung der Innenstadt versprochen." Diese sei ausgeblieben. Auch das unter Bürgermeister Johannes Hauser auf den Weg gebrachte, aber bisher nur teilweise verwirklichte Verkehrskonzept gehört dazu. Es sieht eine durchgängige Verbindung von der B 293 zum Weilerweg mit einer Unterführung am Bahnhof sowie eine Südtangente Stetten vor und würde den Schienenübergang entlasten, liegt aber schon seit Jahren auf Eis. "Ich wünsche mir, dass über das Verkehrskonzept noch in dieser Legislaturperiode entschieden wird. Wir können das nicht ewig vor uns herschieben."

Zur Person

Dieter Vogt ist seit 40 Jahren verheiratet und hat drei Töchter und sechs Enkel. Der 70-Jährige hat im Familienbetrieb das Glaser-Handwerk gelernt und in Karlsruhe seinen Meister gemacht. Dieter Vogt ist auch Obermeister der Innung für Glas-, Fenster- und Fassaden (GFF) und sitzt seit 1980 im Gemeinderat für die Freie Wählervereinigung/Bauern und Weingärtner.

Die tiefste Wunde dürfte aber das jüngste Politikum hinterlassen: Der Bürgerentscheid gegen das Konzept der Hoffnungsträgerstiftung, in der Kernerstraße drei Häuser für Geflüchtete und Einheimische zur Förderung der Integration zu bauen. "Das Ergebnis war niederschmetternd, und für die Stadt wird das Ganze nun viel teurer." Der Gemeinderat hatte das Projekt mit großer Mehrheit beschlossen.

Die 2024 endende Legislaturperiode soll seine letzte sein. Mit 74 müsse Schluss sein. Ob das auch für seine Zeit als Glaser gilt? "Wir sind ein aussterbender Beruf." Früher waren 35 Gesellen im Meisterkurs in Karlsruhe. Vor ein paar Jahren schrumpfte die Zahl auf sechs. Nun hat die Innung reagiert und versucht den Beruf durch ein Bachelor- und Masterstudium aufzuwerten. Lange hat der Familienbetrieb Vogt die Fenster selber gefertigt. Dann übernahmen nach und nach hochmoderne Maschinenparks mit Qualitätsstandards die Regie, die inzwischen Tag für Tag 500 bis 700 Fenster pro Tag herstellen. "Das muss ich akzeptieren." Dennoch könnte es mit dem Betrieb weitergehen: "Es gibt einen Interessenten, der ihn übernehmen möchte."

 

 

Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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