"Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ist hoch"

Schwaigern  Schwaigerns Bürgermeisterin Sabine Rotermund über Stadtteile, die sich abgehängt fühlen, sozialen Wohnungsbau für Geflüchtete und Einheimische, Kinderbetreuung und wo sie die Stadt 2030 sieht.

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Will Wert darauf legen, dass die Belange der Bürger in allen Stadtteilen berücksichtigt werden: Bürgermeisterin Sabine Rotermund.

Foto: Ralf Seidel

Seit sechs Jahren ist Sabine Rotermund Bürgermeisterin von Schwaigern. Im Stimme-Interview spricht sie darüber, wie es nach dem geplatzten Projekt der Hoffnungsträgerstiftung aus Leonberg, die in Schwaigern drei Häuser für Geflüchtete und Einheimische bauen wollte, weitergeht. Bei der Kleinkindbetreuung setzt sie darauf, dass mit dem Neubau eines Kindergartens der Bedarf gedeckt ist.

Frau Rotermund, nach dem gestoppten Projekt der Hoffnungsträgerstiftung ist nun die Zeit nach vorne zu blicken. Wie geht es weiter mit diesem Grundstück in der Kernerstraße?

Sabine Rotermund: Für das Grundstück gibt es noch keine konkreten Planungen. Wir werden uns im Gemeinderat austauschen und die Bürger intensiv beteiligen.

Welche Lösungen sehen Sie, günstigen Wohnraum zu schaffen für Einheimische und Geflüchtete?

Rotermund: Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Grundstücke ausgeschrieben mit der Vorgabe, sozialen Wohnungsbau zu realisieren. Das soll zum Beispiel im Badischen Hof in Stetten und aktuell in der Marco-Polo-Straße geschehen.

Wie stark ist denn hier der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum?

Rotermund: Der Bedarf ist sehr hoch. Das hat schon die hohe Beteiligung der Bürgerschaft im Rahmen unseres Stadtentwicklungskonzeptes gezeigt. Wir wissen, dass viele Familien Wohnraum suchen, und wir wissen, dass derzeit fast kein Angebot vorhanden ist.

Wie kann man denn nach der Spaltung der Bürgerschaft hoffnungsvoll in die Zukunft blicken?

Rotermund: Wir werden auch künftig immer offen sein für einen sachlichen und konstruktiven Austausch mit unserer Bürgerschaft.

Wie dramatisch ist das Corona-Jahr 2020 für Schwaigern und seine geplanten Projekte?

Rotermund: Corona hat eine tiefgreifende Veränderung unserer Haushaltslage verursacht, so dass wir deutlich weniger Geld zur Verfügung haben. Wir haben einige Projekte geschoben.

Zur Person

Sabine Rotermund (55) ist seit 2015 Bürgermeisterin von Schwaigern. Sie wurde am 30. November 2014 im zweiten Wahlgang gewählt und ist Nachfolgerin von Johannes Hauser. Die Diplom-Verwaltungswirtin und gebürtige Heilbronnerin war von 2008 bis 2014 Amtsleiterin "Familie, Bildung und Kultur" der Stadt Sinsheim. Sie ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt in Gemmingen.

Zum Beispiel?

Rotermund: Wir waren konkret in der Planung der Generalsanierung der Grundschule Stetten und hatten die Bestellung für die Errichtung einer Containerschule als Ausweichlösung vorbereitet. Das Projekt konnten wir nicht umsetzen, weil in einer Containerlösung auch übergangsweise kein coronagerechter Unterricht möglich gewesen wäre.

Also nach Corona kann die Stadt die Sanierung angehen?

Rotermund: Ja, sobald die Situation wieder kleinere Räume und ein engeres Zusammenrücken zulässt. Aber mit den derzeitigen Abstandsgeboten und Hygieneregeln funktioniert Unterricht an der Grundschule in einer Containeranlage nicht.

Was ist mit den großen Projekten Feuerwehrhaus und sechsgruppiger Kindergarten im Baugebiet Mühlpfad-Herrengrund?

Rotermund: Damit sind wir wie vorgesehen in der Planung.

Wird der Bedarf mit dem Kindergarten mittelfristig gedeckt?

Rotermund: Nachdem, was wir bisher sagen können, sind wir mit dieser Einrichtung gut aufgestellt. Und schließlich haben wir weitere Betreuungseinrichtungen auf den Weg gebracht, zum Beispiel den Bauernhof- und Naturkindergarten. Und wir prüfen zurzeit die Errichtung eines Kindergartens am Leintalzoo.

Es entsteht hin und wieder der Eindruck, dass sich die Stadtteile abgehängt fühlen. Täuscht er?

Rotermund: Diese Stimmung ist immer mal wieder wahrnehmbar, obwohl wir Wert darauf legen, die Belange aller Stadtteile zu berücksichtigen. Wir haben dort in Workshops und einer intensiven Bürgerbeteiligung die Wünsche der Bürgerschaft entgegengenommen und aufgearbeitet und gehen nun in die weitere Planung zur Umsetzung.

Und wann steht Norma in Stetten?

Rotermund: Vermutlich Mitte nächsten Jahres.

Klimaschutz gerät in der Coronazeit des Öfteren aus dem Fokus. Wo ist das Thema in der Kommunalpolitik Schwaigerns sichtbar?

Rotermund: Wir berücksichtigen das Thema in unseren Bebauungsplänen. Die Stadt hat insbesondere für unsere Neubaugebiete eine Machbarkeitsstudie zur Realisierung einer alternativen Energieversorgung auf den Weg gebracht. Wir werden uns künftig auch wieder mit unserem Verkehrskonzept befassen müssen und haben ein großes Interesse daran, den ÖPNV zu stärken. Als Vorbildfunktion haben wir in der Verwaltung zwei E-Fahrzeuge. In allen Stadtteilen werden künftig E-Ladesäulen zur Verfügung stehen.

Schwaigern hat ein Stadtentwicklungskonzept 2030 auf den Weg gebracht. Wo steht die Stadt 2030?

Rotermund: Wir sind zuversichtlich, dass wir große Teile des Konzepts bis dahin umgesetzt haben. In vielen Bereichen haben wir schon erste Umsetzungen erreicht. Unsere Bewerbung für die Gartenschau ist ein großes Puzzleteil im Konzept. Auch hier finden sich viele Maßnahmen zum Klimaschutz. Erhalten wir den Zuschlag, können wir in Sachen Klimaschutz für Schwaigern einen großen Schritt vorangehen.

 

Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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