Kein Fassanstich, kein Feiern bis in die Nacht

Offenau  Das 44. Kornlupferfest muss wegen der Corona-Krise abgesagt werden. Ein herber Schlag für die Offenauer Vereine. Sie verlieren damit ihre Haupteinnahmequelle. Der Gemeinderat hat nun entschieden, sie mit 10.000 Euro zu unterstützen.

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Die Erinnerungen ans vergangene Jahr sind das einzige, was 2020 vom dreitägigen Spektakel am Offenauer Neckarufer übrig bleibt. Denn aufgrund der Corona-Krise wurde die 44. Auflage abgesagt.

Die Vorsitzenden der beteiligten Vereine sind sich einig: Selbst wenn es bis dahin weitere Lockerungen geben sollte, wird das Fest nicht dasselbe sein.

Roland Häfele: "Das Kornlupferfest lebt von Begegnung, von Kontakten"

Durch die Hygiene- und Abstandvorgaben würde es seine Leichtigkeit verlieren, betont der Vorsitzende des Arbeitskreises. Die Vereine, die mit ihrem tatkräftigen Engagement das Fest für die Besucher unvergesslichen machen, verlieren damit ihre Haupteinnahmequelle. Die Gemeinde hält die Entscheidung für richtig, möchte die Vereine finanziell aber nicht im Stich lassen. Sie greift ihnen deshalb mit 10 000 Euro unter die Arme.

Neckarpromenade verwandelt sich in Hotspot

Jedes Jahr am vorletzten Juli-Wochenende verwandelt sich die Johann-Michl-Promenade in Offenau zum Hotspot. Traditionell gibt Mitorganisator Franz Rittenauer um 19 Uhr das Startzeichen zum Einmarsch auf das Kornlupferfest. Wenn der Zug sich durchs Fest bahnt, ist es üblich, dass auch die Symbolfiguren der bäuerlichen Tradition mit Dreschflegeln und gefüllten Körben dabei sind. Mit von der Partie sind außerdem die Jugendkapelle, die Vertreter der örtlichen Vereine, die Kindergärten, der Fischerstecher mit der großen Lanze, der Gemeinderat und Ehrengäste. Am Strohballenrund eröffnet Bürgermeister Michael Folk das Traditionsfest mit dem Fassanstich.

Der Fluss zaubert ein einzigartiges Flair

Von da an feiern Tausende Besucher drei Tage lang feuchtfröhlich mit viel Musik und kulinarischen Köstlichkeiten am Neckarufer. Die besondere Atmosphäre am Wasser rückt vor allem beim Fischerstechen, der Rocknacht und dem Brilliant-Feuerwerk in den Fokus und versprüht ein einzigartiges Flair. Für Offenau ist es der Höhepunkt des Jahres.

Auszeichnung als "beliebtestes Fest der Region"

Kein Fassanstich,  kein Feiern bis in die Nacht

Maßgeblich verantwortlich für den Erfolg, sind die Offenauer Vereine und die vielen freiwilligen Helfer: Im Jahr 2019 schwenkten Mitglieder des Kolping-Blasorchesters den Grill und servierten Würste und Steaks. Mit Kartoffelsuppe, Zwiebel- und Peterlingkuchen versorgte die Abteilung Turnen der TGO die Festgäste. Siedfleisch und Blasmusik gab es im Kolpingzelt, die Jedermänner luden zum Weißwurstfrühstück ein. Ja, das Kornlupferfest ist ein Gemeinschaftswerk, das im vergangenen Jahr sogar eine Auszeichnung bekam: In der Kategorie Stadt- und Volksfeste wurde es beim Echo.de-Wettbewerb zum "beliebtesten Fest in der Region" gewählt.

"Wir wollten diese Auszeichnung dieses Jahr mit Stolz tragen und verteidigen", betont Roland Häfele. Seit 22 Jahren lebt Häfele in Offenau, bringt sich schon immer in das Gemeindegeschehen ein. Er ist überzeugt: Wenn man sich in den Ort integrieren will, muss man in einen Verein eintreten. "Die Offenauer sind sehr liberal und begegnen den Leuten unvoreingenommen." Manche Gruppen hätten Nachwuchsprobleme wie der Jugendchor von Da Capo, der sich deshalb aufgelöst hat. Andere, wie die Jugendfeuerwehr, freuen sich über einen guten Zulauf. "Jugendarbeit muss man pflegen. Es braucht Beständigkeit und Disziplin", weiß Roland Häfele.

Auch dieses Jahr hätte es eine neue Besonderheit geben sollen...

Über die Jahre feilten Gemeinde und Vereine immer weiter an Location und Konzept des Kornlupferfestes. Als an der Promenade der Hochwasserschutz errichtet wurde, verlegte man extra für die Ausrichtung des Festes notwendige Versorgungsleitungen. 2018 folgte die Neckarterrasse mit 70 Quadratmetern. Kostenpunkt: rund 90 000 Euro. Hinzu kamen mehr Sitzplätze in Form von Holzliegen. "Dieses Jahr wollten wir 200 Meter des gegenüberliegenden Neckarufers beleuchten", berichtet Häfele. "Das machen wir jetzt im nächsten Jahr."

Häfele: "Das ist nicht selbstverständlich"

In seiner jüngsten Sitzung entschied der Gemeinderat, die Vereine mit 10.000 Euro für einen Teil der entgangenen Einnahmen aufgrund der Festabsage zu unterstützen. "Es ist sehr löblich, dass sich die Gemeinde hinter die Vereine stellt und zeitnah reagiert. Das ist nicht selbstverständlich", findet Häfele. Die Freiwillige Feuerwehr und die Ministranten verzichten auf ihren Anteil und stecken dafür in Sachen Ausflüge zurück. Andere Gruppen benötigen die finanzielle Unterstützung, um ihre normalen Ausgaben zu decken. Gemeinderat Jürgen Kowol: "Das ist ja kein Geld, das verpufft. Es bleibt im Ort und wird langfristig auch das Fest weiter stabilisieren."

Geschichte und Beteiligte

Kein Fassanstich,  kein Feiern bis in die Nacht

Normalerweise lockt das Kornlupferfest Tausende Besucher ans Offenauer Neckarufer. Es wurde beim echo24.de-Wettbewerb mit dem Titel "Beliebtestes Fest in der Region" ausgezeichnet. Dieses Jahr wurde es abgesagt.

Fotos: Archiv/ Klotz, privat

Entstanden ist das Kornlupferfest, weil die katholische Kirche St. Alban innen für 500.000 Mark renoviert werden sollte. Die Einnahmen sollten durch ein Straßenfest generiert werden. Neun mal wurde das Kornlupferfest rund um Schule und Turnhalle gefeiert. Als die Turnhalle abgerissen und die Sporthalle neu gebaut wurde, kam es zu einer Verlegung des Festes ans Neckarufer. "Sich zum Neckar hinzuwenden, der viele Jahre eher eine Bedrohung darstellte, fanden alle gut", erinnert sich Rathauschef Michael Folk.

Folgende Vereine und Gruppen gestalten das Kornlupferfest: Da Capo, Freiwillige Feuerwehr, Jugendfeuerwehr, Familie Haziri, katholischer Frauenbund, Kolping-Blasorchesters, Kolpingsfamilie, Männergesangverein, Ministranten, Motorbootclub MCMN, TGO mit Badminton, Jugendfußball, Tennis, Tischtennis, Turnen, Jedermänner, Volleyball, Volleyball-Jugend, Förderverein Volleyball, Förderverein Volleyball-Freunde (FVVF), Förderverein Fußball und Vocalis. fee

 

Kirsi-Fee Rexin

Kirsi-Fee Rexin

Autorin

Kirsi-Fee Rexin begann im Jahr 2014 ein Volontariat bei der Heilbronner Stimme. Seit 2016 ist sie als Redakteurin im Ressort Landkreis hauptsächlich für Kommunen im nördlichen Landkreis zuständig. 

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