Ein Ort, der seinem Namen alle Ehre macht

Offenau  Im Rahmen der Aktion "50 Wochen - 50 Orte" haben wir Offenau genauer unter die Lupe genommen und einiges herausgefunden. Zum Beispiel, dass durch ein Soleheilbad, von dem heute nichts mehr zu sehen ist, einst viele Fremde in den Ort kamen.

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1790: Das Badehotel Linde führte Kur- und Übernachtungsbetrieb zusammen.

Der Offenauer ist Fremden und Neuem gegenüber aufgeschlossen", erzählt Daniel Kress. Er muss es wissen: Seit 16 Jahren ist Kress für die Gemeinde als Archivar tätig.

Als Alteingesessener hat er über sechs Jahre die Geschichte des Ortes erforscht und seine Ergebnisse 2010 in einem dicken Heimatbuch namens "Offenau" veröffentlicht. Die Offenheit haben sich die Einheimischen bewahrt. "Wir sind ein Dorf, jeder kennt jeden. Aber auch Zugezogene finden über Vereine wie die Turngemeinde Offenau oder die Feuerwehr leicht Anschluss."

Woher kommt die Offenheit?

Der offene Charakter der Bürger hat geschichtliche Hintergründe. "Schon in alten Familienbüchern ist zu lesen, dass junge Männer kamen und in Offenau geheiratet haben", so Kress. Der Grund dafür war der Neckar, der seit jeher als Reise- und Handelsstraße genutzt wurde. "Das spülte viele Fremde nach ,Offene´." Übrigens hieß die Gemeinde mal Offenheim. Eine offizielle Umbenennung fand nie statt. "Ich schätze, der Deutsche Orden hat einfach Offenau daraus gemacht", überlegt Daniel Kress. Gemessen an der Gemarkungsfläche ist Offenau einer der kleinsten Orte im Landkreis. Weil die Gemeinde in Sachen Neuerschließungen daher sehr begrenzt ist, will sie sich auf die Innenentwicklung konzentrieren.

Archivar Daniel Kress: "Offenau war eines der ältesten Soleheilbäder"

Ein weiterer Anziehungspunkt war früher der Solekurbetrieb im 16. Jahrhundert. Die Salzquellen am Neckar wollten schließlich sinnvoll genutzt werden. ErsterBadegast war die Markgräfin Anna von Baden-Durlach. "Offenau war eines der ältesten Soleheilbäder", berichtet der 59-Jährige. Der Titel Bad wurde aber nie offiziell verliehen. 1790 nahm das Badhotel Linde mit zehn Solebadewannen unter ärztlicher Aufsicht seinen Betrieb auf.

Mit Fertigstellung des Neckarkanals 1935 gingen der Badbrunnen und das Heilbad allerdings verloren. Auch gebäudetechnisch ist nichts mehr zu erkennen. Am einstigen Standort steht heute das Kulturforum Saline, wo kulturelle Veranstaltungen und Hochzeiten stattfinden. Izet, Afrim und Blerim Haziri sind nach zweijähriger Pause im November 2019 wieder als Pächter zurückgekehrt.

Der Ortskern bestand aus drei Gradierwerken

Am Rathaus-Standort, wo Bürgermeister Michael Folk in vierter Amtsperiode die Geschicke der Gemeinde lenkt, wurde 1754 vom Hoch- und Deutschmeister Clemens August von Wittelsbach die Saline Clemenshall angelegt. So gesehen bestand Offenau seinerzeit hauptsächlich aus drei Gradierwerken. Für Kress der Grund, weshalb die Sozialdemokraten in der Gemeinde stark vertreten sind.

Die Bezeichnung "Krumme Ebene" lässt sich auf einen Stab zurückführen

Auch ein Erbe von früher: der katholische Glaube. "Es gab immer einen katholischen Landesherrn, der das Sagen hatte", weiß Kress. Beispielsweise der Erzbischof von Mainz, der stets einen Krummstab bei sich trug. Auf diesen Stab sei wohl die "Krumme Ebene", wie Offenau, Duttenberg, Jagstfeld, Obergriesheim, Untergriesheim und Bachenau namentlich zusammengefasst werden, zurückzuführen. Mit der Kolpingsfamilie, dem katholischen Frauenbund und dem Kolping Blasorchester sind die kirchlichen Vereine bis heute im Ort vertreten.

Ein Ort, der seinem Namen alle Ehre macht

Die vergangenen Wochen war Archivar Daniel Kress aufgrund der Corona-Krise relativ einsam in der Gemeindebücherei, die Teil des neuen Multifunktionsgebäudes ist und zur Schule gehört. Lediglich die Frösche im angrenzenden Teich leisten ihm etwas Gesellschaft. "Normalerweise ist es hier laut und voll, denn die Kinder nutzen die Bücherei rege. Das fehlt mir", erzählt Kress. 2010 hat Kress mit der Schulverwaltung und der Gemeinde die Ganztagsbetreuung aufgebaut. Heute buchen 70 Prozent das offene Angebot des Ganztagsbetriebs.

Ortskern bekommt neues Gesicht

Einige Meter weiter ist die Baustelle im Ortszentrum in vollem Gang. Seit Januar werden hier Gebäude wie der alte Schlachthof abgerissen, um Platz zu schaffen für den neuen Drogeriemarkt und die Markthalle. Im April unterschrieb die Metzgerei Häfele den Vertrag als neuer Betreiber. Im Frühjahr 2021 soll Eröffnung sein.

In diesem Fall kommt die B27 dem Ort zur Abwechslung mal zugute. Denn ohne den vielen Durchgangsverkehr bei Tempo 30 hätte die 3000-Seelen-Gemeinde wohl keinen Drogeriemarkt anlocken können. Von einer Umgehungsstraße ist seit Jahren die Rede, so richtig glaubt daran aber niemand mehr.

Das Kornlupferfest ist abgesagt

Ein Kontrasprogramm erfährt, wer die Johann-Michl-Promenade am Neckar besucht. Mit Erddamm und Hochwasser-Schutztoren ist der Neckar auch keine Bedrohung mehr. Für zirka 90 000 Euro wurde eine Neckarterrasse gebaut, die 2018 beim Kornlupferfest eingeweiht wurde. Apropos Kornlupferfest: Wegen Corona kann die 44. Auflage des Traditionsfestes, das hauptsächlich von Offenauer Vereinen gestemmt wird, nicht stattfinden. Die Gemeinde will ihnen nun mit 10.000 Euro unter die Arme greifen.

 

 

Kirsi-Fee Rexin

Kirsi-Fee Rexin

Autorin

Kirsi-Fee Rexin begann im Jahr 2014 ein Volontariat bei der Heilbronner Stimme. Seit 2016 ist sie als Redakteurin im Ressort Landkreis hauptsächlich für Kommunen im nördlichen Landkreis zuständig. 

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