Das Ortszentrum von Offenau bekommt ein neues Gesicht

Offenau  Im Zuge des Sanierungsgebiets "Neue Mitte" verwandelt sich der Ortskern von Offenau maßgeblich. Im ersten Quartal 2021 sollen der neue Drogeriemarkt Rossmann und eine Markthalle in Betrieb gehen. Wie ist der aktuelle Stand?

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Für eine neue Linksabbiegerspur und eine Querungshilfe für Fußgänger wird gerade die B27 verbreitert. Ab zirka 25. Mai starten die Arbeiten für den Bau des neuen Drogeriemarkts und der Markthalle.

Foto: Mario Berger

Scheinbar mühelos gräbt sich die Baggerschaufel in die Erde. Es ist laut und staubig im Zentrum von Offenau. Wenige Meter entfernt regelt eine mobile Ampelanlage den Verkehr, der sich entlang der Baustelle gerade mit nur einer Spur begnügen muss. Das Sanierungsgebiet "Neue Mitte" ist in vollem Gang. 2021 soll die 3,9 Millionen Euro teure Transformation vollzogen sein und das Zentrum in neuem Glanz erstrahlen: Die Drogeriemarktkette Rossmann und eine Markthalle mit Metzger sowie Obst- und Gemüsehändler sollen die Bürger anlocken und die Versorgung im Ort sichern.

Drogeriemarkt als Kundenmagnet

"Das Aus von Schlecker hier im Zentrum hat sich auch auf andere kleine Läden ausgewirkt. Dadurch sind etliche weggebrochen", erinnert sich Bürgermeister Michael Folk. 2012 empfahl ein Gutachten des Instituts für Regionalwirtschaft Cima die Ansiedlung eines Kundenmagneten, idealerweise eines Drogeriemarkts.

Rossmann bekundete Interesse, sich im Ortszentrum anzusiedeln. "Für uns sind die Einwohner wichtig, die B27 hilft und der sehr gut gehende Lidl. Außerdem, dass der Markt strategisch gut anzufahren ist", zählt Anfang 2018 Ralf Da Val, bei Rossmann zuständig für Expansion in Baden-Württemberg, auf. Wichtig sei ein Einzugsgebiet von 10 000 Einwohnern. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur eine Rossmann-Filiale in Neuenstadt, zwei lagen in Neckarsulm. Dass es in Gundelsheim, Hassmersheim und Bad Wimpfen keinen Drogeriemarkt gibt, habe den Ausschlag gegeben. Der Unterschied zu dm: "Rossmann führt auch Spiel- und Schreibwaren." Angesichtsdessen sah sich die Gemeinde gezwungen, schnell zu handeln. Auch weil zuvor bereits ein anderer Investor abgesprungen war.

Verhandlungen mit den Eigentümern

Nach einigen, teils schwierigen Verhandlungen mit den Eigentümern konnte die Gemeinde unter anderem die Gebäude der Kreissparkasse und der ehemaligen Metzgerei erwerben. Der Vorteil für die Gemeinde als Bauherr? Dadurch hat sie direkten und dauerhaften Einfluss auf das Betreiberkonzept und -auswahl sowie die Gestaltung der Immobilie", erklärt Rathauschef Michael Folk.

So sieht das Konzept aus

Das Ortszentrum von Offenau bekommt ein neues Gesicht

Um Platz zu schaffen, wurde auch die Volksbank abgerissen.

Foto: Archiv/Klotz

Auf einer Fläche von 1500 Quadratmetern ist ein großes Gebäude mit zwei Nutzungsbereichen geplant: Rechts soll sich der Drogeriemarkt Rossmann befinden, mit dem ein langfristiger Mietvertrag über zwölf Jahre geschlossen wird. Der zweite Bereich ist eine Markthalle mit Bäcker, Metzger sowie Obst- und Gemüsehändler. Im April dieses Jahres unterschrieb Werner Häfele, Seniorchef der gleichnamigen Metzgerei mit Stammsitz in Winnenden, als Betreiber der Markthalle den Vertrag. Häfele sucht nun nach einem Bäcker und einem Obst- und Gemüsehändler als Partner.

Das geschieht gerade auf der Baustelle

Seit Januar wurden für das Projekt nun die Gebäude von Volksbank, Kreissparkasse und der alte Schlachthof abgerissen. Aktuell findet der Bau der Linksabbiegerspur statt. Dazu muss die Bundesstraße verbreitert werden. "Die Abbiegespur soll verhindern, dass sich später ein Rückstau bildet", erklärt Bauamtsmitarbeiter Rainer Beer. In diesem Zug wird auch eine barrierefreie Querungshilfe für Fußgänger angelegt. Diese Maßnahme soll bis zum 25. Mai abgeschlossen sein, dann können die Arbeiten für den Bau des Gebäudes starten. Dafür müssen 2000 Kubikmeter Erde ausgehoben werden, weil das Gelände nach hinten ansteigt.

Kritik: Projekt als Wohnungsvernichtungsprogramm?

Jüngst hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, die Wohnnutzung von Hauptstraße 2 und 4 sowie der Holzstraße 8 aufzulösen, um sie durch einen anderen Schwerpunkt, zum Beispiel einer öffentlichen Einrichtung, zu ersetzen. Dieses Vorgehen trifft auch auf Kritik: "Das Projekt scheint zum Wohnungsvernichtungsprogramm zu mutieren", findet Offenauer Johannes Müllerschön. Gebäude würden abgerissen, um Parkplätze und Verkehrskreisel zu schaffen, dabei seien Wohnungen Mangelware. "Wie da mehr Aufenthaltsqualität entstehen soll, ist mir schleierhaft. Wie der Wohnungsnot entgegengewirkt werden soll, ebenfalls."


Kirsi-Fee Rexin

Kirsi-Fee Rexin

Autorin

Kirsi-Fee Rexin begann im Jahr 2014 ein Volontariat bei der Heilbronner Stimme. Seit 2016 ist sie als Redakteurin im Ressort Landkreis hauptsächlich für Kommunen im nördlichen Landkreis zuständig. 

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