Als in Bad Offenau Hochwohlgeborene kurten

Oedheim  Die im 18. Jahrhundert eröffnete Saline brachte der Gemeinde Wohlstand. Und auch auf den fruchtbaren Äckern der Bauern gedieh das Korn prächtig. Der Neid veranlasste die Wimpfener dazu, ihren Nachbarn einen Spitznamen zu verpassen.

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Mit seiner 800 Meter breiten Talaue und seinen fruchtbaren Böden ist Offenau seit jeher ein von der Natur verwöhnter Flecken. Gute Ernten sorgten in früherer Zeit dafür, dass es den Offenauern nie allzu schlecht ging. Hungerleiden mussten sie selten. Als dann noch im 18. Jahrhundert die Saline Clemenshall ihren Betrieb aufnahm, florierte die Gemeinde kräftig – was den Offenauern einen gewissen Wohlstand und zugleich den Neid ihrer Nachbarn einbrachte. Die waren es auch, die den Bewohnern der Neckartalgemeinde ihren Spitznamen gaben.

Günstige Lage und sandige Böden

Reich waren sie, die Offenauer Bauern. Kein Wunder. Auf ihren fruchtbaren Äckern gedieh es prächtig. Die günstige Lage und der Sandboden sorgten dafür, dass die Offenauer ihre erste Ernte weit vor allen anderen einfahren konnten. Stand das Korn in voller Reife, erregte es stets den Neid der Nachbarn. Missgunst kam besonders bei den Wimpfenern auf. Sie vermuteten stets, die reichen Bauern aus Offenau hätten wohl eine besondere Art entdeckt, ihr Korn reifen zu lassen. Alljährlich zur Erntezeit hätten sie vom Berg ins Offenauer Flusstal geblickt – stets das Korn im Visier – und hätten dabei gesagt: "Die Offenauer habens gut. Ich glaub, die gehe nachts raus und lupfe heimlich s'Korn, damit's schneller wächst." So sind die Offenauer zu Kornlupfern geworden.

Die fetten Ernten der Offenauer hatten sich in früherer Zeit sogar bis Haßmersheim herumgesprochen. Dort kommt nämlich der folgende Spruch her: "Offene isch's Häfele, Dutteberg s'Deckele, Gundelse die Kenigsstadt, Bettinge de Bettelsack, Haßemse de Woischlauch un Zimmern des Hutzelbauch."

Bereits im 16. Jahrhundert wurde Sole zu Heilzwecken gefördert

Als in Bad Offenau Hochwohlgeborene kurten

Dank der Saline Clemenshall (oben) wurde im 19. Jahrhundert aus Offenau Bad Offenau.

Fotos: leo.bw/privat

Fast in Vergessenheit geraten ist auch, dass Offenau im 19. Jahrhundert ein gefragter Kurort gewesen ist. Als eines der ältesten Soleheilbäder im Land, in denen Gäste unter ärztlicher Aufsicht kurten, beherbergte der Ort Besucher von Rang und Namen.

Der Deutsche Orden war es gewesen, der im 16. Jahrhundert damit begonnen hat, die dortigen Salzquellen für Heilzwecke zu nutzen. Um 1560 nahm das Sommerkurbad Offenau in einer umgebauten Feldscheune in der Nähe des solehaltigen Badebrunnens seinen Betrieb auf. 1754 wurde die Königliche Saline Clemenshall gegründet. Der heutige alte Ortskern entstand aus einer Siedlung der Salinearbeiter.

Der erste dokumentierte Badegast war damals die regierende Markgräfin Anna von Baden-Durlach. Gegenüber der Heidelberger Kurfürstin Elisabeth von der Pfalz schwärmte die Markgräfin von ihrem wohltuenden Aufenthalt in Offenau.

Im 19. Jahrhundert wurde aus dem Ort Bad Offenau

Die hochwohlgeborenen Gäste mussten zunächst in Privatquartieren übernachten. Später folgten einfache Gasthäuser. 1790 schließlich eröffnete das Kurhotel Linde mit Badeeinrichtungen und einem Kurpark. Der Bäderbetrieb florierte prächtig. Jahrhundertelang. Deshalb wurde dem Ort im 19. Jahrhundert auch der Titel "Bad" verliehen. Und – der Ort bekam aufgrund seiner hohen Besucherfrequenz 1879 seinen eignen Bahnhof.

Neben Bad Wimpfen, Bad Rappenau und Bad Friedrichshall logierten die Kurgäste also auch in Bad Offenau. Dies blieb so, bis die Saline Clemenshall im Jahr 1929 geschlossen wurden. Damit kam der Bäderbetrieb im Ort noch vor dem Zweiten Weltkrieg zum Erliegen.

Die in der Nähe der Neckarbrücke nach Bad Wimpfen gelegenen Solequellen der Gemeinde lieferten ihr salzhaltiges Nass noch bis 1969 an die Saline in Bad Friedrichshall-Jagstfeld.


Kuebelwirth

Ulrike Kübelwirth

Autorin

Ulrike Kübelwirth volontierte 1980 bei der Heilbronner Stimme. Bis 1986 war sie Redakteurin in der Landkreisredaktion. Danach leitete sie bis 1992 die Nachrichtenredaktion bei Radio Regional. Vier Jahre in der Politikredaktion schlossen sich an, bevor sie 1996 in die Redaktion Sonderveröffentlichungen (Leben und Freizeit) wechselte, wo sie heute unter anderem für das Thema Garten zuständig ist.

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