Öhringen, die Stadt der Weltmeister

Öhringen  Serafin Scheffold und Max Hanselmann setzen die erfolgreiche Kunstrad-Geschichte fort: Nach drei Goldmedaillen wollen sie nun den Weltrekord knacken, sagen sie im Interview.

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Seit über zwölf Jahren trainieren Max Hanselmann (links) und Serafin Schefold zusammen. Drei Goldmedaillen haben sie schon geholt, wollen jetzt den Weltrekord. Sie sprechen über Fleiß, Durchhaltevermögen und Freundschaft.

Foto: Archiv/Schmerbeck

Zusammen haben Max Hanselmann und Serafin Schefold schon jede Menge Gold geholt und die Tradition von José Arellano und Claudia Wieland als Weltmeister im Kunstradfahren fortgesetzt. Der Erfolg ist hart erarbeitet. Die beiden jungen Männer erzählen, warum sie nicht aufgeben und wie ein so zeitintensives Hobby die Freundschaft prägt.

Max, Serafin, seit wie vielen Jahren trainiert ihr zusammen?

Max Hanselmann: Seit knapp 12 Jahren.

Serafin Schefold: Im Oktober 2008 haben wir angefangen, zusammen Zweier zu fahren. Das ist ganz schön lange her.


Wie viel Zeit habt ihr zu Beginn täglich miteinander verbracht, wie viel ist es jetzt?

Schefold: Wenn man es hochrechnet, sind es sicher so drei Stunden am Tag, wobei es stark variiert. Wir sehen uns nicht jeden Tag, dafür sind wir bei der Weltmeisterschaft dann auch wieder fast eine ganze Woche zusammen.

Hanselmann: Zu Beginn war es weniger, da wir weniger Kaderlehrgänge und Wettkämpfe hatten. Allerdings haben wir schon immer dreimal die Woche gemeinsam trainiert, auch als wir noch Einer gefahren sind, also vor unserer Zweier-Karriere.


Macht man da auch in der Freizeit noch viel zusammen?

Schefold: Viel nicht, eher gelegentlich. Wobei das mit der Freizeit eh so eine Sache ist. So viel davon hat man als Leistungssportler nicht.

Hanselmann: Da sich die Freundeskreise überschneiden, treffen wir uns schon auch so ab und zu.

 

Was sind die Momente, wo ihr Euch mega aufeinander verlassen können müsst?

Hanselmann: Das sind vor allem die Figuren mit Belastung, also im Schultersitz und Schulterstand.

 

Ging das auch schon mal schief?

Schefold: Ja, letztes Jahr, als Max sich den Arm gebrochen hat. Da bin ich bei der Belastung vom Pedal abgerutscht.

 

Wie groß ist das gegenseitige Vertrauen? Würdet Ihr auch zusammen klettern gehen, dem anderen das eigene Leben anvertrauen?

Schefold: Ja natürlich. Das ist etwa vergleichbar mit den Trainingsfiguren mit Belastung, da sichern wir im Training auch mit Klettergurt und Seil.

 

Ihr würdet Euch also auch gegenseitig als Trauzeugen nehmen?

Hanselmann: Klar.

 

Gab es mal einen Moment, wo ihr aufhören wolltet?

Schefold: Ja, die gibt es schon immer wieder, aber wir denken, dass das im Leistungssport normal ist. Man hat insgesamt schon eine hohe Belastung und muss auf vieles verzichten. Solange es uns aber Spaß macht, bleiben wir dabei. Und auch nach dem Sturz ging es weiter.

Hanselmann: Wenn einer aber tatsächlich über längere Zeit keine Lust mehr hat, sich nicht motivieren kann, dann wird es schwierig und dann klappt es auch nicht mehr allzu lange.

 

Wer von Euch ist disziplinierter?

Hanselmann: Serafin.

 

Welche Stärke hat der andere?

Schefold: Max hat ein sehr gutes Körpergefühl und ist gelassen.

 

Und was zeichnet Euch als Team aus?

Schefold: Wir haben große mentale Stärke, hohen Trainingseifer und sind kompromissbereit.

Hanselmann: Bei Trainingsentscheidungen oder der Fehlersuche ticken wir gleich, Streit gab es da noch nie.

 

Was sind Eure Schwächen?

Hanselmann: Serafin ist manchmal zu verkopft und die Planung fällt dann doch hin und wieder zu optimistisch aus.

Schefold: Max: ist manchmal zu ungeduldig beim Erlernen neuer Übungen.

 

Was für Ziele kann man noch haben, wenn man schon alles erreicht hat?

Hanselmann: Im Kunstrad gibt es viele Übungen, die man lernen kann und das ist jedes Mal eine neue Herausforderung, beziehungsweise es wird mit steigendem Niveau nicht einfacher. Da haben wir noch ein paar Sachen zu lernen.

Schefold: Das wollen wir dann im Herbst auch beim Wettkampf fahren und damit eine Kür zeigen, die vor uns so noch keiner gefahren ist. Als großes Ziel haben wir uns deshalb den Weltrekord noch auf die Fahne geschrieben. An diesen sind wir in den letzten zwei Jahren immer wieder ganz nah ran gefahren. Die 168,68 Punkte, die wollen wir jetzt noch holen.

 

Ist es schwer, sich da jetzt noch zu motivieren?

Hanselmann: Ja, es ist schon schwerer. Bei der Qualifikation zur ersten WM in Stuttgart, also auf dem Weg in die Weltspitze, waren wir am motiviertesten.

 

Wer ist pünktlich? Wer weniger?

Hanselmann (lacht): Schwierige Frage. Sea kommt nahezu immer pünktlich zehn Minuten zu spät.

 

Wer hätte fast mal einen Wettkampf zum Platzen gebracht?

Schefold: Keiner mit Absicht, aber Max hatte einmal fürchterlich Migräne. Er ist aber trotzdem gefahren.

 

Eure nächsten Ziele?

Hanselmann: Die Saison dieses Jahr, die noch in den Sternen steht, fahren. Unsere Kür aufstocken und den Sattellenkerhandstand als neue Übung reinnehmen.

Schefold: Den WM-Titel verteidigen und den Weltrekord knacken.


Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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