Auf der Suche nach dem Lieblingsgericht der Öhringer

Öhringen  Beim Blick in den Topf zeigt sich: Das Leibgericht der Öhringer ist klar Linsen mit Spätzle.

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Linsen mit Spätzle ist für viele Öhringer das typische Gericht der Stadt. Und nicht zu vergessen ist die Currywurst vom Kircher.

Foto: Archiv/pixelio/Heinrich Heermann

Ein typisches Öhringer Gericht? Für viele ist es ganz klar die Pferdemarkt-Wurst. Nicht nur für Bauhofleiter Martin Maneke. Er hat noch ein ganz spezielles Essen, das es so in dieser Form vermutlich auch nur in seiner Familie gibt: Nudeln mit Apfelmus. Bitte?

Hausrezepte

Martin Maneke erklärt lachend die Zubereitung: Es werden Nudeln mit Ei angebraten und dann mit dem Apfelmus vermischt. Am besten, erklärt er, nimmt man Spiralnudeln dazu. Daran klebt besonders viel Mus. "Es geht aber mit allen anderen Nudeln auch", versichert er. Das Rezept stamme von den Eltern, die es aus dem Ruhrpott mitgebracht hätten. Seine Frau habe anfangs skeptisch geschaut, mittlerweile sei es aber in der ganzen Familie beliebtes und schnell gemachtes Essen.

Klaus Schneider muss nicht lange überlegen: "Linsen mit Spätzle und Saitenwurst", antwortet er wie aus der Pistole geschossen. Am liebsten esse er das daheim bei seiner Frau, da schmecke es genau so, wie es schmecken müssen. Vor kurzem habe er es auch in einem Restaurant bestellt. "Es war gut, aber daheim ist es besser." Die Soße dürfe nicht zu dick sein und die Spätzle müssen dünn durch die Maschine gedrückt sein, erklärt er die Qualitätskriterien. Wenn Besuche komme und typisch hohenlohisch essen gehen wolle, dann führt der Weg in den Ochsenhandel, erklärt Klaus Schneider. Dort gebe es gute Hausmannskost.

Saure Nierle, saure Kutteln und natürlich Linsen mit Spätzle, nennt Achim Bürkert vom Gasthof "Krone", wenn ihn Gäste nach typischen Gerichten fragen. Das gebe es auch immer, versichert er und schiebt ein weiteres typisches Gericht nach: "Ebirnschniz und Spaza". Bitte? Übersetzt: Kartoffelschnitz mit Spätzle. Im Rezeptbuch sucht man besser nach Gaisburger Marsch.

Dann doch lieber zum Bäcker

Ein Essen, an das sich Elke Remmlinger von der Metzgerei einige Meter weiter unten in der Marktstraße mit Grausen erinnert: "Das gab es während meiner zwei Jahre Ausbildung an der Akademie in Kupferzell oft freitags. Da sind wir dann immer zum Bäcker und haben uns was anderes gekauft." Das war 1969. Auch die Vorstellung, Linsen zusammen mit Spätzle von einem Teller zu essen, erschien ihr damals merkwürdig. "Wir haben Linsen als Eintopf gegessen", erklärt sie. Die Abneigung, Kartoffeln mit Spätzle und Suppenbrühe zu löffeln ist geblieben. Linsen mit Spätzle dagegene liebt sie zwischenzeitlich. Wie auch ihr Gast Helga Dermann. Die 78-Jährige hat heute das Tagesgericht, nämlich Bratwurst mit Gemüse, freut sich aber auch immer wenn es Linsen oder Maultaschen gibt. "Oder Kutteln, oder Sauerkraut oder Kartoffelsalat mit Kotelett", hat Helga Dermann viele Leibspeisen.

Brigitte Ludwig-Petzold fällt als typisches Gericht auch sofort der Gaisburger Marsch ein. "Das gab es bei uns oft samstags", erinnert sie sich. Nicht aus Resten, sondern tatsächlich frisch gekocht. Zwiebelblooz und Kartoffelklöse, das sind zwei weitere Dinge, die sie an die Küche ihrer Mutter erinnern. "Aber das ist vielleicht nicht typisch Öhringen, sondern eben Hohenlohe", sagt sie. Dafür fällt Marc Dederer vom Gasthof "Krone" ein typisch Öhringer Gericht ein: "Currywurst vom Kircher".

 

Tipp
Der Öhringer Stadtrat und Metzger Jens Remmlinger verrät, was beim Linsengericht zu beachten ist: Die Soße sei keine Mehlschwitze, sagt er, sondern das Mehl werde eingebrannt. Mit Butter komme das Mehl in den Topf und werde erst dann abgelöscht, wenn das Mehl eine braune Farbe habe.

 

Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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