Obersulm im Porträt: Gute Noten für Bildung und Betreuung

Obersulm  Der größten Kommune im Weinsberger Tal gehen die Aufgaben nie aus. Der Verkehr brennt den Einwohnern auf den Nägeln.

Email

Einen herrlichen Blick hat man vom Paradies im Obersulmer Teilort Eschenau auf Affaltrach (im Vordergrund), Willsbach und Sülzbach (im Hintergrund).

Fotos: Christiana Kunz/Archiv Meier, Heibel

Es sind nur vier Schlagworte: Wein, Wald, See, Berge. Dieser verkürzte Slogan drückt präzise aus, was Obersulm ausmacht: Die herrliche Lage im Weinsberger Tal, die große Bedeutung des Weinbaus mit 372 Hektar Rebflächen sowie 22 Haupt- und 39 Nebenerwerbsbetrieben, viel Natur und ein Bündel an Freizeitmöglichkeiten. Die mit über 14.000 Einwohnern größte Kommune im Weinsberger Tal kann mit weiteren Trümpfen aufwarten. Da sind Bildung und Betreuung, die Anbindung an die Stadtbahn, eine gut ausgestattete Infrastruktur und ein lebendiges Gemeinschaftsleben mit einer Vielzahl von Vereinen und Organisationen.

See-Sperrung sorgte für Negativschlagzeilen

Obersulm im Porträt: Gute Noten für Bildung und Betreuung

Der Breitenauer See, der teils auf der Gemarkung Obersulm liegt, ist zu allen Jahreszeiten ein beliebtes Freizeitziel.

Was sonst das Aushängeschild der Kommune ist, hat in diesem Jahr für Negativschlagzeilen gesorgt: der Breitenauer See. Von Juli bis September war das beliebte Naherholungsgebiet Nordwürttembergs für den Badebetrieb gesperrt. Die Behörden befürchteten, es könnte sich angesichts des Massenansturms an heißen Tagen zu einem Corona-Hotspot entwickeln. Wellen der Empörung, die nicht abebben wollten, schwappten über die zuständigen Ortspolizeibehörden von Obersulm und Löwenstein und den Naherholungszweckverband. Denn der See ist der Obersulmer liebstes Kind, wie 2019 die Bürgerbefragung zum Zukunftskonzept ergab.

Viel Geld fließt in Schulen und Kindertagesstätten

Obersulm im Porträt: Gute Noten für Bildung und Betreuung

Viel Geld floss in Kindertagesstätten, zum Beispiel in die Neubauten von Krippe und Kinderhaus in Affaltrach.

Da bekam die Gemeinde, die 1972 nach einer schwierigen Brautschau aus Affaltrach, Eichelberg, Eschenau, Weiler und Willsbach entstand - Sülzbach wurde drei Jahre später sogar zwangsverheiratet - gute Noten in Sachen Bildung und Betreuung. Kein Wunder, hält man sich vor Augen, dass seit 2013 in Neubau und Sanierung von Kindertagesstätten 7,1 Millionen Euro flossen. Millionen wurden für die Modernisierung und eine Mensa in der Realschule ausgegeben. Nun ist die sechs Millionen Euro teure Sanierung der Michael-Beheim-Schule gestartet, seit 2013 Gemeinschaftsschule. Mit der Käthe-Kollwitz-Schule in Weiler - sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum - sowie dem Evangelischen Paul-Distelbarth-Gymnasium verfügt Obersulm über alle Schulformen. Ein wichtiger Standortfaktor.

Schulsozial- und Jugendarbeit

Obersulm im Porträt: Gute Noten für Bildung und Betreuung

Eine besondere Einrichtung: das Museum Synagoge in Affaltrach.

Schulsozialarbeit ist auch in den Grundschulen längst Standard. Und sie ist vernetzt mit der offenen Jugendarbeit. Jugendreferat und Jugendhaus, die gerade weitere Räume im Willsbacher Bahnhof erhalten haben, leisten fruchtbare Arbeit. Eine weitere Vorzeigeeinrichtung: die Gemeindebücherei.

In Bildung und Erziehung engagiert sich die Bürgerstiftung Obersulm sehr stark. Sie stattet Abc-Schützen aus, finanziert Schwimmkurse für Grundschüler und beteiligt sich am Schulobstprojekt der Beheim-Schule. 2019 hat die Organisation die offene Hebammensprechstunde ins Leben gerufen, für die eine große Nachfrage besteht.

Baugebiet und Umgehungsstraße

An bezahlbaren Mietwohnungen und Bauplätzen mangelt es. Das ist ein weiteres Ergebnis der Bürgerbefragung. Bereits auf der Agenda steht ein 5,3 Hektar großes Wohnbaugebiet in Willsbach. Hier gilt es, ein Augenmerk auf das Verkehrskonzept zu legen. Wie der zusätzliche Verkehr bewältigt werden soll, bereitet Anwohnern Sorgen. Zumal die Willsbacher ohnehin unter dem Gestank und dem Lärm der Blechlawinen auf der B39 leiden. Trotz rechtskräftiger Bebauungspläne ist die seit Jahrzehnten geforderte Umgehung noch nicht in Sicht.

Auf Zuschüsse angewiesen

21 strategische Ziele, 40 Projekte und Planungen: So schwergewichtig ist das Gemeindeentwicklungskonzept 2035. "Da braucht es einen langen Atem", meinte Bürgermeister Tilman Schmidt zur Aufgabenvielfalt, als es vor einem Jahr vorstellt wurde. Als steuerschwache Kommune ist Obersulm, in der nach dem angekündigten überraschenden Rückzug von Schmidt im März 2021 ein neuer Bürgermeister gewählt werden muss, auf Zuschüsse angewiesen.

Mehr auf Innenentwicklung setzen genauso wie auf Rad- und öffentlichen Nahverkehr oder die medizinische und pflegerische Versorgung sichern, das ist unter anderem die Absicht.

 

 


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

Zurück zur Übersicht



Kommentar hinzufügen