Das nächste Projekt wartet schon

Nordheim  Bürgermeister Volker Schiek ist gerade im neuen Domizil eingezogen und blickt in die Zukunft: Er will den Waldenserort Nordhausen sanieren. Die Entscheidung über einen Blumensommer im Jahr 2023 fällt nächstes Jahr.

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Volker Schiek ist seit einem viertel Jahrhundert Rathauschef in Nordheim. Von Amtsmüdigkeit fehlt jede Spur. Der 59-Jährige hat sich für die kommenden Jahren wieder mehrere Projekte vorgenommen.

Foto: Christiana Kunz

Volker Schiek wurde Anfang 2019 in seine vierte Amtsperiode gewählt. Der Rathauschef erzählt im Interview, worauf es in den kommenden Jahren in Nordheim ankommt.

 

Der Rathausanbau ist fertig. Wie arbeitet es sich in den neuen Räumen?

Volker Schiek: Gut. Wir sind sehr zufrieden, dass wir nach der Enge davor und der noch schwierigeren Situation während der Umbauphase jetzt wieder gute räumliche Voraussetzungen für unsere Arbeit haben.

 

Funktioniert alles?

Schiek: Ich glaube bei so einem Projekt sind kleinere Nacharbeiten normal. Aber sie halten sich in Grenzen. Wir konnten von Anfang an gut arbeiten. Die ein oder andere Klingel funktioniert noch nicht, ansonsten sind wir zufrieden.

 

Die Kosten bleiben im Rahmen?

Schiek: Wir haben noch nicht alle Schlussrechnungen. Aber wir gehen davon aus, dass die Gesamtsumme dem entspricht, was uns der Architekt und die Planer über Jahre gesagt haben: Sieben Komma X Millionen einschließlich Abbruch, vorübergehende Unterbringung und Außenanlagen. Dafür erhalten wir zwei Millionen Euro Zuschüsse.

Was passiert jetzt mit dem Gemeindezentrum?

Schiek: Das Gemeindezentrum wird wieder Ort für verschiedenste Veranstaltungen sein. Dort ist auch unser Sitzungssaal untergebracht. Außerdem wollen wir gemeinsam mit der Bürgerschaft überlegen, was wir dort noch alles machen können. Wir denken derzeit über einen offenen Seniorentreff nach.

 

Die andere Großbaustelle in Nordheim ist der Kindergarten in der Südstraße. Wie weit ist dieses Projekt inzwischen?

Schiek: Der Kindergarten in der Südstraße wird rund sechs Millionen Euro kosten. Er soll bis zu 150 Kinder beherbergen und wird ganztagesfähig sein. Im Untergeschoss entstehen Vereinsräume als Ersatz für entfallene Vereinsräume im Zusammenhang mit dem Anbau des Rathauses. Wir sind so weit, dass wir nach den Sommerferien den Kindergarten in Betrieb nehmen wollen. Er ist schon fast voll belegt. Eine Gruppe wird noch frei sein und als Reserve zur Verfügung stehen.

 

Das Ortszentrum hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Was steht dort als nächstes an?

Schiek: Wir würden gerne gemeinsam mit der Lebenswerkstatt Heilbronn Wohnen für behinderte Menschen ermöglichen. Dazu fehlt uns im Augenblick leider der letzte Rest an Fläche. Ob es möglich ist, entscheidet sich in diesem Jahr. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Neugestaltung rund um unseren Marktplatz sein. Die Gemeinde ist Eigentümer von mehreren Gebäuden, die keine Zukunft haben. Dort müssen wir neu ordnen. Außerdem werden wir jeden Eigentümer unterstützen, der sein Anwesen zukunftstauglich machen möchte.

 

 

Wie steht es um die Infrastruktur im Ort? Stichwort ärztliche Versorgung und Einkaufen.

Schiek: Wir versuchen, die Ortsmitte attraktiv zu gestalten. Das haben wir in den vergangenen Jahren gemacht. Als wir zuletzt einen größeren Leerstand hatten, haben wir es geschafft, einen Grundversorger in der Ortsmitte anzusiedeln. Aber das ist einfach nicht mehr der Trend der Zeit. Das muss man akzeptieren. Angesichts dessen sind wir zufrieden, dass es Bäcker, Metzger, Apotheke, Ärzte und weiteres, was zum täglichen Leben gehört, in der Ortsmitte noch gibt. Die Gemeinde hat auch dazu beigetragen. Sie hat beispielsweise im vergangenen Jahr eine 300 Quadratmeter große Arztpraxis geschaffen und vermietet.

 

Zwei Megathemen bestimmen die nächsten Jahre. Neben der medizinischen Versorgung sind das Pflegeplätze und Seniorenresidenzen. Besteht hier in Nordheim Handlungsbedarf?

Schiek: Vor Jahren haben wir das Karl-Wagner-Stift in der Ortsmitte schaffen können. Ich gehe davon aus, dass noch in diesem Jahr die 44 betreuten Seniorenwohnungen, die in der Brackenheimer Straße privat gebaut wurden, bezogen werden. Wir sind außerdem mit dem Träger des Karl-Wagner-Stifts im Gespräch. Er ist bereit, die Einrichtung zu erweitern.

 

In die Gemeinschaftsschule haben Sie 13 Millionen Euro investiert. Wie sind derzeit die Anmeldezahlen?

Schiek: Die Schule ist auf einem guten Weg. Wir sind personell und sachlich hervorragend ausgestattet. Die Lehrer machen einen guten Job. Den Schülern gefällt's. Die ersten erfolgreichen Abschlüsse der Mittleren Reife sind durch. Mit 26 Schüleranmeldungen für die Klasse 5 im kommenden Schuljahr ist sie stabil, aber zunächst nur einzügig.

 

Der Blumensommer hat Nordheim über Jahre hinweg bekannt gemacht. Wird es anlässlich des 1200-jährigen Ortsjubiläums 2023 eine Neuauflage geben?

Schiek: Bis heute ist die Veranstaltung positiv in Erinnerung und wirkt sich auf die Gemeinde aus. Nicht nur im Erscheinungsbild, sondern auch im Miteinander der Bürgerschaft. Wir mussten den Blumensommer 2013 Schlafen legen, weil die Aufgabe von uns nicht mehr geschultert werden konnte. Nachdem wir jetzt Großprojekte wie Rathaus, Kindergarten und Schule abgewickelt haben, prüfen wir, ob und wie wir 2023 wieder einen Blumensommer oder eine ähnliche Veranstaltung aufbauen und ausrichten können. Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr klarer sehen und wünsche mir, dass es klappt.

 

Die Sanierung von Nordhausen haben Sie für die kommenden Jahre als Großprojekt definiert.

Schiek: Nordhausen ist der einzige Waldenserort in der Region Heilbronn-Franken. Nachdem der Verkehr auf die neue Umgehungsstraße verlagert werden konnte, bringen wir die historische Ortsmitte auf Vordermann. Dabei wollen wir nicht nur die Straßen, Wege und Plätze in Ordnung bringen. Spannend wird auch, was sich aus den Gemeindegrundstücken machen lässt. Privateigentümer, die sich an den Sanierungszielen orientieren, fördern wir gerne mit Hilfe des Landessanierungsprogramms.

 

Gibt es eine Kostenschätzung und einen Zeitplan?

Schiek: Das Sanierungsverfahren läuft zunächst bis April 2028. Derzeit nehmen wir Kosten von rund 5,1 Millionen Euro an. Wir erhoffen uns einen Zuschuss von rund 3,1 Millionen Euro. Bewilligt sind bisher 900.000 Euro.

 

Zur Person
Volker Schiek ist 59 Jahre alt, verheiratet, hat drei Kinder und drei Enkelkinder. Der gebürtige Haberschlachter ist seit rund 40 Jahren im öffentlichen Dienst tätig. Nach seinem Studium verschlug es ihn zunächst als Kämmerer nach Gerabronn. Anschließend war er Kämmerer in Abstatt. Schiek hat früher Fußball und Tennis gespielt. Jetzt zieht es ihn zum Wandern in die Berge. Seit 25 Jahren ist Schiek Bürgermeister in Nordheim.


Wolfgang Müller

Wolfgang Müller

Autor

Wolfgang Müller arbeitet seit Oktober 2000 in der Regionalredaktion der Heilbronner Stimme. Derzeit berichtet er hauptsächlich aus dem Zabergäu.

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