Die Besonderheit der Gemeinschaftsschule Neuenstein

Neuenstein  Mit Beharrlichkeit und Innovation wird aus der Grund- und Hauptschule die Gemeinschaftsschule. Mit Hartnäckigkeit und aus Überzeugung wurde ein Ziel verfolgt. Wir erklären, was das Modell so besonders macht.

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Gerade ist es sehr ruhig in der Neuensteiner Schule. Doch bald schon kommend ie Abschlussklassen ins Schulhaus zurück. Die Mensa ist Baustelle.

Foto: Tscherwitschke

Aufgaben ist und war für Matthias Wagner-Uhl keine Option. Nie. Das gilt, wenn der Schulleiter der Gemeinschaftsschule Neuenstein über Schüler spricht ("Kein Kind darf verloren gehen"). Und das gilt erst Recht, wenn es um die Geschichte der Schule geht.

Eine zweite Option

Als kleine Grund- und Hauptschule schwebte über dem Neuensteiner Schulstandort wie über so vielen im Land das Damoklesschwert der Schließung. Doch schon 2001 machten sich die Neuensteiner Gedanken, wie Schule besser gelebt werden könnte. Eine Idee dazu war die Verbundschule. Davon hatten die Neuensteiner die damalige Kultusministerin Annette Schavan bei ihrem Besuch schon überzeugt. Doch das Ministerium schaltete die Ampel, die schon grün zeigte, wieder zurück auf orange.

Aufgeben aber ist keine Option. Deshalb machte Neuenstein im November 2009 den Schritt zur Werkrealschule. Mit vielen zusätzlichen Aktionen machte die Schule ihre Schüler fit für die Handwerks- und Industriebetriebe im Städtle. Schnell zeigte sich, dass die Neuensteiner im Trio mit Waldenburg und Kupferzell zu den Pädagogen gehörten, die Schule neu dachten, neue Formate nicht scheuten.

Gemeinsame Fortbildungen

Nie stellten die Gemeinderäte der drei Schulstandorte die Ausgaben für Fortbildungen in Frage. Auch nicht Investitionen in die Ausstattung. Jeder Strohhalm, jede Chance wurde ergriffen, um besser zu werden. Schon ab 2005 sammelten alle drei Schulstandorte Erfahrungen. Und so gehörte Neuenstein zu den Starterschulen, die ab dem Schuljahr 2012/2013 die neue Schulform Gemeinschaftsschule nicht nur im Namen führte, sondern auch lebte.

Was heißt Gemeinschaftsschule? Die Klassenstufen fünf bis zehn werden gemeinsam zum Haupt- und Realschulabschluss geführt. Die Gemeinschaftsschule ist mindestens zweizügig. Eine dauerhafte Mindestschülerzahl in der Eingangsklasse von 20 Schülern ist erforderlich.

Gute Erfolge

Bis Klasse zehn lernen alle zusammen. Teils auf unterschiedlichem Niveau, aber gemeinsam. Die Schule profitiert dabei von den Erfahrungen des international anerkannten schweizerischen Instituts Beatenberg und den Forschungsergebnissen des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen in Ulm. So nimmt es kein Wunder, dass Neuensteiner Schüler zeigten, dass Mathearbeiten besser funktionieren, wenn zuvor Sport gemacht wird. Eine der Theorien des Hirnforschers Manfred Spitzer.

Im Herbst 2018 machte der erste Jahrgang seinen Abschluss, Herbst 2019 der zweite. Beide Jahrgänge mit sehr guten Erfolgen, betont Matthias Wagner-Uhl. Zwei Drittel seiner Absolventen bewarb sich anschließend erfolgreich für das weiterführende berufliche Gymnasium.

Kein Kind darf verloren gehen. Das ist die Devise von Wagner-Uhl. Dafür steht er mit seinem etwa 60-köpfigen Lehrerteam. Alle ziehen an einem Strang - und wenn es sein muss manches Mal auch etwas länger. Denn einen langen Atem, das haben die Neuensteiner. Wie auch der Bau der Mensa beweist. Auch auf den wurde etwas länger gewartet. Doch auch hier hat das Warten sich gelohnt. Statt nur Mensa werden nun auch Räume für die Ganztagesbetreuung gebaut.


Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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