St. Gangolfskapelle in Neudenau fasziniert Bau- und Kunsthistoriker

Neudenau  Ein Gebäude ist vom ehemals aufgegebenen Ort Deitingen übrig geblieben: die St. Gangolfskapelle. Viel beschrieben und erforscht. Mitglieder des kirchlichen Fördervereins kümmern sich um das Gebäude.

Von Rudolf Landauer
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Der jüngere Flügelaltar mit St. Gangolf in der Mitte verdeckt einige mittelalterliche Wandgemälde dahinter. Petra Vochezer sucht nach einer Lösung.

Foto: Rudolf Landauer

Zwischen den Sportanlagen und dem Freibad Neudenau lag der längst abgegangene Ort Deitingen, eine Vorgängersiedlung des heutigen Neudenau. Die Erinnerungen an die uralte Siedlung sind verblasst, lediglich die "Deitinger Höfe" erinnern daran. Vor allem ein Gebäude lässt Deitingen weiterleben, die dem Heiligen Gangolf geweihte Kapelle.

Das bedeutende Kulturgut fasziniert Bau- und Kunsthistoriker. Einst war sie die Dorfkirche von Deitingen und ist als einziges Gebäude erhalten. Die Siedlung bestand bis zum Dreißigjährigen Krieg und wurde dann verlassen.

Viele Menschen kennen diese Zusammenhänge nicht mehr, die Bedeutung der St. Gangolfskapelle als Wallfahrtsort hingegen schon.

Die traditionelle Reiterprozession wird am zweiten Sonntag im Mai begangen und ist 1497 das erste Mal erwähnt - vielleicht gab es sie schon früher. Die genauen Entstehungszeiten von Deitingen und der St. Gangolfskapelle lassen sich nicht exakt fassen. Die Endung "ingen" verweist aber auf eine alemannische Gründung. Ein uralter Weg zieht an der Kapelle vorbei und querte die Jagst durch eine Furt.

Akribische Forschung

Bei der Suche nach Quellen stößt man auf Personen, die sich der Erforschung von Ort und Kapelle zuwandten. Der Neudenauer Stadtpfarrer Fridolin Mayer hat seine akribische Forschung im 1937 erschienenen Buch "Geschichte der Stadt Neudenau" zusammengefasst. Mayer beeindruckt darin mit seinen exzellenten Kenntnissen zur Stadtgeschichte und St. Gangolfskapelle. Auch Josef Anton Nonnenmacher gilt als aufmerksamer Chronist.

Es war Pfarrer Richard Aichele, der 1923 die zuvor eingestellte Prozession reaktivierte, bis sie während des Krieges erneut abgesagt wurde. 1946 lebte die schöne Tradition zur Segnung der Pferde und Reiter wieder auf und wird bis heute gepflegt. 1276 wird die Kapelle vom Abt Heinrich erwähnt, im Amorbacher Kopialbuch ist 1336 der "Sant gangolffs bronnen" enthalten, dessen Wasser Heilkraft für Tiere und Menschen zugeschrieben wird. Das Äußere der Kapelle ist schlicht, sie hat eine mit vielen Hufeisen als Votivzeichen beschlagene romanische Eingangstüre und zwei Seitentüren, die aber gotische Stilelemente zeigen. Aus Dankbarkeit wurden die Hufeisen angenagelt und zeigen, dass Menschen an die Heilwirkung der Gangolfsquelle für Tiere glaubten. Ein Zeugnis für Volksfrömmigkeit.

Mittelalterliche Wandmalereien entdeckt

Das Innere der Kapelle beeindruckt durch viele unterschiedliche Kunstwerke. Eine Sensation war es, als 1864 Handwerker beim Abkratzen der Wände mittelalterliche Wandmalereien entdeckten. Um 1330 sollen die Bilder entstanden sein. Sie zeigen die Szenen Christus als Weltenrichter und aus dem Leben Jesu sowie die "klugen und die törichten Jungfrauen".

Weitere Bilder zeigen das Weltgericht, den Hl. Gangolf, der von Speeren durchbohrt wird und einen überlebensgroßen Christophorus. Beeindruckend die Darstellung des Hl. Jakob, der zwei Pilger krönt. Grausam hingegen die Hl. Corona, die zwischen Bäumen zerrissen wird. Georg und Wendelin stehen Gangolf zur Seite.

 

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