Spott und Hohn stehen für Neckarsulmer Spitzname Pate

Neckarsulm  Über die Entstehung des Necknamens der Neckarsulmer darf spekuliert werden. Mündliche Überlieferungen deuten eindeutig darauf hin, dass mit "Spitzdapper" genau das gemeint ist, was einem bei diesem Ausdruck im ersten Augenblick sofort in den Sinn kommt.

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Wer heute an Neckarsulm denkt, dem kommt auf Anhieb Audi in den Sinn. Oder Lidl. Dabei waren die Anfänge ganz anders. Weinbau und Landwirtschaft – das waren die Haupterwerbszweige, die das über Jahrhunderte hinweg ländlich geprägte Leben in Neckarsulm bestimmten. Und zwar vor der Industrialisierung und der damit verbundenen Ansiedlung großer namhafter Firmen in der Stadt. Schon 1834 wurde der erste Weinbauverein gegründet – und 1855 entstand unterm Scheuerberg die wohl älteste Weinbaugenossenschaft Deutschlands. Demzufolge bestand ein Großteil der Bevölkerung aus Bauern und Wengertern, die zum Teil zwar recht wohlhabend waren, deren Umgangsformen aber trotzdem nicht immer als geschliffen bezeichnet werden konnten. Daher rührt wohl auch der Spitzname, der den heutigen Zweiradstädtern vor langer Zeit zugedacht wurde.

Über die Entstehung des Necknamens darf spekuliert werden. Mündliche Überlieferungen deuten – alles andere als jugendfrei – eindeutig darauf hin, dass mit "Spitzdapper" genau das gemeint ist, was einem bei diesem Ausdruck im ersten Augenblick sofort in den Sinn kommt: Rabiate Männer, die dorthin treten, wo es ihren Geschlechtsgenossen ganz besonders weh tut...

Schriftliche und mündliche Überlieferungen

Andere mündliche Überlieferungen leiten den Uznamen von Deppen ab. Die Version, die den Neckarsulmern selbst am liebsten ist, ist aber die, die auch tatsächlich schriftlich überliefert wurde. Demnach hätten die Bewohner des Städtchens in früherer Zeit selbst angefertigte spitze Winter- und Hausschuhe getragen, mit denen sie komisch und ganz unverkennbar daher gedappt seien – und damit bei ihren Nachbarn jede Menge Spott und Hohn hervorgerufen hätten.

Spott und Hohn stehen bei Spitznamen immer wieder Pate. Das machte früher auch vor der katholischen Kirche und deren zahlreichen Heiligen nicht halt, wie die Dahenfelder Remigele beweisen. Die Kirche im heutigen Neckarsulmer Ortsteil ist schon Jahrhunderte dem Heiligen Remigius gewidmet – einem aus gallo-römischem Adel stammenden Bischof im Osten des heutigen Frankreichs. Remigius wurde bekannt durch die Taufe des Merowingerkönigs Chlodwig I. und wird als einer der großen Heiligen des fränkischen Volkes verehrt. Und mit dieser Verehrung müssen es die tief gläubigen Dahenfelder in früherer Zeit für den Geschmack ihrer Nachbarn ein wenig übertrieben haben. Die hefteten den Dahenfeldern die Remigele an – un das ist bis heute tatsächlich so geblieben.

Einvernehmen zwischen Ober- und Untereisesheim

Nicht immer herrschte so gutes Einvernehmen zwischen Ober- und Untereisesheim wie heute. Es gab eine Zeit, in der sich die Nachbarn alles andere als grün gewesen waren. Das soll unter anderem auch daran gelegen haben, dass es zwischen beiden Orten große Obstkulturen gab. Diese Gärten trugen nicht nur reichlich Früchte, sie seien – so heißt es – auch ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt aus beiden Ortschaften gewesen. Und bei diesen Zusammenkünften haben es der Überlieferung zufolge wohl die Obereisesheimer mit den Eigentumsverhältnissen nicht ganz so genau genommen. Es seien, so heißt es jedenfalls, immer wieder große Mengen Zwetschgen mal eben über Nacht abhanden gekommen. Sahen die Untereisesheimer einen Obereisesheimer, so hieß es, das Zwetschgenmärtle geht um.

Eine zweite Version, welche die Herkunft des Spitznamens zu erklären versucht, spricht davon, dass das Zwetschgenmärtle ein Obereisesheimer Original gewesen sei. Einem schrulligen Obstbauern, der seine Zwetschgen in unnachahmlicher Art auf dem Heilbronner Markt feilgeboten habe.

 

Kuebelwirth

Ulrike Kübelwirth

Autorin

Ulrike Kübelwirth volontierte 1980 bei der Heilbronner Stimme. Bis 1986 war sie Redakteurin in der Landkreisredaktion. Danach leitete sie bis 1992 die Nachrichtenredaktion bei Radio Regional. Vier Jahre in der Politikredaktion schlossen sich an, bevor sie 1996 in die Redaktion Sonderveröffentlichungen (Leben und Freizeit) wechselte, wo sie heute unter anderem für das Thema Garten zuständig ist.

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