Idylle mit einer Fülle von Arbeitsplätzen

Mulfingen  Die Jagsttalgemeinde Mulfingen bietet Natur pur und gilt als reichste Gemeinde im Hohenlohekreis. Sie beherbergt viele Vereine und feiert jede Menge Feste.

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Es ist schon ein besonderes Fleckchen Erde, das mittlere Jagsttal mit seinen Seitentälern, in dessen Zentrum das weitgestreckte Mulfingen liegt. Die acht Ortschaften schmiegen sich auf über 8000 Hektar Fläche in das weitläufige Tal oder breiten sich auf den Hügeln der Hohenloher Ebene aus. Sie bilden zusammen eine vielfältige Gemeinde mit gerade mal 3688 Menschen.

Der neue Ortskern von Mulfingen liegt gut versteckt im mittleren Jagsttal. Foto: Christiana Kunz

Dass der Ort an der Jagst so viel mehr zu bieten hat, wie es die bloße Einwohnerzahl erwarten lässt, ist seiner Vielzahl an Einrichtungen, der Wirtschaftskraft, dem Engagement der Vereine und dem Einsatz der Bürger zu verdanken. "Das ist ein besonderer Menschenschlag hier. Es war fast schon beängstigend, wie toll ich hier 1985 aufgenommen wurde", sagt einer der es wissen muss.

Auch den Bayern gefällt's im Ort

Der Oberbayer Johann Dirnberger, der im Landkreis Mühldorf groß geworden ist, einige Jahre in München arbeitete und als Geschäftsführer der St. Josefspflege im Ort Karriere gemacht hat. Die Einrichtung, die inzwischen mit über 200 Mitarbeitern an vielen Standorten in Heilbronn-Franken in der Jugendhilfe, als Sozialdienstleister und Schulträger tätig ist, ist eine der vielen Besonderheiten die Mulfingen zu bieten hat. Sie betreibt auch die private Bischof-von-Lipp-Gemeinschaftsschule im Ort, die mit vereinten Kräften gegründet wurde, als die staatliche Hauptschule schließen musste.

Dass sich Mulfingen nach dem zweiten Weltkrieg so gut entwickelt hat, liegt aber vor allem an seiner herausragenden Wirtschaftskraft. Dafür sorgt seit weit über 50 Jahren der Motoren- und Ventilatorenhersteller EBM-Papst, der eine kontinuierliche wirtschaftliche Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Gegründet im Jahr 1963, beschäftigt der Weltmarktführer heute 3500 Mitarbeiter in den Werken an der Mulfinger Bachmühle und im darüber gelegenen Ortsteil Hollenbach. Weltweit sind es sogar 15.000 Menschen.

Idylle mit einer Fülle von Arbeitsplätzen

Auch Unternehmen wie der Sportartikelhersteller Jako in Hollenbach haben ihre Firmengebäude in die schöne Landschaft gebaut.

Foto: Kunz

In Hollenbach ist auch der Sitz des Sportartikelherstellers Jako, mit rund 270 Beschäftigten zweiter großer Arbeitgeber in der Gemeinde, der mit seinen Trikots, Hosen und weiteren sportlichen Outfits nicht nur die ländlichen Vereine erobert hat. Inzwischen tragen auch Fußball-Bundesligisten wie der VfB Stuttgart, Bayer Leverkusen und der SC Freiburg das Logo mit dem Schriftzug, das die Anfangsbuchstaben der Hohenloher Flüsse Jagst und Kocher vereint. Der Stolz auf die Heimat ist beiden Unternehmen trotz aller Erfolge geblieben.

Mehr Arbeitsplätze als Einwohner

Weit über 4000 Arbeitsplätze in einer knapp 3700-Seelen-Gemeinde ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Diese Wirtschaftskraft hat es auch möglich gemacht, dass eine weit überdurchschnittliche Infrastruktur entstanden ist, mit einer schmucken neuen Ortsmitte im Hauptort, sanierten Straßen und Bauplätzen auch in den Teilorten und modernen Hallen und Dorfgemeinschaftshäusern. Nun sollen der Neubau der Kindergärten und der flächendeckende Ausbau des Breitbandnetzes in Angriff genommen werden.

Und der direkt an der Jagst gelegene Wertplatz wird zum modernen Baugebiet. "Wir müssen die Trendwende in der Einwohnerentwicklung hinbekommen, dabei ist der Wertplatz der wichtigste Baustein", sagt Bürgermeister Robert Böhnel. Dass die Gemeinde trotz ihrer Wirtschaftkraft kontinuierlich geschrumpft ist, schmerzt die Mulfinger gewaltig. Immerhin wurden zuletzt wieder mehr Kinder geboren.

Idylle mit einer Fülle von Arbeitsplätzen
Das Schlössle in Buchenbach gilt als Wahrzeichen des Ortsteils. Foto: privat

Hoffnung macht auch, dass sich die durchaus streitbaren Mulfinger nach - deutschlandweit rekordverdächtigen - zwei Bürgerentscheiden in fünf Jahren um die Standorte der Mensa und des Kindergartens, zusammengerauft haben. Seit der zweiten Abstimmung im Januar 2020 herrscht sogar regelrechte Harmonie im Gemeinderat. Denn so wie die Jagsttäler streiten und sich wieder versöhnen können, so können sie auch feiern. Und in Mulfingen wird viel gefeiert.

Kirchliche und weltliche Feiern

Der Taubenmarkt mit dem großen Festumzug und den witzigen, das Dorfgeschehen glossierenden Motivwagen und Fußgruppen, sowie das kirchliche Pendant, der St. Annatag, sind die beiden Nationalfeiertage in Mulfingen. Daneben ziehen das Gassenfest unter dem Motto "Drei Tage wach in Eberbach" viele tausend Musikfans in den kleinen Ort, so wie das Straßenfest, die Jagsttal-Wiesenwanderung und der Kindertag in Buchenbach.

Idylle mit einer Fülle von Arbeitsplätzen
Das Ailringer Rathaus aus dem Jahr 1578 mit dem Marienbrunnen. Foto: privat

Auch ein alter Brauch wie das Austreiben des Butz pflegt man gleich in den drei Teilorten Zaisenhausen, Ailringen und Seidelklingen. Von den vielen Vereinsfesten ganz zu schweigen. Im Prinzip findet sich eben immer ein Grund, um zu feiern, an diesem liebevollen Landstrich am Ufer der Jagst.

 

Thomas Zimmermann

Thomas Zimmermann

Autor

Thomas Zimmermann ist seit Dezember 2020 in der Stadtredaktion der Heilbronner Stimme. Zuvor arbeitete der ehemalige Radioreporter und Magazinmacher ab Februar 2015 in der Hohenloher Zeitung und berichtete vor allem über Künzelsau und Umgebung. In der Stadtredaktion berichtet Zimmermann vor allem über Handel, Gastronomie, Stadtpolitik und Gerichtsverhandlungen.

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