Volksbank Möckmühl: Mit Kundenkenntnis durch die Corona-Zeit

Möckmühl  Wer in Schwierigkeiten steckt, kann auf "pragmatische Lösungen" hoffen. Das betont der Vorstand gegenüber unserer Redaktion und erklärt, was darunter zu verstehen ist.

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Vorstand der Bank: Rainer Schwab (rechts) und Thomas Reuter.

Foto: privat

Mit dem Geschäftsjahr 2019 ist die Führung der Volksbank Möckmühl zufrieden. Bei wichtigen Kennzahlen geht es nach oben, und davon sollen am Ende auch die Mitglieder profitieren: Die Dividende soll, so der Vorschlag zur Vertreterversammlung, bei zwei Prozent liegen. Die Verantwortlichen bleiben optimistisch, dass Mitglieder und Kunden weiterhin intensiv mit der Bank zusammenarbeiten.

Das strategische Ziel wird nach eigenen Angaben konsequent weiterverfolgt: den guten Marktanteil im Geschäftsgebiet noch weiter ausbauen. Nur: Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Bank aus? "Wir fühlen uns in der Lage, sie ordentlich zu bewältigen", sagt Rainer Schwab, der mit Thomas Reuter den Vorstand des genossenschaftlichen Instituts bildet.

Die Tilgung kann ausgesetzt werden

Die Bank lässt ihre langjährigen Kunden in dieser herausfordernden Zeit nicht allein. In einer aktuellen Kunden-Information heißt es: "Bei entstehenden Liquiditätsengpässen unserer Privatkunden suchen wir pragmatische Lösungen, um für einen erforderlichen Zeitraum monatliche Belastungen an die aktuelle Situation anzupassen."

Konkret heißt das: Es kann sein, dass beispielsweise Immobilienbesitzer ihre Tilgung in Rücksprache mit der Möckmühler Bank aussetzen dürfen. Der Vorstand sieht sein Haus dafür gut gerüstet, gerade durch die Nähe zu den Bürgern. Man kenne sich. "Da hilft uns unsere Kundenkenntnis", sagt Rainer Schwab.

Kunden nutzen bereits das besondere Angebot ihrer Bank

Die Menschen würden dieses besondere Angebot bereits nutzen. So seien bereits Kunden, die wegen Corona in finanziellen Engpässen steckten, auf das Institut zugekommen. Außerdem gebe es Kunden, die fürchten, in eine solche zu kommen. Rainer Schwab begrüßt es, wenn sich Menschen in der aktuellen Situation früh an ihre Hausbank wenden. Viel zu klären sei dann am Ende nicht mehr - dank der "gewachsenen Kundenbeziehung".

Für Fimen ist das Institut die zentrale Anlaufstelle

Auch Firmen gingen auf die Volksbank zu. "Wir sind für sie die zentrale Anlaufstelle." Mittlerweile gibt es zwar staatliche Förderung, aber die Auszahlung kann unter Umständen dauern. Auch den gewerblichen Kunden steht die Volksbank nach Angaben des Vorstands zur Seite. Würde es mit der Überweisung durch die öffentliche Hand zu lange dauern, "dann gehen wir in Vorleistung". Die europäischen Banken sind streng reguliert. Zu locker mit dem Geld umgehen können sie nicht. Mittlerweile gebe es durch die Bankenaufsicht zwar Lockerungen, sagt Rainer Schwab. Das brauche das Möckmühler Haus nicht - das Eigenkapital reiche.

Die Fusion im Jagst- und Kochertal zahlt sich aus

Vor zwei Jahren ist aus den unabhängigen Häusern Raiffeisenbank Neudenau-Stein-Herbolzheim und der Volksbank Möckmühl-Neuenstadt die Volksbank Möckmühl geworden. Der Zusammenschluss zahlt sich aus. "Es verläuft planmäßig", sagt Rainer Schwab. Am Netz mit 17 Geschäftsstellen will die Bank festhalten, gerade auch weil man in den zurückliegenden Jahrzehnten eine "hohe Kundenreichweite" in den Orten erreicht habe.

Internet und Filialgeschäft schließen sich nicht aus

Internet und Filiale sind für die Bank keine Gegensätze. "Die Digitalisierung und das Präsenzgeschäft schließen sich nicht aus", sagt Rainer Schwab. Die Bank hält an festen Öffnungszeiten genauso fest wie daran, in den Filialen an einzelnen Wochentagen bis 19 Uhr vor Ort zu sein. Zwar gebe es auch Beratung abseits der Öffnungszeiten, aber nicht alle Kunden wollen sie. Sie hätten sogar ein schlechtes Gewissen, den Bankberater zu besonderen Zeiten zu treffen. "Bei Kunden ist eine Hemmschwelle vorhanden."

Corona bleibt erst einmal die Unbekannte. Wann die Bank wieder auf Normalbetrieb schalten kann? Sollte es nach Ostern tatsächlich wieder sukzessive anlaufen können, seien die Auswirkungen "sehr begrenzt", sagt Rainer Schwab.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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