Von Wolfsjagden und dem Teufel

Massenbachhausen  Flurnamen erzählen Geschichte und dienen heutzutage auch als Namenspaten für Baugebiete oder Straßen.

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In Massenbachhausen heißen sie Wolfsgruben, Nonnenbuckel, Streitwald, Schmähling oder Leuterstein: Flurnamen erzählen Geschichte. Zum ersten Mal schriftlich-karthografisch festgelegt wurden sie in den Jahren 1818 bis 1840 im Rahmen der königlich-württembergischen Landesvermessung.

Volkstümliche Begriffe, Geländebeschreibungen, Gegenstände, Kleidungsstücke, Tier- und Pflanzenwelt, Besitzernamen oder wesentliche Ereignisse wurden zu Flurnamen. Mit jenen in Massenbachhausen hat sich Renate Merten in der Ortschronik intensiv befasst.

Ein Stück Land nach seiner Lage benennen

Am einfachsten, ein Stück Land zu benennen, war es, seine Lage vom Standort zu beschreiben: Schwaigerner Weg, Gemminger Weg oder Fürfelder Weg nennt Merten beispielsweise. Die Fluren Buckelgärten, Au oder Hinterm Schafhaus beschrieben auch die Lage vom Ort aus. Die Orientierung an Geländemerkmalen bot sich ebenfalls an, wie Sauerberg oder Wannenäcker.

In den Jahren 1972/73 wurde das 13 Hektar umfassende Gebiet "Wolfsgruben" in Massenbachausen für die Wohnbebauung umgelegt.

Foto: Gabi Muth

Oft wurden Tiere, die in der Gegend häufig vorkamen, zur Namensgebung genutzt. Fuchsloch, Hasenpfühl, Entengruben, Froschäcker und Katzenstein ebenso wie die Wolfsgruben - so heißt heute auch ein Wohngebiet. Bis 1752 gab es Wolfsjagden im Leintal. Am Waldrand der Flurgrenze Wolfsgruben/Herdstraße waren Fangstellen für Wölfe errichtet worden.

Manchmal haben Flurnamen auch einen christlichen Hintergrund. So geschehen Beim Kirchhof, Beim neuen Kreuz, Mönchsgrund, Heiligenäcker oder Nonnenbuckel. Letzterer erinnert noch heute an ein Frauenkloster, das einst dort gestanden hat, aber im 14. Jahrhundert nach Güglingen-Frauenzimmern verlegt wurde.

Ein riesiger, schwarzer Hund bewachte den Schatz

Der Nonnenbuckel ist sagenumwoben. Eines Tages fanden Holzfäller bei ihrer Arbeit dort im Wald einen Schachtdeckel, der in einen Tunnel führte, der das ehemalige Frauenkloster direkt mit dem Kloster Bad Wimpfen verbunden haben soll. Einer der Männer wurde abgeseilt und sah eine große Holztruhe, in der ein Schatz vermutet wurde. Bewacht von einem riesigen, schwarzen Hund - dem Teufel in Tiergestalt.

Die Holzfäller bekamen Angst und beschworen ihn nach dem 7. Buch Mose. Aber einer von ihnen konnte dem Satan dennoch nicht widerstehen, wurde von ihm verhext und starb bald darauf - trotz Unterstützung eines herbeigeholten Priesters. Seitdem hat es wohl niemand mehr gewagt, sich mit dem Teufel anzulegen.

Streit um ein Stück Land

Der Streitwald im Norden der Gemarkung deutet darauf hin, dass mehrfach um ihn gestritten wurde. Die Besitzverhältnisse dieses Teiles der Flur, zur Fürfelder Gemarkung gehörend, waren Jahrhunderte lang unklar. Viele waren in den Streit involviert: Der Schultheiß Adam von Hausen bei Massenbach, der Freiherr Engelhard von Neipperg auf Streichenberg und die Freiherren von Ingelheim, aber auch die Freiherren von Gemmingen.

In neuerer Zeit sind Flurnamen auch Paten für Baugebiete oder Straßen: In Massenbachhausen neben den Wolfsklingen auch Schmähling, Klinge oder Mezenäcker.

 

 

Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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