Von Heilbronn ins beschauliche Massenbachhausen

Massenbachhausen  Dagmar und Fred Walko sind 1992 von Heilbronn ins Baugebiet Schmähling nach Massenbachhausen gezogen und sind dort heimisch geworden. Er ist Gemeinderat, sie leitet Kindertanzgruppen.

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Dagmar und Fred Walko wollen auch im Alter in der Leintalgemeinde bleiben. Das steht für die beiden aber erst seit Kurzem fest.

Foto: Claudia Kostner

Man gehört nicht automatisch dazu. Man muss auf die Leute zugehen", betont Fred Walko. "Als Stubenhocker und Eigenbrötler kommt man nicht weit", ergänzt Ehefrau Dagmar. Im August 1992 sind die beiden mit ihren Töchtern Lorena und Leonie von Heilbronn nach Massenbachhausen gezogen, kannten dort nur zwei frühere Klassenkameraden von Fred Walko. Heute ist das Ehepaar voll ins Ortsgeschehen integriert.

Zufällig in der Leintalgemeinde gelandet

Vorbehalte von Alteingesessenen gab es anfangs schon. "Wir wohnen im Neubaugebiet Schmähling I, das sind alles Zugezogene", sagt Fred Walko. "Man wurde beschnuppert", erinnert sich Dagmar Walko. "Aber wenn Du mal dabei bist, lieben sie dich." Kaum waren sie in ihr Reihenhaus eingezogen, übernahm die gelernte Kinderkrankenschwester einen Spielkreis. "Auch durch den Kindergarten habe ich viele junge Mütter kennengelernt." Das sei der Klassiker, weiß Fred Walko: "Kleine Kinder eröffnen Kommunikation mit anderen Familien."

Dass sie in Massenbachhausen gelandet sind, war Zufall. "Wir wollten raus aus der Stadt, haben überall gesucht", erzählt der 59-Jährige. Obwohl er in Heilbronn geboren und aufgewachsen ist, seine Frau aus Gemmingen stammt und beide in Heilbronn gearbeitet haben: In der Leintalgemeinde hat alles gepasst. "Das, was uns wichtig war, hat Massenbachhausen geboten. Grundschule, Einkaufsmöglichkeiten und das Haus mit dem kleinen Garten, das wir auch finanziell stemmen konnten", sagt Dagmar Walko.

Im Irisweg gab es viele junge Familien. Das Neubaugebiet endete damals noch direkt am Wohnhaus der Walkos. "Unsere Töchter konnten auf der Straße spielen", berichtet die 56-Jährige. Die ersten Jahre im neuen Wohnort waren vom Schichtdienst der Ehepartner bestimmt. Er Polizist, sie Kinderkrankenschwester. "Es gab kuriose Anfragen der Leute, ob ich Freiberufler oder arbeitslos bin, weil ich die Mädchen morgens in den Kindergarten gebracht und mittags wieder abgeholt habe", erinnert sich Fred Walko.

Gemeinsam im Tanzclub aktiv

Diese Zeiten sind lange vorbei. Seit 2005 arbeitet er im Tagdienst, Dagmar Walko ist Breitenausbilderin für Erste Hilfe beim Deutschen Roten Kreuz in Firmen, Schulen und Kindergärten. Das Ehepaar ist gesellig und unternehmungslustig. "Massenbachhausen hat ein reges Vereinsleben", ist Fred Walko froh. Gemeinsam tanzen sie im Tanzclub. Seit 13 Jahren ist er dort Schriftführer. Dagmar Walko war lange im Sportverein. Seit 2002 spielt sie in der Theatergruppe Bretterbande der Chorgemeinschaft und hatte dort auch schon einige Hauptrollen: "Theaterspielen ist mein Leben."

Vor fünf Jahren übernahm die zweifache Mutter zwei Tanzgruppen für Drei- bis Sechsjährige bei der Volkshochschule Unterland. "Wenn wir sonntags spazierengehen, winken ihr alle Kinder zu", beschreibt Fred Walko. Auch der Leiter des Polizeireviers Eppingen ist in seinem Wohnort überall bekannt. Spätestens seit 2019, seit er für die CDU im Gemeinderat sitzt. "Eigentlich bin ich ein altes Semester, aber junge Leute waren einfach nicht da", beschreibt Walko seinen Entschluss, zu kandidieren. Inzwischen ist er stolz auf sein Ehrenamt: "Die Zusammenarbeit ist sehr gut, auch fraktionsübergreifend."

Manches fehlt im Ort

Bis vor drei Jahren haben die Walkos daran gedacht, wieder nach Heilbronn zurückzugehen, wenn die Töchter nach dem Studium aus dem Haus sind. Manches fehlt ihnen doch im Dorf. Ein Restaurant vor allem, ein Blumenladen, ein Metzger, ein Café. Doch bei genauerer Betrachtung ist ihnen bewusst geworden, dass sie die Stadt doch nicht mehr so reizt. "Wir haben eine schöne Integration in der Gemeinde erfahren."


Zahl der Einwohner schoss in die Höhe
 
Südlich des Massenbachhausener Ortskerns befindet sich das Wohn- und Mischgebiet Schmähling, das über einen längeren Zeitraum in mehreren Abschnitten entwickelt wurde. Bereits in den 90er Jahren wurde "Schmähling I" erschlossen. Innerhalb von zehn Jahren entstanden rund 70 Neubauten. Die Einwohnerzahl schoss in die Höhe, und so verzeichnete Massenbachhausen im Jahr 2000 einen Spitzenwert von 3722 Bürgern.
 
Um dem Bedarf an Kindergartenplätzen gerecht zu werden, errichtete die Gemeinde den kommunalen Kindergarten Regenbogen. Trotz hoher Nachfrage nach weiteren Bauplätzen konnte der erste Abschnitt von Schmähling II mit rund 30 Gebäuden erst im Jahr 2006 erschlossen werden. 2017 wurden 28 neue Bauplätze erschlossen. Der zweite Abschnitt geht in die Vermarktung. 30 Bauplätze gibt es in der Verlängerung des Fliederwegs, 24 davon gehören der Gemeinde. Aktuell hat Massenbachhausen rund 3500 Einwohner.
 

Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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