"Es ist nach wie vor mein Traumjob"

Massenbachhausen  Seit über neun Jahren ist Nico Morast Bürgermeister in Massenbachhausen. Als er das erste Mal ins Amt gewählt wurde, war er der jüngste Rathauschef in Baden-Württemberg. Diese Zeiten sind jetzt zwar vorbei, motiviert ist er aber wie am ersten Tag.

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"Es ist nach wie vor mein Traumjob"

Bürgermeister Nico Morast vor der Mehrzweckhalle, die im November 2018 nach einem aufwendigen Umbau wiedereröffnet wurde. Vieler Massenbachhausener Vereine nutzen die Halle regelmäßig.

Foto: Elfi Hofmann

Wollten Sie schon immer Bürgermeister werden?

Nico Morast: In mir ist sehr früh der Wunsch gereift, Bürgermeister zu werden oder einen kommunalpolitischen Weg einzuschlagen. Darüber habe ich schon während meiner Zeit im Gymnasium nachgedacht. Mit 18 wurde ich dann in den Ortschaftsrat meiner Heimatgemeinde gewählt und war später auch stellvertretender Ortsvorsteher.

 

Haben Sie es sich damals so vorgestellt?

Morast: Die kommunale Ebene ist einfach die spannendste Ebene der Politik. Man ist direkt bei den Menschen und spürt die Entscheidungen, die getroffen werden, jeden Tag. In Baden-Württemberg haben Bürgermeister eine herausragende Stellung. Es ist einer der Berufe, in denen man sehr viel gestalten und voranbringen kann - gemeinsam mit dem Team im Rathaus und dem Gemeinderat. Deshalb ist es nach wie vor mein Traumjob.

 

Haben Sie es als Druck empfunden, der jüngste Bürgermeister im Land zu sein?

Morast: Als Druck habe ich es nicht empfunden. Die Aufmerksamkeit der Medien, auch überregional, war natürlich etwas größer. Mit 25 geht man noch etwas leichter und unbedarfter an bestimmte Themen heran. Wenn ich heute, mit knapp zehnjähriger Erfahrung, zurückblicke, bin ich manchmal verwundert, wie leicht ich die Dinge gesehen habe. Aber man braucht im Leben immer das Glück des Tüchtigen. Heute kann ich auf eine gute Entwicklung unserer Gemeinde zurückblicken.

 

Gab es damals auch negative Reaktionen?

Morast: Respekt bekommt man ja nicht durch das Alter. Respekt muss man sich durch Arbeit und Leistung verdienen. Als junge Person muss man da vielleicht etwas mehr tun. Aber ich war Arbeiten schon immer gewohnt und bin mit vollem Engagement und Tatendrang an die Aufgabe herangegangen. Im Wahlkampf war mein Alter teilweise ein Thema. Aber auch da muss man letzten Endes seinen Mann stehen. Manche, die meine Kandidatur am Anfang nicht so ernst genommen haben, haben durch meinen engagierten Wahlkampf gemerkt, wie ernst es mir ist.

 

Wenn Sie einem Fremden Massenbachhausen in drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?

Morast: Auch wenn ich kein Bayern-Fan bin, nutze ich das Motto 'Mia san mia'. Massenbachhausen ist einzigartig, liebenswert und aufgeschlossen. Ich denke, das passt ganz gut zusammen. Wir haben ein tolles Miteinander, ein aktives Vereinsleben und ehrenamtliches Engagement. Ich bin sehr froh um die vielen Menschen, die sich vor Ort engagieren.

 

Könnte die Gemeinde das Thema Firminus Wickenhäuser weiter nutzen?

Morast: Wir haben den sehr engagierten Verein Denkmal, der sich auch um dieses Thema kümmert. Dann gibt es die Gedenkstätte Firminus-Haus, wo man übernachten und heiraten kann. Wir alleine können aber die Werbung für den Tourismus nur schwer weiter vorantreiben. Das ist die Frage des Ei-Henne-Prinzips: Wenn Tagestouristen kommen, dann wollen sie auch gerne Kaffee trinken oder etwas essen. Im gastronomischen Bereich sind wir leider wie viele Gemeinden in unserer Größe etwas schwach aufgestellt. Man möchte den Menschen auch etwas bieten. Deshalb denken wir über übergreifende Tourismusmarketing-Instrumente nach und sind Mitglied in der Tourismusgemeinschaft Heilbronner Land. Wir haben auch sehr engagierte ehrenamtliche Heimatführer.

 

Wie geht es im Bereich Wohnungsbau weiter?

Morast: Die Gewo baut bald 14 Wohnungen, wir sind das Pilotprojekt im Landkreis. Das Thema Wohnraum spielt eine ganz große Rolle. Wir haben gesagt, es ist an der Zeit, dass man nicht nur über sozialen Wohnungsbau spricht, sondern auch handelt. Deshalb freue ich mich, dass dieser Weg gegangen wird und wir einen verlässlichen Partner haben. Leider schafft die Landesförderung bei dem niedrigen Zinsniveau nicht genügend Anreizwirkung. Deshalb brauchen wir on Top eine Landkreisförderung. Erst dadurch wird es für Bauträger interessant, in den sozialen Wohnungsbau zu investieren.

 

Wie viele Einwohner würde die Gemeinde denn vertragen? Gibt es eine natürliche Grenze?

Morast: Wir haben in den letzten Jahren viel Wohnraum geschaffen, auch im Schmähling II. Jeder denkt, dass dadurch die Zahl der Einwohner gestiegen ist. Das ist nur teilweise so. Im Jahr 2000 hatten wir über 3700 Einwohner. 2006 wurde der erste Bauabschnitt des Gebiets erschlossen. Weil das aber so lange auf sich warten ließ, sank die Einwohnerzahl um über 300 Personen.

 

Wo sind die hingegangen?

Morast: Wenn junge Personen bauwillig sind und man keine Flächen zur Verfügung stellen kann, gehen sie in umliegende Gemeinden und bauen dort. Das kann nicht das Ziel einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung sein. Zu Beginn des Jahres 2011 hatten wir unter 3500 Einwohner und sind jetzt in Kürze erst wieder auf dem Niveau von vor 20 Jahren. Deshalb war es sehr wichtig, Gebiete zu erschließen. Wir wissen aber auch, dass landwirtschaftliche Flächen endlich sind und sparsam damit umgegangen werden muss. Deshalb wollen wir verstärkt auf Innenentwicklung setzen. Wenn wir ein Umdenken möchten, kann nicht jeder in Zukunft ein Einfamilienhaus auf der Grünen Wiese bauen. Es müssen stattdessen auch verdichtete Wohnformen entstehen.

 

Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld. 

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