Bruder Firminus, das Herrgottsbrüderle aus dem Leintal

Massenbachhausen  Der Seligsprechungsprozess für den Franziskanermönch und Bildhauer Josef Wickenhäuser läuft seit 1950. Für den Vollzug braucht es ein Wunder.

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Das Geburtshaus von Firminus in der Gartenstraße 3 ist heute Gedenkstätte und Gästehaus. Es wurde auch mit ehrenamtlichem Engagement saniert.

Foto: Archiv/Heibel

Er ist der wohl berühmteste Massenbachhausener: Josef Wickenhäuser, besser bekannt als Bruder Firminus, und im Volksmund "Herrgottsbrüderle" genannt. Vor 22 Jahren wurde er von Papst Johannes Paul II. zum "Verehrungswürdigen Diener Gottes" erhoben, der damit sein "heiligmäßig tugendhaftes Leben" bestätigte. Doch die erhoffte Seligsprechung lässt auf sich warten. "Roms Mühlen mahlen langsam", weiß Franziskanerpater Hubertus Hartmann aus Dortmund, der sich seit Jahrzehnten dafür engagiert.

Die Katholische Kirche wird erst wieder tätig, wenn man Firminus ein Wunder zuordnen kann. Aber die Generation, die Josef Wickenhäuser noch kannte, ist ausgestorben. "Man kann niemanden mehr fragen", ist sich Hartmann bewusst .

Wickenhäuser ist Klassenbester in der Dorfschule

Als jüngstes von zehn Kindern wird Josef Wickenhäuser am 19. Januar 1876 in Massenbachhausen geboren. Er ist Messdiener in der Pfarrkirche Sankt Kilian und Klassenbester in der Dorfschule. Laut Überlieferung umgab ihn schon immer eine besondere Aura. Früh muss der junge Josef nach dem plötzlichen Tod des Vaters auf eigenen Beinen stehen, arbeitet als Steineklopfer beim Bau der Straße nach Gemmingen, kommt bald als Lehrling beim Kirchardter Steinmetz Franz Pisot unter.

Er hat Talent, spürt die besondere Gottesgabe, betet bei der Arbeit. Seine Gesellenprüfung in Stuttgart absolviert er mit besonderer Belobigung. Nach dem Tod der Mutter sucht der junge Bildhauer 1906 bei den Franziskanern im holländischen Kloster Harreveld eine neue Gemeinschaft. Noch im selben Jahr wird er mit dem Namen Bruder Firminus in den Orden aufgenommen. Sein erster Aufenthalt im Kloster Düsseldorf, dem späteren Hauptort seines Wirkens und seiner heutigen Grabstätte, fällt in das Jahr 1908.

Soldat im Ersten Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg wird er an die Front einberufen, arbeitet als Sanitäter und Bildhauer. 1919 kehrt er ins Kloster zurück, legt dort das Gelübde auf Lebenszeit ab. Er restauriert Kirchen und Klöster, schafft Marien-, Heiligen- und Christusbildnisse. "In großer Vollkommenheit" stirbt Bruder Firminus am 30. September 1939 im Alter von 63 Jahren im Krankenhaus. Überall spricht man von ihm als "Herrgottsbruder von Düsseldorf".

Noch im selben Jahr gibt es Sammlungen und Aufzeichnungen über sein Leben, seine Werke und die gläubige Verehrung, die ihm viele Menschen vor und nach seinem Tode entgegenbringen. Seitdem pilgern Menschen zu seinem Grab, verehren ihn als Fürsprecher und beten zu ihm. Auch Massenbachhausener Katholiken haben viele Fahrten zu Firminus' Todestag nach Düsseldorf unternommen.

Firminus-Tag und Firminus-Wein

1950 wird der Seligsprechungsprozess in Köln und Rom eingeleitet. 1998, kurz vor Weihnachten, wird Pater Hubertus nach Rom beordert. Dort verliest Papst Johannes Paul II. das Dekret über die Tugenden von Bruder Firminus. Darin heißt es: "Es steht ohne Zweifel fest, dass Bruder Firminus Wickenhäuser die theologischen Tugenden - Glaube, Hoffnung, Liebe - sowohl Gott als auch dem Nächsten gegenüber, sowie alle Kardinaltugenden - Weisheit, Gerechtigkeit,Tapferkeit, Maß - auf heldenhafte Weise ausgeübt hat."

Das Herrgottsbrüderle

Josef Wickenhäuser. Foto: Bruder Firminus-Werk

"Rom sagt, ruft ihn an, verehrt ihn", erklärt der 90-jährige Pater Hubertus Hartmann. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Seligsprechung.

Seine Heimatgemeinde würdigt ihn auch ohne diesen offiziellen Akt. Sein Geburtshaus in der Gartenstraße 3 ist heute Gedenkstätte mit Andachtsraum, Ausstellung und Gästezimmern. Auch sonst wird die Erinnerung im Ort lebendig gehalten. Mit Sekt und Wein der Heuchelbergkellerei. Oder dem Firminus-Tag, normalerweise jedes Jahr am dritten Sonntag im März. "Wenn man solch eine herausragende Persönlichkeit hat, die hier geboren ist, dann ist das nicht nur ein kirchliches Thema", findet Bürgermeister Nico Morast.

 

 

Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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