Das Rathaus in Lehrensteinsfeld hat zwei Wände mit Raffinessen

Lehrensteinsfeld  Der Umbau des Lehrensteinsfelder Rathauses ist so gut wie abgeschlossen. Fast alles lief nach Plan, nur die Einweihung tut es nicht. Corona sei's gedankt.

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Das ist der neue Haupteingang des Lehrensteinsfelder Rathauses. Er ist auch mit einem Rollator problemlos nutzbar.

Was für eine Verwandlung! Wo früher Feuerwehrfahzeuge standen, wo es eher duster war, ist ein großer heller Raum entstanden: für Vereine, für Gemeinderatssitzungen, für Trauungen. Der knapp eine Million Euro teure Rathaus-Umbau ist auf der Zielgeraden angelangt.

Ein Raum für viele Zwecke

Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine hochwertige, aber simple, lange Einbauschrankwand. Ist es auch - jedoch nur teilweise. Eine Schranktür entpuppt sich als Durchgang in einen Lagerraum, zwei weitere lassen sich so auseinanderschieben, dass eine großzügige Durchreiche in die dahinterliegende Küche zum Vorschein kommt. Der neue, über 100 Quadratmeter große Raum im Erdgeschoss des Rathauses soll ja vielseitig nutzbar sein. "Hier sind Trauungen, Proben, Sitzungen und Vorträge möglich", sagt Bürgermeister Björn Steinbach. Zu den künftigen Nutzern gehören neben Heiratswilligen und Gemeinderäten Gesangverein, Landfrauen, Obst- und Gartenbauverein, Wanderfreunde, Sulmdäler Rumpelhäx und der Förderverein Dorfkultur. Die meisten Vereine waren früher im alten Kindergarten heimisch und brauchen eine neue Bleibe, seit der Platz für die "Glückskäfer"-Tagesmütter und ihre Kleinkindbetreuung genutzt wird.

Da passte es gut, dass die Räume der Feuerwehr im Rathaus leer standen. Mit dem Neubau der Feuerwehr Ellbachtal war die alte Heimstatt der früheren Lehrensteinsfelder Wehr funktionslos geworden. Das Architekturbüro Riemer Planung konzipierte einen neuen, barrierefreien Haupteingang. Der alte Eingang mit den Treppenstufen ist weiterhin nutzbar, aber eher als Personalzugang gedacht. Im Erdgeschoss wurde ein Durchbruch zum Treppenhaus gemacht; die verschiedenen Höhen wurden einander angeglichen.

Stühle müssen noch ausgesucht werden

Zwei Wände mit Raffinessen

Das alte und neue Bürgerbüro benötigt noch einen Besuch vom Maler und vom Fliesenleger. Interimsweise ist es in den neuen Besprechungsraum gezogen.

Es gibt Toiletten und einen Besprechungsraum. Er ist seit zwei Wochen in Betrieb. Interimsweise ist hier das Bürgerbüro untergebracht, weil das eigentliche Bürgerbüro rechts des (alten) Eingangs auch noch auf Vordermann gebracht wird. "Der Fliesenleger muss noch durch und der Maler", sagt Bürgermeister Steinbach. Herzstück des Umbaus ist aber der neu entstandene Saal. Es ist fast alles fertig: Die 60 mal 60 Zentimeter großen hellgrauen Fliesen sind verlegt, die vier Stützpfosten sind neu gestrichen. Betritt man den Raum, sticht einem sofort die Sandsteinmauer an der Westwand ins Auge. Sie wurde freigelegt und saniert. Die grobe Struktur darüber blieb erhalten und wurde weiß gestrichen. Mit Bodenleuchten kann die Wand zusätzlich in Szene gesetzt werden. Was noch fehlt, sind Leinwand und Beamer. "Und die Stühle müssen noch bemustert werden", sagt Rathauschef Steinbach. Anhand von dezent in Szene gesetzten Fotos an den Wänden soll die Ortsgeschichte nachvollziehbar gemacht werden.

Große Zusammenkünfte gibt es erstmal nicht

Was so schön aussieht, sollte auch mit einer gebührenden, großen Feier eingeweiht werden. Sollte. Pandemiebedingt wird daraus wohl nichts. Und auch die künftigen Nutzer werden bis auf weiteres auf Zusammenkünfte verzichten müssen. Steinbach: "Kleinere interne Sitzungen von Vereinen können wohl stattfinden."

Natürlich waren einige Lehrensteinsfelder schon drin. Wer ins Bürgerbüro muss, geht ja praktisch am Saal vorbei. Der Bürgermeister weiß: "Die Resonanz ist sehr positiv." Positiv ist auch, dass die Kommune für den Umbau einen ordentlichen Zuschuss bekommt: Knapp eine Million Euro Kosten sind laut Steinbach veranschlagt, knapp die Hälfte, nämlich 450 000 Euro fließen aus dem Topf des Landessanierungsprogrammes.

Zwei Wände mit Raffinessen

Hereinspaziert! Bürgermeister Björn Steinbach zeigt den neuen, über 100 Quadratmeter großen Raum, in dem noch manches ein- und umzuräumen ist.

Fotos: Ralf Seidel

Noch diesen Monat soll alles fertig werden. Ursprünglich war Mitte September als Finale angepeilt gewesen. Es gab ein paar kleine Verzögerungen, zum Beispiel bei der Fliesen-Lieferung. Was aber nicht schlimm war. Denn nutzbar ist der Saal ja derzeit ohnehin nicht wirklich. Corona sei"s gedankt.

Daten und Fakten

Die Ursprünge des Rathauses datieren zurück auf das Jahr 1591. 1906 erhielt das Gebäude sein heutiges Aussehen. Es wurde mehrfach renoviert, zuletzt 2000. Bei dieser Frischzellenkur wurde der Sitzungssaal unter dem Dach saniert, doch barrierefrei zugänglich ist er nicht und wäre es wohl auch durch den Einbau eines Aufzugs nicht geworden: Denn der hätte laut Steinbach aus Denkmalschutzgründen nur bis in den ersten Stock fahren dürfen. So war es einfacher, das Erdgeschoss neu zu gestalten.

 

Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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