In Lehrensteinsfeld soll ein großer Traum wahr werden

Lehrensteinsfeld  Kerstin und Johannes Schäfer wollen das Anwesen in der Schlossstraße 14 in Lehrensteinsfeld sanieren. Es gibt sehr viel zu tun.

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Es ist noch sehr viel zu tun, aber sie freuen sich auf das, was kommt: Kerstin Schäfer mit Tochter Elisa, Ehemann Johannes Schäfer und Sohn Julius.

Fotos: Ralf Seidel

Es ist etwas Großes, was sich die Schäfers da vorgenommen haben. Sie werden einen langen Atem brauchen. Aber sie sind sich ganz sicher: Sie werden ihren Traum verwirklichen - nämlich das heruntergekommene Anwesen in der Schlossstraße 14 in Lehrensteinsfeld zu einem Schmuckstück zu machen.

Um manche Dielen muss man einen Bogen machen

"Vorsicht", ruft Johannes Schäfer nach hinten, während er vorsichtig auf der unteren Etage des zweigeschossigen Dachbodens entlang geht. Er weiß, um welche Dielen man besser einen Bogen macht. Oder an welche Balken man sich lieber nicht anlehnt. Es ist Vieles morsch hier. "Das war mal die Räucherkammer", sagt der 40-Jährige und zeigt auf einen großen dunklen Kasten. "Und da hinten war der Taubenschlag."

Hier soll ein großer Traum wahr werden

Ist das interessant hier! Im Inneren gibt es für Julius viel zu entdecken. Jede freie Minute sind die Schäfers auf ihrer Baustelle.

Überall guckt aus den Gefachen Jahrhunderte altes Stroh und Jahrhunderte alter Lehm heraus. "Und schauen Sie mal hier, die Tapete", sagt Johannes Schäfer beim Rundgang durchs Erdgeschoss. Als Untergrund - das war früher so üblich - dient eine Zeitung. In diesem Fall klebt eine Ausgabe von 1893 an der Wand. Darüber wurde gestrichen und ein Muster aufgerollt.

Leidenschaft ist spürbar

Eigentlich ist Johannes Schäfer eher zurückhaltend. Aber wenn es um dieses elf Ar große Anwesen geht, dann ist bei ihm die Leidenschaft zu spüren. Das möchte er noch zeigen. Und das. Und das auch noch. Alles ist in ziemlich schlechten Zustand. Als Zimmerermeister und Restaurator weiß er, was auf ihn und die Familie zukommt. Es ist ja bereits so: Jede freie Minute wird geschafft. Jede. Oft hilft ihm sein Vater Alfred Schäfer.

Hier soll ein großer Traum wahr werden

Ungewöhnliche Toiletten gibt es im Haus gleich mehrere.

Acht Jahre, schätzen Johannes und Kerstin Schäfer, wird es dauern, bis die Scheune wieder aufgebaut ist - zwei Wohnungen sollen reinkommen - und bis das schon lange leer stehende Haus samt rückwärtigem Teil von Grund auf saniert ist. Der rückwärtige Bereich wird zu einer weiteren Wohnung umgebaut, das eigentliche Haus soll das Domizil des Ehepaars und der beiden Kinder Elisa (2) und Julius (5) samt Dackelmischling Marci werden. Bislang lebt die Familie in einer normalen Wohnung in Weinsberg.

Vielleicht ist das Anwesen noch viel älter

Die wenigsten Menschen besitzen ein Haus, dessen Alter das Landesdenkmalamt auf etwa 250 Jahre schätzt. Vielleicht ist es aber auch viel älter, denn im Keller ist die Zahl 1686 in Stein gemeißelt. "Das bauhistorische Gutachten wird Aufschluss geben", hofft Kerstin Schäfer. Es ist Teil der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung. So viel ist klar: "Bis 1935 war es das Schultheißen-Gebäude", weiß Johannes Schäfer. "Und davor eine Art Post-Gasthof mit eigener Produktion von Wein, Most und Fleisch."

Hinten war ein Tanzsaal

Hier soll ein großer Traum wahr werden

Über dem Schweinstall war dereinst ein großer Tanzsaal.

Im hintern Teil des Hauses war ein Tanzsaal. Johannes Schäfer: "Die alten Lehrensteinsfelder erinnern sich noch, dass ihre Vorfahren dort getanzt haben." Immer wieder, wenn Schäfer am Schaffen ist, kommen Leute vorbei, weil sie sich freuen, dass das Ehepaar dem heruntergekommenen Areal - die Scheune war zuletzt vollends von alleine eingestürzt - neues Leben einhauchen will. Das bestätigt Bürgermeister Björn Steinbach: "Wir alle freuen uns, dass sich Familie Schäfer dieses ortsbildprägenden Gebäudes annimmt." Es sei ein "Glücksfall für die Gemeinde, wenn jemand bereit ist, so viel Herzblut reinzustecken".

Vor etwa einem Jahr kauften Kerstin und Johannes Schäfer das Anwesen mit den Säulen am Eingang von der Gemeinde. Diese hatte ihrerseits zuvor das Vorkaufsrecht ausgeübt. Seither wird vor allem eins: ausgemistet und aufgeräumt. Im hinteren Teil sind Sandsteinplatten, - tröge und -quader gestapelt und geschichtet. "60 bis 80 Tonnen Bauschutt haben wir schon weggeschafft", schätzt Johannes Schäfer. Und was er schon alles gefunden hat: "Knochen, Zähne und Patronen aus dem Ersten und aus dem Zweiten Weltkrieg."

Sie hätten es einfacher haben können

Ingenieurin Kerstin Schäfer, die in der Entwicklung in der Automobilindustrie arbeitet, sagt. "Klar, wir hätten es auch einfach haben können und ein Haus aus den 1950ern sanieren." Aber es wäre nicht dasselbe. Keine Angst vor der großen Aufgabe? Johannes Schäfer schüttelt den Kopf. "Ich freue mich drauf. Ich habe schon so viele Häuser gebaut. Aber immer für andere." Das ganz große Vorhaben ist für die eigene Familie reserviert.

Das Ehepaar Schäfer liebäugelte schon 2013 mit dem leer stehenden Ensemble, das damals noch in Privatbesitz war. Die Gemeinde brachte das Anwesen in ihren Besitz, indem sie das Vorkaufsrecht ausübte. "Unsere Vorstellungen und die eines Investors passten nicht zusammen", erklärt Rathauschef Björn Steinbach. 2019 kauften die Schäfers das Areal von der Gemeinde. Bauhistoriker Gerd Schäfer aus Schwäbisch Hall betreut die Sanierung. Der Experte begleitete auch die Restaurierung des Spatzenhofs in Ellhofen.

 

Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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