"Wir haben ein nicht lösbares Problem"

Lauffen  Klaus-Peter Waldenberger arbeitet seit 38 Jahren in der Verwaltung, davon 31 Jahre als Bürgermeister. Im Stimme-Interview spricht er über seine großen Projekte und was er in seiner verbleibenden Amtszeit noch anstoßen und umsetzen möchte.

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Hat in seiner verbleibenden dreijährigen Amtszeit noch einiges vor: Lauffens Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger.

Foto: Andreas Veigel

Herr Waldenberger, Sie sind in Ihrer dritten Amtszeit in Lauffen, seit 21 Jahren hier Bürgermeister, waren davor schon in Kirchheim auf dem Posten. Sie könnten 2023 noch eine weitere dranhängen?

Klaus-Peter Waldenberger: Ich bin ja ein strukturierter Mensch und habe deshalb schon bei meiner Einführung gesagt, dass das nicht der Fall sein wird.

Als Bürgermeister wird man wohl nie fertig, denn es gibt immer wieder neue Projekte auf der Agenda. Was reizt Sie an diesen vielschichtigen Herausforderungen und Problemstellungen?

Waldenberger: Ich bin froh, dass wir in den vergangenen fünf Jahren die Stadt mit voller Wucht entwickeln konnten und zwar in vielen Bereichen, vor allem in der Bildung, mit dem Schulzentrum, in der Kultur, aber auch in der Betreuung. Mich reizt es, sich die Dinge entwickeln zu sehen. Auch, Menschen im Kindergarten, danach in der Schule zu erleben und ihnen bei der Abiturvergabe beiwohnen zu können. Einen Zyklus zu erleben, und zu sehen, wie sich eine Stadt verändert - durch Digitalisierung oder den gesellschaftlichen Wandel. Spannend ist für mich auch, die Gegenwart mit der Geschichte unserer Stadt zu verknüpfen. Das ist an kaum einem Platz so spannend wie in Lauffen.

Auf das Hölderlin Jubiläumsjahr 2020 hat sich Lauffen lange vorbereitet. Wie sehr schmerzt es Sie nun, dass wegen Corona fast alle Veranstaltungen abgesagt werden mussten?

Waldenberger: Corona wird so nachhaltige Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben, dass das, was jetzt durch Hölderlin 2020 eingeschränkt wurde, zu vernachlässigen ist. Das stört mich nicht. Wir hatten viel Glück, dass wir das Hölderlin-Musical mit 2500 Besuchern in der Stadthalle im Februar vorgefeiert haben. Wir konnten den Geburtstag am 20. März nicht feiern. Aber wenn das für einen viel längeren Zeitraum umgebaute Hölderlinhaus ein halbes Jahr später eingeweiht wird, ist das im Verhältnis zu anderen Corona-Themen völlig nachrangig.

Zur Person

Der 59-jährige Klaus-Peter Waldenberger stammt aus Mosbach und ist seit 38 Jahren in der Verwaltung tätig: Seit 31 Jahren ist er Bürgermeister, zunächst war er in Kirchheim, seit 21 Jahren ist er nun in Lauffen. Seine Amtszeit endet 2023. Waldenberger hat mehrere Ehrenämter: Er hat einen Lehrauftrag an den Verwaltungshochschulen in Kehl und Ludwigsburg, sitzt im Verwaltungsrat der Landesdatenanstalt und in der Hölderlin-Gesellschaft. Zu seinen Hobbies gehört das Lesen, die Schnapsbrennerei und das Kochen. Mit seiner Frau Christine, die im Landratsamt in Karlsruhe arbeitet, hat er vier erwachsene Kinder.

Welche Projekte haben für Sie rückblickend eine besondere Bedeutung, auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat?

Waldenberger: Wichtig war das Thema Schule. Wir können das dreigliedrige Schulsystem halten. Auch war mir wichtig, dass sich die Stadt in ihrer Gestaltung entwickelt, wie die historische Bebauung es uns vorgegeben hat. Daher war eine unserer Herzensangelegenheiten, die Stadtmitte zwischen Kirche, Rathaus und Kiesplatz, die Verbindung von der alten Neckarbrücke über den Steg am Neckar entlang zum Klosterhofareal, die städtebauliche Achse, die es zuvor nicht gab, hervorzuheben. Die ist prägend für die Stadt und war in den vergangenen zehn Jahren mein zentrales Projekt.

In der Corona-Krise brechen den Kommunen die Einnahmen weg. Was bedeutet das für den Lauffener Etat?

Waldenberger: Wir haben uns darauf verständigt, die laufenden Ausgaben in allen Bereichen möglichst zu verringern, um investiv tätig sein zu können. Wir müssen die Stadt weiterentwickeln, wie wir das die letzten fünf Jahre getan haben. Das braucht die Stadt noch, damit sie sich in der gewünschten Form auf den Feldern vom Gewerbe über Bildung und Betreuung über Freizeit und Einzelhandel weiterentwickeln kann. Ich erwarte, dass die laufende Finanzkraft der Städte und Gemeinden deutlich geschwächt wird und dies zumindest bis 2022 anhält.

Das Thema Bildung spielt in Lauffen eine große Rolle. Wie passen sinkende Einnahmen auf der einen Seite und wachsende Ausgaben für die Bildung auf der anderen zusammen?

Waldenberger: Das ist eine Frage des Schwerpunktes. Unsere Einwohnerzahl ist inzwischen auf fast 12 000 gestiegen. Das heißt, wir haben mehr Kinder in den Tageseinrichtungen und in den Grund- und weiterführenden Schulen. Der Gemeinderat war in der Vergangenheit kompromisslos und hat die notwendigen Mittel für die Schulen immer bereitgestellt, auch wenn das mit unserer Finanzkraft nur schwer in Übereinstimmung zu bringen war. Da musste das ein oder andere Projekt außerhalb der Bildung mal zurückgestellt werden.

Haben Sie ein Beispiel?

Waldenberger: Wir konnten den geplanten Kunstrasenplatz für die Sportfreunde bisher nicht bauen, obwohl das für die Fußballjugend auch eine gute Sache wäre. Das tat mir in der Seele weh.

Wo sehen Sie darüber hinaus vordringlichen Handlungsbedarf?

Waldenberger: Wir haben ein zentrales und nicht lösbares Problem. Wir haben keine Flächen. Wir haben keine Wohnflächen, aber vor allem keine Flächen für Infrastruktur. Ob das den großflächigen Einzelhandel oder ein Ärztehaus oder Tageseinrichtungen für Kinder betrifft. Wir haben in unserer engen Tallage zwischen Weinbergen, Hochwasserschutz und Bebauung nicht wie Flächengemeinden beliebig Plätze, um unsere Infrastruktur zu schaffen. Das beschäftigt uns an allererster Stelle. Dafür haben wir gute Konzepte gefunden mit einem Flächenmanager und in Stadt und Dorf quasi eine Börse aufgemacht, wo wir alte Häuser aufkaufen und zur Sanierung wieder verkaufen.

Verkehr ist ein zentrales Thema. Dazu gehört auch die Schiene. Ein barrierefreier Bahnhof ist seit Jahren ein Thema. Woran hakt es, dass hier offenbar nichts vorwärts geht?

Waldenberger: Das ist ein Trugschluss, wenn man glaubt, dass da nichts vorwärts geht. Der Baubeginn für den barrierefreien Bahnhof war von Anfang an zum 1. März 2021 geplant. Die Vorlaufzeit ist unvermeidbar. Wer je mit der Bahn geplant hat, weiß, das Projekt geht nicht schneller. Die Genehmigungsverfahren laufen.

Und wann ist er dann fertig?

Waldenberger: Die Bahn hat eine Bauzeit von sechs Monaten geplant.

Welche Projekte möchten Sie noch auf den Weg bringen?

Waldenberger: Wichtig ist mir der barrierefreie Bahnhof, der Einzelhandelsstandort im Brühl mit dem Drogeriemarkt und der Einstieg in das Sanierungsgebiet Städtle. Bis 2022 haben wir noch das Sanierungsgebiet Stadtmitte mit Lamparter-Park und Hölderlinhaus. Danach möchte ich gerne den Umstieg ins Städtle machen, weil es mir sehr am Herzen liegt. Und auch das Thema Gesundheitsfürsorge ist mir wichtig. Wir werden viele Pensionierungen bei den Ärzten bekommen, deshalb muss man hier handeln. Um hier selbstständig agieren zu können, bereiten wir die Gründung eines kommunalen Wohnbaus vor.


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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