Pionier im Weinberg

Lauffen  Frieder Schäfer nutzt für seine Privatkellerei eine im Land einmalige Pflanzenkläranlage. In dem 750 Quadratmeter großen mit Schilf bewachsenen Beet wird Abwasser gereinigt.

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Frieder Schäfer in seiner Pflanzenkläranlage. In dem 750 Quadratmeter großen mit Schilf bewachsenen Beet wird Abwasser gereinigt.

Foto: Friedhelm Römer

Nachhaltigkeit hat für Frieder Schäfer einen hohen Stellenwert. Besonders stolz ist der Inhaber der Lauffener Privatkellerei Eberbach-Schäfer auf seine Pflanzenkläranlage. Auf den ersten Blick ist es dichtes grünes Schilf-Beet, 60 Meter lang, 12,5 Meter breit. Interessant wird die Anlage aber erst, wenn man sich etwas genauer damit befasst. Dazu gehört dann auch das, was nicht zu sehen ist.

Was die Anlage so besonders macht 

Frieder Schäfer hat vor zwei Jahren, wie er sagt, die erste und bislang einzige Anlage dieser Art für häusliches und Kellerei-Abwasser in ganz Baden-Württemberg in Betrieb genommen. "Es ist die Kombination aus beiden Bereichen, die das Ganze einmalig macht", erklärt der 43-jährige Weinbauingenieur. Das Weingut liegt auf einer Anhöhe zwischen den Hügeln Rieder und Kaltenberg, weit draußen im Außenbereich nahe der Nordheimer Gemarkung.

Abwasser wird im Freigefälle gereinigt

Das häusliche und das betriebliche Abwasser wird im Freigefälle gereinigt - erst grob, dann immer feiner. Dabei passiert es drei aufeinander abgestimmte Kammern, die unterhalb der Erdoberfläche liegen. Elektrische Pumpen sind also hier nicht nötig. Das spart viel Energie. Das vorgereinigte Abwasser wird nun mittels eines Ventils durch grüne Rohre in das Schilfbeet geführt, von denen schmale schwarze Tropfschläuche abzweigen. Der Boden ist mit einer einen Meter dicken Kies- und Sandschicht bedeckt, unter dem sich eine Plane befindet, die eine Versickerung des Wassers verhindert. Schäfer: "Im Sand und Kies bilden sich Milliarden von Mikroorganismen, die das Abwasser reinigen."

Zwischenspeicher für Rebenbewässerung

Das Wasser wird nun über Drainagerohre und einem kleinen See, der dem Weingut als Zwischenspeicher für die Rebenbewässerung dient, in den Neckar geführt. "Wir haben sehr gute Ablaufwerte, vergleichbar mit einer kommunalen Einrichtung", sagt Frieder Schäfer. Diese Werte muss die Kellerei alle zwei Monate in einem Wartungsprotokoll für das Landratsamt dokumentieren. Das muss deshalb so oft gemach werden, weil es sich um eine Pionieranlage handelt.

Täglich kann der Betrieb auf diese Weise 22 500 Liter Abwasser reinigen. Diese Art der Abwasserreinigung hat außerdem noch einen nützlichen Nebeneffekt für die Natur: Das Schilfbeet ist auch ein Biotop. Es ist ein Rückzugsort für Insekten und Kleintiere. Pionierarbeit fordert in der Regel einen langen Atem. Das war auch bei Frieder Schäfer nicht anders.

Anders als geplant 

Ursprünglich war vorgesehen, die Kläranlage an die rund drei Kilometer entfernte kommunale anzuschließen. Das hätte allerdings den Einsatz von elektrischen Pumpen erforderlich gemacht. "Für uns wäre das ein energetischer Alptraum gewesen und deshalb nie eine Alternative", sagt der Weinbauingenieur. Leitungskosten, hohe Energiekosten sowie der Unterhalt für die Pumpen sprachen gegen diese Lösung. Lange suchte er mit der Ingenieursgesellschaft Janisch und Schulz nach einer praktikablen Lösung. 2018 kam dann endlich grünes Licht von Landratsamt und der Stadt Lauffen.

Für den 43-Jährigen haben sich die 100 000 Euro, die diese Anlage gekostet hat, gelohnt. "Das ist für uns eine Investition in einen nachhaltigen Weinbau."


Mehr Informationen Familienbetrieb

Die Privatkellerei Eberbach-Schäfer in Lauffen ist ein Familienbetrieb. Frieder Schäfer führt das Unternehmen mit einer Rebfläche von 30 Hektar in der dritter Generation nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Betrieb produziert dank einer Photovoltaikanlage seinen eigenen Strom und gewinnt sein eigenes Trinkwasser aus einer gutseigenen Quelle. Das Quellwasser dient auch als Wärmequelle für die Wärmepumpen, mit denen der Betrieb geheizt wird.


 


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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