Eine besondere Beziehung zu Orgeln

Lauffen  Der Leipziger Thomaner Richard Rensch machte sich 1956 selbstständig und gründete in Lauffen eine Orgelbauwerkstatt.

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Andreas Willberg, Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Lauffen, an der Hauptorgel auf der Empore der Regiswindiskirche.

Foto: Friedhelm Römer

Schon lange hat die Stadt Lauffen eine besondere Beziehung zu Orgeln. Im Jahr 1701 baute der Heilbronner Johann Michael Schmahl für die Regiswindiskirche eine neue Chororgel. Die alte war 1564 durch einen Brand zerstört worden.

Diese Orgel schmückt heute noch die Kirche, ist jedoch stark sanierungsbedürftig. "Es ist ein Konglomerat aus mehreren Teilen", sagt der Kantor der evangelischen Kirchengemeinde, Andreas Willberg und schiebt nach: "Es ist erstaunlich, dass die Orgel seit 50 Jahren funktioniert. Aber das Instrument hat keine Seele."

Die Regiswindiskirche hat zwei Orgeln. Die Besonderheit dabei ist nicht die Anzahl, sondern ihre Verbundenheit: Beide Instrumente lassen sich von der Hauptorgel aus spielen.

1930 baute die Ludwigsburger Orgelbaufirma Walcker die Chororgel ab, restaurierte das Instrument und baute auf der Empore eine neue Orgel, die nun die Hauptorgel war.

Orgelbau statt Medizinstudium

In den 1940er Jahren kommt dann Richard Rensch nach Heidelberg, wo er zunächst Medizin studiert. Rensch war zuvor im Thomanerchor in Leipzig. "Orgeln interessierten ihn aber mehr als Medizin", sagt sein Sohn Christhard Rensch, eines von neun Geschwistern. Allein vier davon wurden Orgelbauer. Bei der Firma Eberhard Friedrich Walcker ließ sich Richard Rensch zum Orgelbauer ausbilden und gründete 1956 in Lauffen seine eigene Orgelbauwerkstatt.

Christhard Rensch erinnert daran, dass die Thomaner hin und wieder Auftritte in Lauffen hatten und sein Vater als Thomaner bereits im Hause der Familie seiner späteren Frau Lina übernachtet hatte. Sie sang dort im Kirchenchor. 1973 stürzte Richard Rensch bei Intonationsarbeiten in Unna von der Orgel und war querschnittsgelähmt, saß anschließend im Rollstuhl. "Das war mein Einstieg in die Firma", erzählt Christhard Rensch. Sein Vater konzentrierte sich fortan auf den theoretischen Teil, verlegte Fachbücher.

Sowohl Christhard als auch sein Bruder Klaus sind Orgelbaumeister. Klaus Rensch stieg 2008 aus der Firma aus, blieb allerdings in Lauffen und konzentrierte sich auf Reparaturen und Wartung von Orgeln. Außerdem verlegte er sich auf das Verlagsgeschäft, ist Chefredakteur der Fachzeitschrift ISO Journal und ist darüber hinaus im Künstlerbund Heilbronn aktiv. "Er malt und macht Skulpturen, wollte sich verstärkt der Kunst widmen", sagt Christhard Rensch.

Firmenname bleibt erhalten

Er selbst hat die Firma 2015 an seinen Nachfolger Philipp Neßling übergeben, der seit 1993 bereits in dem Betrieb ist und dort schon seine Lehre gemacht hat. Rensch: "Ich bin sehr froh, dass wir diese Lösung gefunden haben, die lange vorbereitet worden ist." Der Name Rensch bleibe erhalten und er selbst sei noch geringfügig in der Firma beschäftigt.

"Wir hatten das Glück, immer gute Lehrlinge zu finden", sagt Christhard Rensch. In den 1980er Jahren sei das Interesse besonders groß gewesen. Da gab es 30 bis 40 Bewerbungen auf eine Stelle. Und die Firma habe auch heute noch zehn bis 15 Mitarbeiter, was in dieser Branche als eine beachtliche Zahl gilt.

Eine besondere Beziehung zu Orgeln

Orgelbaumeister Philipp Neßling ist seit 2015 Geschäftsführer und Inhaber der Firma Rensch, deren Familienname erhalten bleibt.

Foto: Archiv/Veigel

"Orgelbau ist ein sehr vielseitiger Handwerksberuf." Es habe viel mit Klang und Feinmechanik zu tun und man sei oft auf Montage. "Aber reich werden kann man mit diesem Beruf nicht", weiß Rensch. William Jurgenson ist einer von ihnen, die sich in Lauffen selbstständig machten. Der inzwischen 76-jährige US-Amerikaner ging nach seinem Musikstudium 1964 bei Rensch in die Lehre, blieb bis 1982 und machte sich unter anderem als Cembalobauer selbstständig, wo er in der Mühltorstraße in Lauffen immer noch eine Werkstatt hat.

Eine besondere Beziehung hat die Firma Rensch zu Norwegen. Rensch baut jährlich etwa eine Orgel, die sie dorthin liefert, bis heute sind es fünf. Christhard Rensch bildete einst einen Norweger aus, der die Schwester von Philipp Neßling heiratete und zurück in seine Heimat nahe Oslo ging. Seitdem gibt es eine Kooperation. Die Firma Rensch beliefert das südliche Norwegen. Dort gebe es wenig Orgelbauer, aber viele Orgeln. Rensch baut die Orgeln, zerlegt sie, eine Spedition verlädt sie auf Lkw und verschifft sie, eigene Monteure stellen die Orgeln wieder auf und intonieren sie.

Eine besondere Beziehung zu Orgeln

Andreas Willberg, Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Lauffen, an der Hauptorgel auf der Empore der Regiswindiskirche.

Foto: Friedhelm Römer


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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