Lauffen: Ein Leben am Fluss und mit dem Wein

Lauffen  Die Stadt Lauffen blickt auf eine ereignisreiche Vergangenheit zurück und präsentiert sich auf vielen Feldern sehr lebendig.

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Hölderlin im Kreisverkehr heißt das Kunstwerk von Peter Lenk.

Aus welcher Richtung man auch immer durch Lauffen fährt - der Neckar prägt das Bild. Er schneidet die Stadt in zwei Teile. Früher wurde der Fluss durch einen Felsrücken gezwungen, eine große Schleife zu bilden.

Die Erosionskräfte des Wassers haben dann einen Neckardurchbruch bewirkt, der Fluss verließ sein Bett und gab der heutigen Stadt ihren Namen (Laufen des Flusses, schnell laufende Wellen). Auf der westlichen Seite entstand das Dorf, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg zum eigentlichen Ortszentrum entwickelte, auf der östlichen das "Städtle" mit seiner Stadtmauer. Lange Zeit gab es in Lauffen die einzige Neckarbrücke zwischen Heilbronn und Stuttgart.

Die Römer brachten den Weinbau nach Lauffen

Stadtbildprägend ist aber nicht nur der Neckar. Auch der Wein spielt eine zentrale Rolle. Er hat eine lange Tradition, die bis zu den Römern zurückreicht, und die Kulturlandschaft, insbesondere die Terrassen-Steillagen, geprägt. Die 1978 durchgeführten Ausgrabungen eines römischen Gutshofs geben Einblicke in die Lebensweise eines landwirtschaftlich ausgerichteten römischen Anwesens im mittleren Neckarraum.

Seit der Fusion der Lauffener Weingärtner mit der WG Mundelsheim im Jahr 2012 bewirtschaften rund 1200 Mitglieder eine Anbaufläche von 880 Hektar. Davon sind 120 Hektar terrassierte Steillagen. Vor allem Schwarzriesling wird in Lauffen angebaut.

Legende um Regiswindis

Wahrzeichen der Stadt sind die Burg, die Regiswindiskirche und die Stadtmauer. Im achten Jahrhundert entstand auf einem Felsen über dem Neckar eine hölzerne Burg. Durch eine Legende aus dem Jahr 834, die auf die heutige Ortsheilige Regiswindis zurückgeht, entwickelte sich Lauffen zu einem Wallfahrtsort. Im späten elften Jahrhundert errichteten die Grafen von Lauffen, die Popponen, auf der Insel eine Adelsburg mit Wohnturm und Wirtschaftsgebäuden. Seit dem 19. Jahrhundert ist dort das Rathaus untergebracht. Die Regiswindiskirche ersetzte ab 1227 Vorgängerbauten aus dem achten Jahrhundert. Seit dem Wiederaufbau nach dem Brand von 1564 erhielt sie ihre heutige Gestalt und Größe.

Eine zentrale Rolle im Zusammenwachsen von Stadt und Dorf spielt der frühere Schultheiß Georg Lamparter. Er setzte die Vereinigung eines zuvor spannungsgeladenen Verhältnisses der beiden Teilgemeinden am 1. April 1914 um. Im Zweiten Weltkrieg hatte das NS-Regime auf den Feldern nördlich der Stadt unter dem Codenamen "Brasilien" die Beleuchtung des Stuttgarter Hauptbahnhofs nachgestellt, um die Alliierten bei ihren Luftangriffen zu täuschen. Lauffen musste 37 Luftangriffe über sich ergehen lassen, bei denen 99 Einwohner starben.

Gesamtanlage unter Denkmalschutz

Der historische Stadtkern von Lauffen Stadt und das alte Lauffen Dorf stehen als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Heute ist Lauffen eine lebendige Stadt mit nahezu 12 000-Einwohnern, mehr als 70 Vereinen und einem breiten Spektrum an Bildungseinrichtungen von der Sonderschule bis zum Gymnasium. Im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen hat Lauffen an der Werkrealschule festgehalten. Die Nachfrage an dieser Einrichtung ist weiterhin vorhanden.

Ein Leben am Fluss und mit dem Wein

Rathausburg und Schifffahrtskanal: Vor rund 1000 Jahren bauten die Grafen von Lauffen eine Steinburg auf der Insel und nutzten sie als Wohnturm mit Wirtschaftsgebäuden.

Fotos: Andreas Veigel

Größter Arbeitgeber am Ort ist die Firma Schunk. Das Familienunternehmen produziert Greifsysteme und Spanntechnik und beschäftigt mehr als 3500 Mitarbeiter in neun Werken.

Berühmtester Sohn der Stadt ist der Dichter Friedrich Hölderlin. Er wurde vor 250 Jahren in Lauffen geboren und verbrachte seine ersten vier Lebensjahre hier. Ein für den 20. März geplanter Festakt sowie die offizielle Einweihung des umgebauten und zu einem Museumsareal erweiterten Hölderlinhauses an der Nordheimer Straße fiel den Corona-Verordnungen zum Opfer. Zu diesem Ensemble gehört auch der Klosterhof. Hier stand im Mittelalter und der frühen Neuzeit ein Frauenkloster. Künftig dient der Klosterhof als Veranstaltungsort.

Kultur, Sport, Freizeit und Vereine nehmen einen breiten Raum ein. Seit 2010 gibt es mit der Kulturmanufaktur (KuMa) einen Verein, der sich gezielt der Kleinkunstbühne widmet. Die Stadt liegt direkt am beliebten 366 Kilometer langen Neckartalradweg von Villingen-Schwenningen nach Mannheim. Am Neckar gibt es einen Yachthafen, einen Kanu-Verleih und einen Ruderclub, der sich international einen Namen gemacht hat. Und vor einem Jahr hat die Stadt ihre grüne Lunge deutlich erweitert und den Lamparter-Park gebaut. Auch Weinerlebnisführungen, Weinproben und Weinfeste gibt es in der Angebotspalette.

 

Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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