Unterwegs auf dem Klebweg in Künzelsau

Künzelsau  Natur pur! Der Klebweg am Kocherabschnitt zwischen Recyclinghof und Scheurachshof ist nicht nur ein Zuhause für Biber oder Eisvögel, sondern auch ein wertvolles Biotop für Pflanzen wie Bärlauch, Lebermoos oder Pestwurz.

Von Andreas Scholz
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Wissen weitergeben: Dr. Hans Hagdorn (r.) erklärt Klaus Ottenbacher geologische Besonderheiten am Klebweg.

Foto: Andreas Scholz

Es ist ein warmer Junitag, als ich um kurz vor 10 Uhr den versteckten Einstieg zum Klebweg entdecke. Im Vorfeld meiner Erkundungstour habe ich mich unter anderem bei lokalen Naturschützern umgehört, was es da am Klebweg so alles zu beobachten gibt. Neben Biber, Eisvogel, Graureiher und Zwergtaucher ist der Naturtrail am Kocherabschnitt zwischen Recyclinghof und Scheurachshof ein wertvolles Biotop für Pflanzen wie Bärlauch, Lebermoos oder Pestwurz.

Erkundungstour Klebweg

Wer sich auf den Weg macht, sollte allerdings die Witterungsbedingungen nicht ganz außer Acht lassen. Bei hohem Wasserstand ist der Weg kaum begehbar und morsche Bäume oder brüchige Felsen können eine Gefahr sein.

Ich jedenfalls gehe das Risiko ein und habe Glück, dass es vorher kaum geregnet hatte und ich daher nur zwei größere Matschstellen bewältigen muss.

Neben mir wagen sich an diesem heißen Frühsommer-Vormittag noch drei weitere Wanderer auf den Klebweg: ein Mann aus Heilbronn, der von der Wiedereröffnung des Klebweges aus der Zeitung erfahren hat, und eine Frau aus Rheinhessen bei Alzey, die bei einer Bekannten in Künzelsau zu Besuch ist.

"Mir hat der Klebweg eigentlich gut gefallen, ich kannte ihn vorher nicht. Aber ich wusste nicht, dass der Weg an manchen Stellen so abenteuerlich ist", sagt Christel Schweitzer. Ich begleite die beiden Damen bis zum Scheurachshof, wo sie ein paar Holunderblüten pflücken und über den Glockenwald zurück nach Künzelsau wandern.

Alte Fachwerkhäuser 

Bei meiner ersten Erkundungstour auf dem Klebweg fällt mir auch die Ruhe auf dem Scheurachshof auf: beim Anblick der alten Fachwerkhäuser und -Scheunen fühle ich mich in alte Zeiten zurückversetzt. Ich hake bei Dr. Thomas Kreutzer vom Kreisarchiv des Hohenlohekreises nach, weil ich mehr wissen will.

"1791 handelt es sich beim Scheurachshof nur noch um einen Weiler mit fünf Haushalten, aber 1883 hatte er immerhin wieder 34 Einwohner. Politisch gehört der Scheurachshof zu Ingelfingen, doch kirchlich gehörte der Ort stets zur Pfarrei in Künzelsau", weiß der Historiker.

Kindheitstraum hat sich erfüllt

Ebenfalls viel Geschichtliches zu erzählen haben auch Klaus Ottenbacher aus Künzelsau und Dr. Hans Hagdorn aus Ingelfingen. Für Ottenbacher geht mit der Wiedereröffnung des Weges ein Kindheitstraum in Erfüllung. "Wir haben viel Arbeit investiert, um den Klebweg wieder erlebbar zu machen.

Da er ein Naturpfad ist, soll der Weg nicht den klassischen Sonntagsspaziergänger ansprechen und Mountainbiker wollen wir hier auch nicht haben", betont der 80-jährige. Auch Dr. Hans Hagdorn, Leiter des Muschelkalkmuseums in Ingelfingen, denkt eher an achtsame Wanderer mit Respekt vor der Natur und ehrlichem Interesse an Geologie und Ökologie als an "gesellige Kegelrunden".

Rückblick

Der historische Klebweg zwischen Künzelsau und Ingelfingen geriet viele Jahre in Vergessenheit, wuchs immer mehr zu. Beim Bürgerbudget 2019/2020, einem Förderprogramm für Bürgerprojekte in Künzelsau, hat das Klebwegprojekt des Vereins "StadtGeschichte Künzelsau" die meisten Stimmen erhalten (wir berichteten). Inzwischen ist er wieder begehbar.


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